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Nachbar in Not: Ungarn droht Pleite

16.10.2008 | 19:07 |  MATTHIAS AUER UND PETER MARTOS (Die Presse)

Das Land ist hoch verschuldet, neues Geld kommt nur zögernd nach. Die EZB springt mit einem Notkredit ein und pumpt kurzfristig fünf Mrd. Euro in Richtung Budapest.

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Wien/Budapest. Wem der drohende Staatsbankrott Islands – schon alleine geografisch – nicht nahegegangen ist, dem reicht jetzt ein Blick über die österreichische Grenze. Denn dort kämpft mit Ungarn nun erstmals auch einer unserer Nachbarn gegen den Kollaps.

Seit Jahren ringt die Regierung in Budapest mit hohen Staatsschulden – 2007 waren es 62 Mrd. Euro. Im Vergleich zum BIP ist das zwar nicht viel mehr als die österreichische Staatsschuld, aber keine andere junge Marktwirtschaft Zentraleuropas hat so hohe Schulden. Es wäre immer noch kein Problem, solange sich diese Schulden etwa über Staatsanleihen gegenfinanzieren lassen. Doch seit einigen Tagen ist das Vertrauen in den „Schuldner Ungarn“ stark gesunken und der Markt für Staatsanleihen völlig zusammengebrochen. Die nationale Währung, der Forint, und die Aktienmärkte rasselten gleich mit nach unten.

 

Bis Jahresende Geld genug

Nun springt die Europäische Zentralbank (EZB) ein und pumpt kurzfristig fünf Mrd. Euro in Richtung Budapest. Um einen möglichen Staatsbankrott abzufangen, ist das Geld zu wenig, für eine kurzfristige Erholung des Forint hat es am Donnerstag aber gereicht. Gedacht ist die Finanzspritze jedoch als vertrauensbildende Maßnahme, die wieder Ruhe in die angespannten Kreditmärkte des Landes bringen soll. Gelingt das nicht, stehen die Ungarn vor einem ernsten Problem: „Bis Ende des Jahres, heißt es, kann sich Ungarn auch ohne neue Staatsanleihen über Wasser halten“, sagt Sándor Richter, Ungarn-Experte am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Gibt es dann keine neuen Käufer, wird wohl ein gemeinsames Hilfspaket von EZB und IWF (Internationaler Währungsfonds) nötig.

Während andere Beobachter die drohende Insolvenz des Landes nur als „Überreaktion der Märkte“ sehen, feilt die Regierung in Budapest fieberhaft an einem Rettungspaket. Doch vor dem „nationalen Gipfel“ am Samstag, zu dem Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány alle Parteien, Sozialpartner und gesellschaftlichen Kräfte eingeladen hat, herrscht Ratlosigkeit.

Der Regierungschef werde wohl gravierende Sparmaßnahmen und Belastungen vorschlagen, welche die Opposition kategorisch ablehnen werde, vermuten Beobachter. Unter Berufung auf die Krise würden beide Seiten den Gegner beschuldigen, keine Einigung zu ermöglichen. Die erhofften Staatsgarantien für die ungarischen Banken könne das Land nur mit internationaler Hilfe abgeben.

 

Dominoeffekt in Osteuropa?

Selbst wenn Ungarn, wie zu erwarten, von EZB und IWF aufgefangen werden sollte, wird sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren nur wenig über der Nulllinie bewegen. Die Nachfrage in Westeuropa geht zurück, das schwächt die Industrie des Exportlandes. Für nötige Investitionen fehlen leistbare Kredite.

Schlimmer noch: 56 Prozent des gesamten Kreditvolumens wurden nicht in der heimischen Währung ausgeschüttet. Sollte der Forint weiter abgewertet werden, stünden viele Fremdwährungskreditnehmer vor ernsten Problemen. Davon wären wiederum auch heimische Banken betroffen, die einen großen Anteil des ungarischen Bankenmarktes kontrollieren.

