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USA: Autohersteller zittern ums Überleben

19.11.2008 | 18:47 |  Von unserem Korrespondenten NORBERT RIEF (Die Presse)

GM, Ford und Chrysler bitten den Staat um 25 Milliarden Dollar. General Motors droht mit Jahresende die Zahlungsunfähigkeit, Chrysler überlegte den Gang zum Insolvenzrichter.

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Washington. Es ist eine gute Zeit, sich in den USA ein Auto zu kaufen. Händler werben mit Nachlässen von bis zu 20 Prozent, in Kalifornien gibt einer beim Kauf eines Neuwagens sogar ein Gebrauchtauto kostenlos dazu. Nur etwas braucht man: Bargeld. Denn die Banken sind wegen der Wirtschaftskrise mit der Vergabe von Krediten äußerst zurückhaltend.

Und genau das ist der Grund, warum die US-Autoindustrie in eine der schwersten Krisen seit Erfindung des Autos gerutscht ist. Die Verkäufe im Vormonat gingen um 35 Prozent zurück, nach einem Rekordeinbruch im September von 30 Prozent. Über das Jahr gerechnet wurden 15 Prozent weniger Autos verkauft als 2007.

Das machte die „großen Drei“ – General Motors, Ford, Chrysler – sehr kleinlaut, als sie in der Nacht auf Mittwoch vor einem Senatsausschuss um staatliche Hilfe ansuchten. 25 Mrd. Dollar wollen die drei Firmen haben, um die Krise zu überstehen.

 

Skeptische Senatoren

Was passieren kann, wenn man den günstigen Kredit nicht bekommt, machte GM-Chef Rick Wagoner unmissverständlich klar: „Ein Versagen von GM, Ford oder Chrysler hätte katastrophale Folgen für die gesamte Industrie: drei Millionen Arbeitslose mehr, in drei Jahren 150 Mrd. Dollar an Einkommensverlusten und 156 Mrd. Dollar an verlorenen Steuereinnahmen.“

Wagoner weiß, wovon er spricht. General Motors steht mit Ende des Jahres vor der Zahlungsunfähigkeit, zur Zeit verbraucht man zwei Mrd. Dollar pro Monat. Auch Chrysler-Chef Robert Nardelli gab offen zu: „Ohne sofortige finanzielle Hilfe könnte die Liquidität meiner Firma unter die Grenze fallen, die notwendig ist, um die Geschäfte aufrechtzuerhalten.“

Nardelli gestand während der vierstündigen Anhörung, die am Mittwoch vor dem Repräsentantenhaus fortgesetzt wurde, sogar offen ein, dass man den Weg in die Pleite als Rettung überlegte. Eine Bankrotterklärung würde der Firma die Möglichkeit geben, Verbindlichkeiten zu halbieren und Verträge neu zu verhandeln. Man habe sich aber dagegen entschieden, weil dieser Weg „zu lange dauern würde“, so Nardelli.

Probleme der Autoindustrie wirken sich direkt auf die US-Wirtschaft aus. 240.000 Menschen arbeiten für Ford, GM und Chrysler. Die „großen Drei“ sind die größten Abnehmer von Aluminium, Stahl, Eisen, Plastik und Elektronik-chips in den USA. Im Vorjahr kauften sie Autoteile im Wert von 156 Mrd. Dollar. Die Autoverkäufe machen etwa vier Prozent des Bruttosozialprodukts aus.

Trotz der dramatischen Worte zeigten die meisten Senatoren wenig Bereitschaft, der Autoindustrie zu helfen. Erst im Frühjahr hatte man einen günstigen Kredit in Höhe von ebenfalls 25 Mrd. Dollar genehmigt, um den großen Drei die Adaptierung ihrer Fabriken zum Bau verbrauchsarmer Autos zu ermöglichen.

