Wien. Die Sache ist heiß und lief bisher im Windschatten der AUA-Privatisierung ab. Die Sache ist sogar so heiß, dass Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am Mittwoch ÖIAG-Chef Peter Michaelis ins Kanzleramt zitiert hat, um sich über die aktuellen Aktivitäten der Staatsholding informieren zu lassen. Die Sache – das ist nicht der Verkauf der AUA, sondern die Partnersuche für die Telekom Austria (TA). Dabei spielt die ägyptische Orascom eine zentrale Rolle, wie der „Presse“ aus TA-Kreisen bestätigt wurde.
Dem Vernehmen nach wird auch schon ernsthaft verhandelt. Sowohl Michaelis als auch TA-Boss Boris Nemsic sollen bereits Gespräche mit Orascom geführt haben. Und was noch wichtiger ist: Auch mit den beiden Großparteien SPÖ und ÖVP soll der Deal akkordiert sein, wobei die Zustimmung der SPÖ, die Unternehmensverkäufen traditionell ablehnend gegenüber steht, besonders viel zählt.
Nach der Wahl könnte es daher ernst werden. „So ein Deal geht nur rasch oder gar nicht“, plaudert ein Insider aus dem internationalen Erfahrungsschatz. Die wichtigste Voraussetzung für einen Verkauf bzw. eine Fusion der TA: Die ÖIAG, die noch 27,4 Prozent an der TA hält, braucht einen neuen Privatisierungsauftrag.
Seit der Betriebsratschef der TA, Michael Kolek, Mitte August im Exklusivgespräch mit der „Presse“ gefordert hat, die Telekom möge sich aktiv und rechtzeitig einen Partner suchen, bevor sie von der Übernahmewelle überrollt wird, und sein Boss Boris Nemsic einen Partner als „große Chance für Wachstum“ bezeichnet hat, wird in der Branche heftig spekuliert. Insider nennen eine ganze Reihe von Namen, die Nemsic auf dem Radarschirm haben soll. Auch von vier Szenarien ist die Rede:
•Die Branchenriesen Vodafone, Telefonica und Deutsche Telekom haben die TA auf ihrer Einkaufsliste. Als sicher gilt allerdings auch, dass die TA im Falle einer Übernahme durch einen der drei Konzerne stark unter Druck käme.
•Die Alternative wäre der Einstieg eines Finanzinvestors, der langfristiges Interesse hat. Als Modell dafür gilt die OMV, bei der die Ipic aus Abu Dhabi im Syndikat mit der ÖIAG knapp unter 50 Prozent hält.
•Großes Interesse an der TA wird auch russischen Telekomunternehmen nachgesagt. Dazu zählt die zur Sistema gehörende MTS – sie ist wie die TA-Tochter Mobilkom in Weißrussland tätig – ebenso wie die Vimpelcom, die der Alfagruppe von Michail Fridman gehört. Das russische Trio macht die Megafon komplett, an der neben der Alfagruppe auch TeliaSonera Anteile hält.
•Eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“, wie es Kolek bezeichnet hat, käme mit einigen mittelgroßen Telekom-Unternehmen in Frage: Dazu zählen die Swisscom, mit der eine Fusion 2005 gescheitert ist, genauso wie Belgacom, TeliaSonera oder KPN – und Orascom.
Jahrelange Kontakte
Die Orascom spielt in diesen „Sandkastenspielen“ eine besondere Rolle und eine Partnerschaft scheint von der ÖIAG und der TA-Spitze als ernsthaftes Szenario angedacht zu sein. Offiziell gibt es dazu weder von der Staatsholding noch der TA einen Kommentar.
Die Orascom, die bisher vor allem in Nordafrika, dem Mittleren Osten und Asien aktiv ist, hat viel Geld in der Kasse und will es in die Expansion nach Europa stecken. Hier beschränkt sich das Geschäft bisher auf Italien (mit dem Handynetzbetreiber Wind) und auf Griechenland mit TIM Hellas.
Aus Griechenland dürften auch die Kontakte zwischen Nemsic und Orascom-Telecom-Boss Naguib Sawiris stammen. Die TA wollte 2007 die griechische OTE übernehmen, der Deal ist aber am Widerstand der griechischen Gewerkschaften gescheitert. In Serbien standen sich Nemsic und Sawiris vor zwei Jahren als Gegner gegenüber, als es um den Kauf des Mobilfunkers Mobi63 ging. TA und Orascom verloren beide das Match an die Telenor. Beide Manager sind auch in der GSM-Association aktiv.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2008)

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