Ob der Gipfel am Wochenende bereits die Rettung des Landes bringen wird, scheint ungewiss. Entscheidend wird aber die Frage sein, ob Ungarn nur das erste Glied in einer ganzen Kette an osteuropäischen Staaten ist, die wegen der Finanzkrise um ihre finanzielle Existenz fürchten müssen. Serbien und die Ukraine haben, wie auch Ungarn, bereits um Hilfe beim IWF angesucht.

„Ungarn ist in der schlechtestmöglichen Position“, sagt Vladimir Gligorov, Finanzmarktexperte am WIIW. Sollte sich die internationale Finanzkrise nicht rasch entspannen, erwartet er in Zukunft weitere Hiobsbotschaften aus der Region. Erste Kandidaten wären aus seiner Sicht demnach Bulgarien, Rumänien und Kroatien.

 

Sparfreudigkeit erhöhen

Zumindest für die EU-Länder müsste wohl die EZB wieder mit schnellen Krediten zur Stelle sein. Eine Lösung des Problems sieht der Experte darin aber nicht. „Geld ist nett, aber nur eine zwischenzeitliche Lösung“, sagt er. Langfristig müssten diese Länder die Abhängigkeit von ausländischen Importen reduzieren und ihre Leistungsbilanzdefizite in den Griff bekommen.

Der Weg dahin dürfte vielen nicht schmecken. Denn das hieße weniger Konsum und höhere Sparquoten.

(c) Die Presse / LB

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2008)

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39 Kommentare
 
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Gast: hellgate
11.02.2009 00:03
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Na Ja...

.. Hat die EU ja als osteuropäischen Wachstumsmarkt aufnehmen müssen. Das ist jetzt wohl die Rechnung.
Diese Statten hätte man wohl noch ein paar Jahre hinter dem "eisernen Vorhang" lassen Müssen

Gast: Justice
02.11.2008 12:28
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Regierungswechsel brachte Verderben

blicken wir mal in die Vergangenheit, z.B. in das Jahr 2002, da war Ungarn das führende osteuropäische Land in Sachen Wirtschaftswachstum und der Euro sollte 2005 sicher eingeführt werden...
... wie konnte es passieren das sie in nur 6¿ Jahren so tief sanken?

www.amtshaftung.at es lohnt sich diesen Verein anzusehen !

Der "Verein FMA - Verein zum Finanzmarktausgleich" wird 2008 gegründet und tritt als unabhängiger Verein für mehr Fairness, Sicherheit und Korrektheit am Finanzmarkt ein.

Unser wesentliches Anliegen ist es einerseits, Anleger gegen unlautere oder unpassende Praktiken von Anbietern von Wertpapierdienstleistungen - große Kreditinstituten aber auch den "kleinen Nachbarn", die nebenberuflich für "die Versicherung" oder "den Strukturvertrieb" arbeiten, zu schützen. Zu oft bieten uns diese Anbieter Produkte an, die wir nicht verstehen, und deren Risiko oft nicht einmal der Anbieter richtig versteht.

Hoffnung77
18.10.2008 11:28
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Handeln

Jetzt darf man nicht mehr wegschauen.
Ungarn... wir drücken Euch die Daumen! Ungarn hat schon so viel überstanden...das schafft Ihr auch noch!

Antworten ujvar
18.10.2008 12:14
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Re: Handeln

Nein mit Handeln kann Ungarn nicht auftrumpfen. Seit 1956 hat man alles durchgesessen und mit den Kadars und Gyurczánys mitgestohlen.

Antworten Antworten Hoffnung77
18.10.2008 14:21
0 0

Re: Re: Handeln

Liebe(r) Ujvar,
was hälst Du davon:"erst infomieren, dann mitreden"? Sonst machst Du Dich ja nur selber lächerlich. Und warum redest Du überhaupt so über Ungarn? Kennst Du Dich aus?

