Chrysler ist offenbar mit mehreren Autobauern in Verkaufsgesprächen. Wiederholt werden die Konzerne Renault und General Motors genannt.
In den Verhandlungen würden sowohl der Verkauf des Gesamtkonzerns als auch seiner Teile bis hin zur Gründung von Allianzen erörtert, sagten mit den Gesprächen vertraute Personen.
"WSJ": Einigung soll im Oktober kommen
Das "Wall Street Journal" schreibt am Freitag in seiner Online-Ausgabe, GM sei an einer schnellen Einigung interessiert, da die Drittquartalszahlen schwach ausfallen dürften und der Konzern auf der Suche nach neuen Finanzierungsquellen sei, schreibt das "Wall Street Journal" Onlineausgabe am Freitag unter Berufung auf Eingeweihte.
Dies treibe den ehemals weltweit größten Automobilkonzern an, die Transaktion noch im Oktober fest zu machen. Auch einige kreditgebende Banken wie JPMorgan Chase unterstützten einen Zusammenschluss.
Daimler will ganz aussteigen
Nachdem der deutsche Autokonzern Daimler im vergangenen Jahr 80 Prozent der Chrysler-Anteile an die US-Investmentgesellschaft Cerberus verkauft hat, rückt auch die Veräußerung der restlichen 20 Prozent an Cerberus näher. Denn eine Einigung in den Gesprächen zwischen Chrysler und den Autobauern hänge davon ab, dass Cerberus auch den restlichen Anteil von knapp 20 Prozent von Daimler erwerbe, hieß es. Dazu verlautete kürzlich aus dem Umfeld des Stuttgarter Autobauers, Daimler habe kein Interesse, an einer Fusion zwischen Chrysler und einem anderen Autobauer beteiligt zu sein.
Cerberus: Auch Zerschlagung ein Thema?
Cerberus zieht informierten Kreisen zufolge nun mehrere Möglichkeiten in Betracht, die auch zu einer Zerschlagung seiner Tochter führen könnten.
Dagegen berichtet das "Wall Street Journal", Cerberus sei durchaus daran interessiert, an einem künftigen Konzern GM-Chrysler beteiligt zu sein. Allerdings seien beide Seiten von einer festen Vereinbarung noch weit entfernt. Einige GM-Aufsichtsratsmitglieder lehnten eine solche Verbindung weiter ab. Das GM-Management sei davon überzeugt, dass der Zusammenschluss mehr als 10 Mrd. Dollar (7,40 Mrd. Euro) an Kostensynergien bringen könne, heißt es. Die beteiligten Unternehmen wollten die Informationen der Zeitung nicht kommentieren.
Oder nur die Minivans
Als Alternative für eine Übernahme des gesamten Chrysler-Konzerns könnte sich GM etwa nur die absatzstarke Minivan-Reihe von Chrysler, oder oder das mexikanische Lastwagenwerk einverleiben. Die Verhandlungen seien aber noch in einem frühen Stadium. Der starke Abschwung am US-Automarkt habe den Druck auf die Hersteller aber erhöht.
Bisher wollten sich weder Chrysler noch Cerberus oder GM zu den Meldungen äußern. Auch Daimler und Renault waren für einer Stellungnahme nicht zu erreichen.
Dem jahrzehntelang weltgrößten Autokonzern macht in jüngster Zeit der japanische Hersteller Toyota den ersten Platz streitig. Zusammen mit Ford und Chrysler gehört GM zu den so genannten "Big Three" der US-amerikanischen Autohersteller. Unter den US-Herstellern folgt Ford auf dem zweiten und Chrysler auf dem dritten Platz. Alle drei haben mit existenzbedrohenden Absatzeinbrüchen auf dem heimischen Markt zu kämpfen. Dafür werden neben konjunkturellen Entwicklungen vor allem die steigenden Spritpreise und eine überalterte Produktpalette verantwortlich gemacht.
Die derzeitige Misere der gesamten Autobranche und speziell der US-Hersteller schlägt sich auch auf die österreichischen Zulieferer nieder. So schickt Magna Steyr ab November 2600 Beschäftigte in Kurzarbeit.
Insgesamt sind in der heimischen Autozulieferindustrie rund 160.000 Arbeitnehmer direkt beschäftigt. Aufgrund der massiven Außenhandelsverflechtung mit den USA ist der Automotive-Sektor der größte Bereich in Österreich, der von der US-Krise betroffen ist.
(Ag./Red.)

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