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Ryanair: Massiver Gewinneinbruch beim Billigflieger

03.11.2008 | 18:04 |   (DiePresse.com)

Europas größter Anbieter von Billigflügen muss einen deutlichen Gewinneinbruch im ersten Halbjahr hinnehmen. Wie andere Airlines hat Ryanair im Sommer teure Kerosin-Verträge unterschrieben und muss sie jetzt einhalten, auch wenn der Ölpreis unten ist.

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Europas größter Billigflieger Ryanair hat in den vergangenen Monaten einen massiven Gewinneinbruch erlitten. Das irische Unternehmen setzt nun auf eine Preissenkung um 15 bis 20 Prozent, um in der Wirtschaftskrise Passagiere in seine Flugzeuge zu bekommen. Ryanair erwarte für die kommenden sechs Monate zwar einen Verlust, im Gesamtjahr aber ein ausgeglichenes Ergebnis, wie der Billigflieger am Montag mitteilte.

Vom Regen in die Traufe

Wie andere Fluggesellschaften kam Ryanair in diesem Jahr vom Regen in die Traufe. Erst schossen die Kosten vor allem durch den massiven Anstieg der Kerosinpreise in die Höhe. Jetzt hält der weltweite wirtschaftliche Abschwung die Menschen vom Fliegen ab. Als Nebeneffekt der schwachen Konjunktur sind die Spritpreise zwar steil gefallen - doch die meisten Airlines haben nichts davon, weil sie im Sommer teure Terminkontrakte eingegangen sind.

Minus 31 Prozent beim Gewinn

Bei Ryanair fiel der Gewinn in dem Ende September abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal um fast 31 Prozent auf knapp 186 Mio. Euro. Im gesamten ersten Halbjahr des Geschäftsjahres fiel der Reingewinn inklusive aller Sonderbelastungen damit um fast 77 Prozent auf 953 Mio. Euro.

Kundenzahl wächst weiter

Der Umsatz stieg mit dem Ausbau der Ryanair-Verbindungen dagegen weiter deutlich. Im dritten Quartal legten die Erlöse noch um fast 17 Prozent auf 1,03 Mrd. Euro zu und im Halbjahr in ähnlicher Größenordnung auf 1,81 Mrd. Euro. Allerdings stieg die Kundenzahl in den vergangenen sechs Monaten noch stärker um 19 Prozent auf 31,6 Millionen. Der Durchschnittspreis für ein Ticket, inklusive Gepäckgebühr, fiel um vier Prozent auf 47 Euro. Die Flugzeuge waren zu 85 Prozent ausgelastet - ein Rückgang um einen Prozentpunkt.

Der Plan: In die USA für zehn Euro

In der Krise plant Ryanair zudem Billigflüge in die USA. Transatlantische Flüge würde es allerdings nur geben, wenn Ryanair billige Langstreckenmaschinen von Konkurrenz-Fluggesellschaften erwerben könne, sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary der BBC. Er hatte am Wochenende in einem Interview erklärt, dass Ryanair Tickets in die USA für rund zehn Euro anbieten will.

Ryanair führt den Gewinneinbruch vor allem auf die Verdoppelung der Treibstoffkosten auf 788 Mio. Euro im ersten Halbjahr zurück. Allerdings stiegen auch wegen des Ausbaus des Geschäfts die Kosten auf breiter Front, ob für Flugzeug-Wartung oder Start- und Landegebühren. Ryanair steuerte mit einem massiven Schnitt bei den Marketing-Ausgaben gegen.

Treibstoff-Terminkontrakte nur für jetzt

Die Airline betonte, man habe nur noch für das laufende Quartal langfristige Treibstoff-Terminkontrakte abgeschlossen. Dabei ging Ryanair von einem Ölpreis von 124 Dollar je Barrel aus, während er derzeit am Markt nur noch bei 60 Dollar (46,8 Euro) liegt. Allerdings schaffe das Fehlen von Terminkontrakten für das vierte Geschäftsquartal Freiraum für Preissenkungen. "Wenn die Ölpreise im kommenden Jahr bei etwa 80 Dollar pro Barrel bleiben, dann werden sich unsere Gewinne stark erholen", sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary. Ryanair fliegt auf mehr als 800 Routen in 26 Ländern.

Ryanair will Alitalia-Slots

In Italien startet Ryanair mit einer aggressiven Aktion zur Übernahme der Slots, von denen sich die bankrotte Alitalia im Zuge einer tiefgreifenden Umstrukturierung trennen muss. Über 20 Slots will Ryanair von Alitalia auf dem rentablen italienischen Markt übernehmen. Außerdem will der Billigflieger auf zwei weiteren Flughäfen auf Sardinien - Cagliari und Alghero - Fuß fassen.

Acht italienische und elf internationale Flugverbindungen von und nach Sardinien will Ryanairs Chef Michael O'Leary anbieten, sowie täglich fünf Flüge auf der stark beflogenen Route Mailand-Rom. Außerdem werden pro Tag zwei Flugverbindungen zwischen Rom und der apulischen Hafenstadt Trapani eingeführt. Wegen des stärkeren Angebots setzt Ryanair in Italien drei neue Maschinen ein.

(Ag./Red.)

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