Gast: István
17.10.2008 21:16
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Trianon

Ungarn wird auch das bewältigen. Verglichen mit den historischen Krisen, die die Magyaren heimgesucht haben, handelt es sich hier um ein buchhalterisches Problem. Gott schütze Ungarn vor seinen falschen Freunden!

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Sozialisten führen Ungarn in den Bankrott

Mir fällt dazu nur der (leider) wahre Spruch von einem ehemaligen deutschen Bundeskanzler ein: "Alles was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen."
Und das haben Grüne und Rote leider immer noch nicht verstanden: Das Geld wächst NICHT auf Bäumen und kommt NICHT automatisch vom Bankomat!!!!!
D.h. was die Sozialisten in Ungarn gemacht haben, einfach Gehälter um 50-100 % zu erhöhen etc., das ist zwar wünschenswert, aber das ist kommunistisches Milchmädchen-Wirtschaften, das ein Land bankrott machen kann. Bei uns in Ö koppeln sich leider auch immer mehr Parteien von der wirtschaftlichen Realität und Notwendigkeit ab.

Antworten mobi
17.10.2008 18:21
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Re: Sozialisten führen Ungarn in den Bankrott

Schauen Sie: Das ist doch in ganz Europa dasselbe. Island, Ungarn usw.

Europa ist finanziell am Boden, oder etwa nicht?

Gut das ich bald weit weit weg von Europa lebe.

Antworten Antworten Gast: renard23
17.10.2008 20:08
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Re: Re: Sozialisten führen Ungarn in den Bankrott

Weit weg von Europa - nehmen Sie mich mit - bzw. um welche Destination handelt es sich denn konkret ?

Antworten Antworten mobi
17.10.2008 18:21
0 0

Re: Re: Sozialisten führen Ungarn in den Bankrott

Ergänzung: nicht nur finanziell.

Antworten Antworten Antworten Gast: lamento
17.10.2008 21:06
0 0

Re: Re: Re: Sozialisten führen Ungarn in den Bankrott

Warum ist Europa denn Ihrer Meinung nach am Boden?

msmester
17.10.2008 10:59
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Not the State finances, but the Forint in danger

Even though I concur with the writer in that Hungary's State finances are not convincing, but I have to point out the there is a continuous decline in the state debt rate since 2004. Of course there is a need for further steps especially to cut back the numbers of the state employed people and state extravaganza where necessary.

But the forint itself would be in great danger as a prime goal for speculative attacks. The real economy suffers much more from an uncalculable attacked valute rate than from a high refinance need in the state sector.

I hope the Hungarian Government will show some more diligence in settling its disputes with the opposition to come to an agreement and save the forint.

Sorry for the English - I wouldn't have been able to put it together in a followable German that fast...

Gast: Uuiijeeemine
17.10.2008 09:44
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Pleite ist auch die nächste Generation!

Wenn ich mir überlege wer all dieses Geld in Form von Steuern zurückzahlen muss, dann denk ich, hat dieses gierige Banksystem gleich die Zukunft der nächsten Generation verspielt und sie ordentlich ausgenommen.

Was bedeutet das für den Euro?

Die nächste Weltfinanzkrise heisst öffentliche Schulden nicht mehr rückzahlbar, Staaten pleite, Währung tod.
Totaler Neubeginn! Wieder eine Aufbaugeneration.

Antworten anna89
17.10.2008 11:33
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Re: ????? Pleite ist auch die nächste Generation!

Und was hat das jetzt mit dem Bankensystem zu tun???

Was hat das System amerikanischer Investmentbanken mit den Kerngeschäften unserer systemrelevanten Institute zu tun????

Keine Ahnung, wie??? Aber g'scheit posten ...

