Den Haag. Viele Polen ziehen wieder heimwärts. Jetzt kommen die Deutschen. Das ist der neue Trend auf dem niederländischen Arbeitsmarkt, insbesondere in der Baubranche. ,,Wir werben inzwischen aktiv in Ostdeutschland, weil wir dringend qualifizierte und gut ausgebildete Fachkräfte für den Bau brauchen“, sagt Erik Diekmeier, Chef der Rotterdamer Baufirma Breijer.
Der Bau- und Konstruktionskonzern Breijer ist ein modernes Unternehmen, das sich allerdings traditionellen Werten verpflichtet fühlt und eine entsprechende Firmenphilosophie konzipiert hat. ,,Bei uns gilt: Wort ist Wort, Absprache ist Absprache. Wir wollen zufriedene Kunden, beste Qualität abliefern und so effizient wie möglich arbeiten,“ umschreibt der Firmenchef sein Firmenmotto auf der Website des Baukonzerns. In diese Firmenphilosophie passen nach Meinung des Rotterdamer Bauers vor allem deutsche Mitarbeiter sehr gut. „Sie sind immer pünktlich. Auf sie ist Verlass.“ Daher wolle er in Zukunft noch mehr als bisher in Deutschland nach Fachkräften suchen, Maurer, Stuckateure, Verputzer, Maler.
Denn bisher hat die Rotterdamer Baufirma erst drei deutsche Mitarbeiter ,,mit denen wir aber sehr zufrieden sind“, stellt der Firmenchef fest. Allerdings hat der Rotterdamer Baukonzern inzwischen auch seine Personal-Strategie geändert. Gesucht werden jetzt keine Saison-Arbeiter mehr, wie das bei den vielen polnischen Arbeitskräften, die in den Niederlanden arbeiten, in der Regel der Fall ist. Nein, geboten werden vom Rotterdamer Baukonzern Breijer nun langfristige Verträge über mehrere Jahre. „Wir bieten einen festen Arbeitsplatz und gehen davon aus, dass unsere neuen Mitarbeiter auch mehrere Jahre bei uns bleiben werden.“
Keine große Sprachbarriere
Das Sprachproblem könne schnell gelöst werden. Die meisten Niederländer verstehen zumindest die deutsche Sprache und „,unsere ersten deutsche Mitarbeiter verstehen Niederländisch nach einigen Wochen hier im Land auch schon. Das klappt wunderbar“, so die ersten Erfahrungen beim Rotterdamer Baukonzern mit den neuen Gastarbeitern aus dem östlichen Nachbarland. In Kürze will das Rotterdamer Bauunternehmen wieder auf Personalsuche gehen in Deutschland, wahrscheinlich in der Region rund um Dresden.
Seitens der Deutsch-Niederländischen Handelskammer in Den Haag wird die in Holland wachsende Nachfrage nach deutschen Facharbeitern bestätigt. ,,Das Interesse nach gut ausgebildeten Fachkräften bis hin zu Ingenieuren aus Deutschland steigt ständig. Technisches Personal ist in den Niederlanden gesucht“, sagt Lars Gutheil, Pressechef der Kammer. Die beiden Volkswirtschaften sind eng verwoben, das bilaterale Handelsvolumen zwischen den Niederlanden und Deutschland beträgt jährlich rund 140 Mrd. Euro. Da sei es doch auch logisch, dass man im Nachbarland arbeitet, wenn es dort attraktive Stellen gibt.
Sein Kollege Christian Pick, Leiter der Rechts- und Personalberatung der Deutsch-Niederländischen Handelskammer in Den Haag, ergänzt: ,,Wir haben sogar eine eigene Website eröffnet für Deutsche, die in den Niederlanden arbeiten wollen. Sie lautet: www.dnhk.org/jobs Auch Christian Pick stellt fest: ,,Es gibt einen klaren Trend, dass immer mehr deutsche Fachkräfte in die Niederlande kommen, um hier zu arbeiten. Vertriebsexperten, Ingenieure und Bauarbeiter aus Deutschland sind in den Niederlanden am meisten gefragt.“
■Immer mehr Firmen aus den Niederlanden werben um Gastarbeiter aus Deutschland. Diese lösen damit die polnischen Arbeitskräfte ab, von denen viele wieder in ihr Heimatland zurückkehren.
Gefragt sind deutsche Facharbeiter vor allem wegen ihrer guten Ausbildung. Die Sprachprobleme sind leicht lösbar.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2008)

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