„Ich habe für die 25 Mrd. Dollar gestimmt“, meinte etwa Senator Robert Menendez (Demokrat). „Aber ich sehe keine Perspektive, wie dieser Zuschuss sie in die Lage versetzt, den Kredit jemals zurückzuzahlen.“ Ähnlich klang der republikanische Senator Michael Enzi: „Wir haben keinen Hinweis, dass zusätzliche 25 Mrd. Dollar langfristig erfolgreich helfen.“ Richard Shelby meinte skeptisch: „Ist das das Ende oder erst der Anfang? Viele Menschen glauben, dass es ihre Schuld ist, weil sie auf die falschen Modelle gesetzt haben.“

 

Kein Abnehmer für Importautos

Tatsächlich ist die Krise teils selbst verschuldet. Ford, GM und Chrysler setzten auf große Geländewagen, die aber in Zeiten hoher Benzinpreise niemand mehr kaufen will (auch wenn der Benzinpreis mittlerweile wieder auf 2,10 Dollar pro Gallone gefallen ist). Die Umstellung auf und die Produktion von kleineren, effizienteren Modellen dauert aber.

Ausschussvorsitzender Christopher Dodd ließ durchblicken, dass ein gangbarer Weg die Bereitstellung des Kredits aus den 700 Mrd. Dollar sein könnte, die der Kongress für die Rettung von Finanzinstituten genehmigt hatte. Dafür müssen die CEOs aber persönliche Einschnitte hinnehmen: „Ihre Entlohnung ist sehr großzügig, sie sollten das freiwillig einschränken, wenn sie schon Geld vom Steuerzahler wollen.“ GMs Wagoner kam im Vorjahr auf insgesamt 20,7 Mio. Dollar, Fords CEO Alan Mulally auf 21,7 Mio. Dollar.

In der Zwischenzeit werden die Abstellplätze für neue Autos knapp. Im Hafen von Long Beach (Kalifornien) stauen sich tausende frisch importierte Fahrzeuge, die kein Händler haben will.

Auf einen Blick

Die großen Drei – General Motors, Ford und Chrysler – suchten um staatliche Hilfe in Höhe von 25 Mrd. Dollar an. Sollte die US-Regierung diesem Ansuchen nicht zustimmen, könnten in den nächsten drei Jahren in der US-Autobranche drei Millionen arbeitslos werden.

In den USA wurden heuer 15 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Allein im Oktober brach der Absatz um 35 Prozent ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2008)

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16 Kommentare
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Das Problem ist nicht neu

Es gibt einen natürlichen Markt für jedes Auto. Das gilt vom Kleinwagen bis zum 5 Liter SUV. Die Hersteller sahen sich aber in den letzten 15 Jahren genötigt immer bessere Zahlen, Stückzahlen, an ihre Shareholder zu melden. Dies wurde durch gefakte Verkäufe auch erreicht. Leihwagen Firmen bekamen tausende Fahrzeuge gratis, sogar mit Zuzahlungen. Die Fahrzeuge endeten dann als Gebrauchtfahrzeuge wesentlich billiger am Markt.

Aus diesen "Verkaufszahlen" wurden dann Budgets für die nächsten Jahre errechnet. Natürlich ständig steigend. Daß diese Buble irgendwann platzt wussten Insider seit langem. Da es nicht sehr förderlich für die Karriere der Manager gewesen wäre hier öffentlich auf die Bremse zu steigen beschränkten sie sich darauf, ihr Gehalt für die verbleibende Zeit zu optimieren. Und wie das? Über steigende Verkäufe! Ca. 15 bis 20 Prozent der Verkäufe waren gefaket. Selbst wenn alle Hersteller für 1 bis 2 Jahre zusperren gibt es genug Fahrzeuge aller Kategorien auf dem Markt.

Wortmann
19.11.2008 22:11
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Dinosauriersterben

Die amerikanische Autoindustrie gehört mit ihrem immer noch generell geltenden rückständigem Fahrzeugkonzept in das Museum der Technik. Die konkurrenzfähigkeit mit hochentwickelten europäischen, japanischen und koreanischen Produkten ist schlichtweg nicht gegeben. Neue schlagfertige Autoindustrie entsteht bereits in Indien und in China. Amerika hat im Anflug der Selbstherrlichkeit auch hier den Zeitpunkt verpasst in dem die Welt an die schrumpfende Ressourcen, Umwelt und technischen Fortschritt dachte. Diese Behauptung kann man ruhig auf das Gros der US Industrie ausweiten ohne Gefahr zu laufen ungerecht zu werden. Die ehemalige Neue Welt ist sehr, sehr verstaubt. Die Grossmacht ist Grossprovinz geworden. In den nächsten 20 Jahren werden die USA ohne einschneidenden Reformen, ihre Vormacht an China abgeben müssen.

anna89
19.11.2008 21:20
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WO SIND DIE IN ...

