04.07.2009 15:49 | Meine Presse Merkliste0

Aufstand gegen Software-Riesen SAP

19.11.2008 | 21:44 |  PETER MARTOS (Die Presse)

Während die von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp gesponserten Kicker um den Meistertitel mitspielen, erregt SAP Unmut mit der geplanten Verteuerung der Kundenunterstützung.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

WIEN. Der deutsche Software-Riese SAP ist dieser Tage nicht so erfolgreich wie „sein“ Fußballteam Hoffenheim. Während die von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp gesponserten Kicker um den Meistertitel mitspielen, erregt SAP Unmut mit der geplanten Verteuerung der Kundenunterstützung. „Wie kaum ein anderes Thema hat der ,Enterprise Support‘ die Gemüter der SAP-Nutzer erhitzt“, schrieb die deutsche Fachzeitung „Computerwoche“. Manche Kunden wollten „geplante Projekte auf Eis legen, andere schauen sich nach Alternativen zu SAP um“.

In Österreich haben 40 Unternehmen einen Brief an die beiden SAP-Chefs Henning Kagermann und Léo Apotheker geschrieben. „Die Antwort war ausgesprochen patzig“, bestätigen die Initiatoren, die – „noch, und die Betonung liegt auf noch“ – ungenannt bleiben wollen. Sie erregen sich vor allem über den Umstand, dass der Betrieb der SAP-Software – es gibt sie für fast alle betriebswirtschaftlichen Aufgaben – schmerzhaft verteuert wird. SAP hat angekündigt, in den nächsten vier Jahren die Wartungsgebühr von 17 auf 22 Prozent der Lizenzgebühren anzuheben. Ausgenommen sind nur Kunden, die jährlich mehr als fünf Millionen Euro zahlen.

 

„Kommunikationsproblem“

Uwe Hommel, Executive Vice President bei SAP und für den weltweiten Support verantwortlich, stritt mit deutschen Journalisten: „Es handelt sich hierbei mitnichten nur um eine Preiserhöhung, sondern um einen allseitigeren Support.“ Dieser bietet nach SAP-Lesart den Nutzern viele Vorteile. In einer langatmigen Aussendung teilte der Konzern am 7. November die Verlängerung auf neun Jahre mit. Damit biete SAP „den längsten Wartungshorizont von Standardsoftware der Branche“. Zugleich wurden Anreize angekündigt, unter anderen „Unterstützung für kundenspezifische Entwicklungen“.

Bei der Vorstellung der Änderungen habe es „zugegebenermaßen ein Kommunikationsproblem“ mit den Kunden gegeben, räumte Hommel ein. Das sei nun behoben.

SAP sah sich allerdings gezwungen, mit dem Netzwerk der Nutzervereinigungen eine Arbeitsgruppe einzusetzen, „um Kundenreaktionen zu sammeln, den Informationsaustausch zu fördern sowie den Umstieg auf SAP-Lösungen zu unterstützen“. Das wiederum betrachten viele Kunden als Missbrauch der Nutzervereinigungen.

Viele Kunden ärgern sich, dass der Konzern ihnen Wartungs- und Supportdienste vorschreibe, die sie oft gar nicht bräuchten. So forderte selbst die als brav geltende „Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe“ (DSAG) SAP auf, den Enterprise Support auf Freiwilligkeit umzustellen. Was Kagermann glatt ablehnte. Er hatte nicht weit zu gehen: Die DSAG residiert am SAP-Konzernsitz in Walldorf. Nicht weit von Hoffenheim.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Schlagzeilen Wirtschaft

  • Fall Madoff: Neue Spuren führen nach Wien
    Im „Fall Madoff“ gibt es schwere Vorwürfe gegen Sonja Kohn, Gründerin der Wiener Bank Medici. Dabei geht es um umstrittene Geldflüsse von rund 40 Mio. Dollar (28,4 Mio. Euro).
    Ohne Job: Generation Krise
    Der Einstieg ins Berufleben wird schwieriger. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt daher deutlich stärker als die allgemeine Arbeitslosenquote. Firmen nehmen lieber freigesetzte Mitarbeiter als Neueinsteiger.
    Verteilungskonflikt: "Wir brauchen Aufstand der Jungen"
    Keine Pension, kein Job und keine Kinder. Droht ein Kampf der Generationen? „Die Verteilungskonflikte zwischen Alt und Jung werden zunehmen“, meint Experte Wolfgang Gründinger.
  • Pflege: 22 Prozent mehr offene Stellen als 2008
    Während am allgemeinen Arbeitsmarkt um 38,2 Prozent weniger Menschen eine Beschäftigung haben, fehlen im Pflegebereich Arbeitskräfte.
    AUA: Streik liegt in der Luft
    Wegen des geplanten Stellenabbaus bei der AUA-Tochter könnte es zu Streiks kommen. Betriebsrat Junghans meint aber, dass man gegen die Kündigungen nicht viel tun könne. Sie sollen nur "sozial verträglich" sein.
    SPÖ: An der Peripherie der Macht
    Jetzt hat es die SPÖ quasi amtlich: Die Partei hat massiv an Macht und Einfluss in der Wirtschaft eingebüßt. In einem Ranking der hundert einflussreichsten Österreicher findet sich nur eine Handvoll SPÖler.
  • Skylink: Rechnungshof macht Druck
    Die Oppositionsparteien fordern eine Untersuchung des Finanzdebakels. Derzeit kann der RH ein Unternehmen nur prüfen, wenn die öffentliche Hand mindestens 50 Prozent der Anteile hält.
    Kroatien/Slowenien: Polemisch um Gäste buhlen
    Slowenien macht Kroatien die Urlauber aus Serbien abspenstig – mit einer Kampagne voller Spott und Ressentiments.
    Bau: Strabag: Zukunft ohne Cemex
    Kein Okay der Kartellhüter, Konzern zieht sich zurück. Cemex Austria und Cemex Hungaria betreiben zusammen 85 Betonmischanlagen und 38 Stein- und Kiesgruben.
  • Bahn: Steuernachzahlung für ÖBB
    Die Mitarbeitertickets wurden nicht versteuert. Der heimische Fiskus verlangt nun eine Steuernachzahlung von rund 80 Mio. Euro für die letzten fünf Jahre.
    Russland: Lenins Leuchte wird ausgedreht
    Auch Moskau verkündet ein Glühbirnenverbot. Medwedjew hat entschieden, dass ab 2011 herkömmliche Glühbirnen in Russland verboten werden.
    Telekom: Eine Milliarde fürs Glasfasernetz
    Konzern startet Pilotprojekte in Wien und Kärnten. Aktie reagiert mit Kursanstieg. Durch neue multimediale Anwendungen verdopple sich das Datenvolumen alle ein bis eineinhalb Jahre.