Antworten Antworten hw
17.10.2008 11:58
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Re: Re: ????? Pleite ist auch die nächste Generation!

er sucht halt einen schuldigen, und banken sind halt grad negativ belegt. mediengesteuert halt.

hat nicht da der SPÖ-möchtegernfinanzminister kürzlich postuliert:
"schuld an dem schuldenberg österreichs sind die länder." das kann noch lusig werden.

Antworten hw
17.10.2008 11:07
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Re: Pleite ist auch die nächste Generation!

das banksystem?
es ist sehr einfach, die schuld an das banksystem abzuschieben.
gewählt, ja demokratisch gewählt werden die parteien die am meisten versprechen.
österreich, ist da ja musterknabe, wer hat den aller im parlament vor ein paar wochen noch groß zuckerl verteilt, ich denke mich zu entsinnen, dass da ALLE parteien beteiligt waren.

wenn man heute schon von armut spricht, ich meine die, wo sich der jährliche urlaub nicht mehr aus geht, nicht die wirkliche, dann kann man erahnen wos langgeht.

Gast: Pleitegeier
17.10.2008 08:29
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Staaten

können nicht pleite gehen. Da gibt es ja noch beträchtliches Eigentum. Wie Schulgebäude, Kanalnetz, Straßen usw.. Ahja stimmt,- bereits verkauft und angemietet. Naja aber die Gehsteige lassen sich noch verkaufen.

Antworten Gast: Mad-Max
17.10.2008 12:53
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Re: Staaten

Also soweit ich weiß wurde nur das Wiener Kanalnetz verkauft, oder täusch ich mich? Von daher mach ich mir noch eher wenige Sorgen, wir können ja noch die Kanalnetze von 8 weiteren Bundesländern verkaufen :)

Antworten Sochard
17.10.2008 08:41
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Re: Staaten

und im Notfaal kann ja auch alles wieder verstaatlichen :-P

Antworten Antworten Gast: Pleitegeier
17.10.2008 11:32
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Re: Re: Staaten

Ja genau richtig. So wie bei den Habsburgern. Gläubigern die Rübe runter.

Gast: suppo.intelli
17.10.2008 08:20
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Realwert ist falsch, BEGRENZT ist richtig

Grund (aber nicht Häuser), Edelmetalle (aber nicht Erze), sind natürlich begrenz und weisen daher im Vergleich zu menschlich steuerbaren Mengen (Papiergeld, Häuser,...) eine andere Eigenschaft auf.

Der Umstand, dass nach tonnenweisem Verkauf von Gold durch Notenbanken in den letzten 2 Wochen zu Lasten von Gold und zu Gunsten von Aktien hier enteignet wurde, ändert daran wenig, außer, dass juristische Nachspiele nicht ausgeschlossen sind, denn die EU ist ja für "fairen" Wettbewerb, oder nicht?

Antworten hw
17.10.2008 11:10
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Re: Realwert ist falsch, BEGRENZT ist richtig

sie nehmen eine momentaufnahme, und projizieren in alle zukunft.
was tuns den mit einem grundstueck, irgendeiner gstetten?

Antworten Sochard
17.10.2008 08:40
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Re: Realwert ist falsch, BEGRENZT ist richtig

Harte Grenzen sind kaum zu finden!
Wenn ich es mir recht überlege, dann fällt mir eigentlich nur das Grundstück ein, das diese Kriterien erfüllt. Die Menge des verfügbaren Metalls ist wie Erdöl an Förderkosten gebunden ...

Antworten Antworten hw
17.10.2008 11:12
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Re: Re: Realwert ist falsch, BEGRENZT ist richtig

das metall und auch geld kann man aber transportieren, das grundstück nicht, dass könnens mit der heugabel verteidigen.

Antworten Antworten Antworten Sochard
17.10.2008 13:12
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Re: Re: Re: Realwert ist falsch, BEGRENZT ist richtig

lol, das war gut :-)

Ich bin ein wenig über das Ziel hinausgeschossen und werde nun mit einem schmuzeln auf den Lippen mein Wochenende antreten - danke

 
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