... den letzten 30 Jahren verdienten "Phantstilliarden"?
Beim Otto-Normalverbraucher sprich Steuerzahler???
A-so, d'rum soll der jetzt für den Crash aufkommen - das nenn' ich gerecht!!!

Gast: Dekkard
19.11.2008 14:24
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No Mercy.

Ein Rick Wagoner kann bei mir auf kein Mitleid hoffen. Er hat keine Ahnung von der Branche, hat den Konzern zu Tode saniert und Unsummen an Geld dafür kassiert. Ideen hat dieser eitle Sack nie geliefert. Man sollte ihn rauswerfen, und sein gesamtes Privatvermögen verpfänden und es unter den hart arbeitenden Leute verteilen die er rausgeworfen hat.

Gast: besserwisser
19.11.2008 13:31
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Kommentare

Oh das tut weh! Alle diese intelligenten Kommentare zu lesen. Ich bin überwältigt wie viele gescheite Leute es hier gibt. Es mag sein daß deutsche Autos in der Anschaffung mehr kosten als andere. Aber niemand bedenkt, daß die Käufer auch bisher bereit waren diese Preise zu bezahlen. Warum ist wohl das teuerste Kompaktfahrzeug der VW Golf das am meisten verkaufte Auto im deutschsprachigem Raum? Sicher nicht, weil er so viel besser wie Fiat & Co ist. Die wären doch blöd, wenn sie weniger für ihre Fahrzeuge verlangen würden. Das selbe gilt für BMW, Mercedes & Co. Und es wird auch zukünftig das Image der Marken sein welches den Preis rechtfertigt. Und an alle die meinen, der Autoindustrie möge mit einem Dämpfer recht geschehen, wünsche ich niemals direkt oder indirekt einen Arbeitsplatz zu haben, der dadurch gefährdet ist. Jeder 5. Arbeitsplatz in Österreich hat mit der Automobilindustrie zu tun. Also Vorsicht mit solchen Kommentaren.

Antworten my2cent
20.11.2008 14:46
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Re: Kommentare

das problem ist das "image" zwar gerne gekauft wird wenn man es sich leisten kann, aber ebenso zu den ersten opfern einer sparwelle werden

wenn ich mich einschränken muss, warum nicht entweder mal für ein paar jahre ein billigeres auto fahren oder das auto anstatt 3 jahre 5 jahre behalten

beide effekte treffen die deutsche autoindustrie ins mark

Gast: Mike
19.11.2008 13:03
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Vor der KFZ-Industrie....

... gehen wieder alle in die Knie!

Schade eigentlich, diese "Lobby" gehört zerschlagen. Aber solange Herr und Frau Österreicher nicht auf ihr döfdöf verzichten können, wird sich nichts ändern. Da kaufen wir lieber noch ein zweites Auto auf Ratenzahlung....

Nobodaddy
19.11.2008 12:49
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Shareholder Value

Diese Herrschaften brauchen keine "Brücke, um den finanziellen Abgrund zu überbrücken, der sich vor ihnen aufgetan hat" sondern Bretter, um das Grab abzudecken, das sie sich selber geschaufelt haben!

Das passiert, wenn man sich zum Sklaven der Geldgeber macht, die ausschließlich kurzfristiger Nutzen interessiert.

Anstatt des Shareholder Value sollten vielleicht wieder Maßstäbe wie Geschäftsethik und Verantwortung in die Managementebenen einziehen.

Gast: pepe
19.11.2008 11:21
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Autoverkäufer!

So schlecht kann es doch den Autofirmen nicht gehen. Ich habe in den letzten Tagen 3 deutsche Autohändler in Wien besucht und so etwas von Überheblichkeit und Desinteresse habe ich nicht einmal beim Würstelstand ums Eck erlebt!!

Antworten Gast: Hybrid
19.11.2008 12:58
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Re: Autoverkäufer!

