Washington (ag/ju). Die Verbraucherpreise sind in den USA im Oktober gegenüber dem Vormonat um ein Prozent geschrumpft – doppelt so stark als erwartet und in einem Ausmaß, das es seit dem Beginn der einschlägigen Aufzeichnungen im Jahr 1947 noch nie gegeben hat. Hauptauslöser war der starke Energiepreisverfall (Benzin wurde etwa allein im Oktober um 14 Prozent billiger). Die Preisrückgänge ziehen sich aber durch alle Sektoren – vom Haus über das Auto bis zur Bekleidung – was Beobachter auf starke Konsumzurückhaltung angesichts der grassierenden Krise zurückführen.
Deflation noch nicht in Sicht
Die Gefahr, dass es bei anhaltenden Preisrückgängen zur gefürchteten Deflation kommt (die letzte haben die USA während der großen Depression in den Dreißigerjahren erlebt), sehen Experten freilich noch nicht. Im Oktober liegt die Inflation auf Jahresbasis nämlich immer noch bei 3,7 Prozent, im Monat davor sind es noch 4,7 Prozent gewesen.
Der kurzfristig scharfe Rückgang der Inflation lässt in der Finanzbranche nun Hoffnungen aufkeimen, dass die Notenbank Fed im Dezember ihren Leitzins noch einmal kräftig um einen halben Prozentpunkt absenken könnte – auf 1,5 Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2008)

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