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Weltspartag: Das Sparbuch erlebt eine Renaissance

19.10.2008 | 18:09 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Banken rüsten sich mit attraktiven Zinssätzen für den Weltspartag. Die Nachfrage nach Aktien und Fonds ist stark gesunken.

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Wien. Der Weltspartag naht. Angesichts der Finanzkrise erwarten die Banken einen deutlich größeren Ansturm als in den vergangenen Jahren. Denn das Sparbuch ist wieder in Mode gekommen. Waren es im Jahr 2000 nur 15 Prozent der Österreicher, die das Sparbuch interessant fanden, so sind es mittlerweile 51 Prozent. Das ergab eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung. Den zweiten Platz in der Rangliste der beliebtesten Sparformen nimmt der Bausparvertrag (47 Prozent) ein. Die Nachfrage nach Aktien und Investmentfonds ist dagegen stark gesunken.

Trotz der kräftigen Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) buhlen die österreichischen Banken weiter mit attraktiven Konditionen um Sparkunden. Experten raten, sich die hohen Zinssätze für einen längeren Zeitraum zu sichern. Denn der Druck auf die EZB wächst, die Leitzinsen weiter zu reduzieren. Die „Presse“ bringt einen Überblick über die Weltspartag-Aktionen der Banken:
•5,5 Prozent bei der Bawag: Die ehemalige Gewerkschaftsbank setzt auf das „Gute-Nachrichten-Sparbuch“, das bei der derzeitigen Inflation mit 5,5 Prozent verzinst wäre. Die Laufzeit liegt bei zwei Jahren. Die Zinsen setzen sich aus einer jährlichen Fixverzinsung von 1,75 Prozent zusammen plus der Inflationsrate. Als Grundlage für die Berechnung dient der „Harmonisierte Verbraucherpreisindex der Eurozone ohne Tabak“. Allerdings erwarten Experten, dass die Inflationsrate demnächst sinkt.

 

Inflations- und Künstlersparbuch

•5,3 Prozent bei der direktanlage.at: Neukunden erhalten bei Eröffnung eines Sparbuchs eine Verzinsung von 5,3 Prozent bei einer Laufzeit von sechs Monaten. Bei gleichzeitigem Übertrag von Wertpapieren erhöht sich der Zinssatz auf sechs Prozent.
•5,15 Prozent bei der Generali Bank: Die Direktbank der Generali-Versicherung bietet bei Eröffnung eines Kontos 5,15 Prozent Fixzinsen pro Jahr an. Die Mindesteinlage beträgt bei einer Laufzeit von 15 Monaten 2000 Euro. Der Zugriff auf das Konto ist allerdings nur per Internet und Telefon möglich.
•5,0 Prozent bei der Bank Austria: Die UniCredit-Tochter setzt auf das „Künstler-Sparbuch“, das bis 31. Oktober erhältlich ist. Geboten wird bei einer Laufzeit von sieben Monaten ein fixer Zinssatz von fünf Prozent. Wer sein Geld elf Monate binden lässt, bekommt 4,75 Prozent. Dieser Unterschied zeigt, dass die Bank Austria von einer EZB-Zinssenkung ausgeht. Die Hülle des Sparbuchs wurde von Markus Prachensky, einem der wichtigsten Vertreter der österreichischen Avantgarde, gestaltet. Kunden haben zudem die Möglichkeit, zum ermäßigten Preis das Kunstforum der Bank Austria zu besuchen.
•5,0 Prozent bei der Hypo-Alpe Adria: Das Kärntner Institut, das in ganz Österreich mit Filialen vertreten ist, zahlt fünf Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr. Die gleiche Aktion gibt es bei der PSK.
•4,88 Prozent bei der livebank.at: Die Online-Bank der Volksbanken-Gruppe bietet für täglich fällige Spareinlagen einen Zinssatz von 4,88 Prozent.
•4,75 Prozent bei der Volksbank Wien und der Erste Bank. Beide Institute haben neue Kapitalsparbücher aufgelegt – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zusätzlich gibt es bei der Erste Bank und den Sparkassen ein Ansparprodukt mit einem Zinssatz von 4,75 Prozent.
•4,5 Prozent bei ING DiBa: Die größte Direktbank Österreichs hat ihre 4,5 Prozent-Zinsaktion für täglich fällige Sparguthaben bis 31. März 2009 verlängert. Zudem erhält jeder Neukunde bei einer Mindesteinlage von 5000 Euro den Wert einer Autobahn-Vignette von 74 Euro gutgeschrieben.

 

Kleine Weltspartagsgeschenke

Bei der Bank Austria bekommen Kunden in der Weltsparwoche unter anderem Wärmeflaschen und eine Spielesammlung. Die Sparkassen verschenken Sparefrohs und andere Aufmerksamkeiten. Die Bawag verzichtet heuer auf große Geschenke, stattdessen soll den „Rote Nasen Clowndoctors“ ein Scheck überwiesen werden.

Für Sparer sind die Rekordzinsen wegen der hohen Inflationsrate dennoch meist ein Verlustgeschäft. Wer nach Abzug der Kapitalertragssteuer eine Nullverzinsung anstrebt, müsste schon 5,2 Prozent bekommen.

auf einen blick

Die Nachfrage nach Aktien und Investmentfonds ist stark gesunken. Dafür steht das klassische Sparbuch bei Sparern wieder hoch im Kurs.

Die Banken tragen dem Rechnung und bieten Produkte mit attraktiven Zinssätzen.

Am meisten bekommt man mit 5,5 Prozent derzeit bei der Bawag. Auch die meisten anderen Banken bieten rund fünf Prozent Zinsen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2008)

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3 Kommentare
Peregrin
20.10.2008 09:57
0 0

Danke fuer den letzten Absatz

Den habe ich bei allen Meldungen ueber die Zinsangebote der Banken bisher vermisst.

Gast: Sparefroh
19.10.2008 23:26
0 0

Verlustgeschäft

Ist es nicht aber so, dass niedrige Inflation und niedriger Leitzins einher gehen. Und niedriger Leitzins mit niedrigen Einlagenzinsen? Dann verliert der Sparer ja eh immer. Sehe ich das zu simpel oder gar falsch?

Antworten Peregrin
20.10.2008 10:05
0 0

Re: Verlustgeschäft

Sie sehen das voellig richtig. Sparbuecher dienen nur mehr dazu, den Menschen langfristig und unauffaellig das Geld abzunehmen.

Frueher, als noch echtes Geld verwendet wurde (das also nicht beliebig inflationiert werden konnte), gab es auf "sichere" Anlagen mindestens 3-4 Prozent reale Zinsen, unbesteuert. Da konnten die Leute noch sparen und folglich aufbauen. Heute herrscht die Wahnidee, dass die Wirtschaft floriere, wenn jeder sein Geld moeglichst sofort fuer irgendeinen Schmarrn zum Fenster hinauswerfe.