Das waren halt noch goldene Zeiten für die Deutschen Autohändler als man z.B. bei OPEL noch für Scheibenbremsen vorne, Beifahrersitz verstellbar, geheizte Heckscheibe kräftige Aufpreise verlangen konnte.
Seit damals 1972 fahre ich JAPANER verschiedenster Marken und habe es noch nicht bereut. Wünsch euch was ihr Deutschen Abzocker, Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Kein luckerter Steuer Euro für euch.

Antworten Gast: Gast
19.11.2008 12:40
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Re: Autoverkäufer!

Mir ist das EXAKT selebe passiert! Und vor kurezm auch in Deutschland bei einem Autohändler einer deutschen Marke!

peda
19.11.2008 10:58
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Autobranche

die Autobranche hat jahrzehnte lang gut verdient, aber das geld niemals an die arbeiter weitergegeben, die gewinne eingesackt

und jetzt bei der krise werden sofort zehntausende ausgestellt, super

wenn bei uns eine kleine baufirma oder zimmerei pleite macht hilft ihnen auch keiner

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Am Weltmarkt vorbei produziert!

Während schon überall auf der Welt die Treibstoffkosten in die Höhe schnellten, hielt man in den USA diese, politisch ausdrücklich gewollt noch lange relativ nieder. Ich kann mich noch gut erinnern. Als während der Clinton-Zeit höhere Benzinpreise einmal zaghaft "angedacht" wurden, hatte dies die Regierung mit dem Hinweis auf die dadurch eingeschränktere Mobilität strikt abgelehnt. Die Kosten für Transport und Telekommunikation müßten im Sinne einer florierenden Wirtschaft schließlcih für alle leistbar sein....

Und weil¿s den Amis bekanntlich immer schon schwer gefallen ist, über die Grenzen der USA hinaus zu blicken, wollte und konnte man lange nicht erkennen, was sich sonst noch auf dem Erdenrund tut. Also hatte man primär für den eigenen Markt produziert. Doch als auch hier die Treibstoffpreise stiegen, hatte man nicht die passenden Fahrzeugalternativen dafür.

In Deutschland war es ähnlich. Man produzierte Benzinfresser en masse aus reinen Prestigegründen; auf Halde...

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Re: Am Weltmarkt vorbei produziert!

FORTSETZUNG: Im gestrigen ZDF-"Kontraste" gab es dazu einen interessanten Test: Man ließ einen Toyota-Mittelklassewagen gegen einen BMW in der selben Kategorie 100km Stadtverkehr fahren und verglich hinterher den Treibstoffverbrauch.

Hier das Ergebnis: Während der Toyota mit 5,6 Litern sein Auslangen fand, verschlang der BMW 17,3! Also rd. 3x so viel!

Und da wundert man sich in Deutschland über den Boom japanischer, koreanischer, franzöischer und italienischer Marken? Zudem haben die alles schon als Grundausstattung mit an Bord, wofür man bei deutschen Herstellern hohe Aufpreise zahlen muß!

Und umweltfreundliche Techniken verwenden die auch noch dazu. Einschlägige Vorschläge, dies auch bei deutschen Autos einzubauen, wurden stets mit Ausreden a la "das kostet zu viel", ungeschaut abgeschmettert.

Jetzt bettelt man um Milliardenunterstützungen vom Staat. Doch davon allein wird kein einziger Wagen mehr verkauft. Patriotismus endet nämlich an der leeren Geldbörse.

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Re: Re: Am Weltmarkt vorbei produziert!

Als Ergänzung: mir hat gestern ungefragt ein grosser Autohändler (vorzugsweise BMW) einen preiswerten gebrauchten Kleinwagen angeboten: einen 4.5 Liter CAYENNE TURBO mit etwa 450 PS um schlappe sechzigtausend. Ich koennte wohl feilschen.Das Angebot ist sicher nicht schlecht,aber es wird in Zukunft wohl noch bessere geben...Ich weiss nicht,mein Motorrad braucht 3.5 Liter und macht viel Spass,mein Fahrrad noch weniger und macht auch Spass,und der Bus?
Leisten koennte ich mir manches,aber will ich?

Antworten Antworten Gast: Gast
19.11.2008 11:59
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Und wieso greift

man dann jetzt dieses Firmen unter die Arme? Ich dachte immer der Markt reguliert sich selbst.