Luftfahrt: SkyEurope ringt um frisches Geld

30.11.2008 | 18:08 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Die insolvenzgefährdete Fluglinie hat nur mehr 1,3 Mio. Euro in der Kasse. Wenn die Finanzen nicht bald aufgebessert werden, droht die Insolvenz.

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Bratislava/Wien. Der seidene Faden ist 1,3 Mio. Euro dünn: So viel – oder eigentlich wenig – hatte die slowakisch-österreichische Billig-fluglinie SkyEurope zu Ende des Geschäftsjahres 2007/08 (Ende September) in der Kasse. Die börsenotierte Fluglinie, die nur mehr am Tropf des Hauptaktionärs York hängt – die Zahlungsfrist für zwei Kredite in Höhe von 25 Mio. Euro wurde noch einmal bis 15. Dezember verlängert – kämpft seit Wochen um eine neue, stabile Eigentümerstruktur und frisches Geld. Sollte dies nicht bald gelingen, droht die Insolvenz.

In der Tat schrammt SkyEurope am Rande des Bankrotts: Trotz deutlich gesenkter Kosten in der Verwaltung, der Streichung von 230 Stellen und der Steigerung der Passagierzahlen um 13,6 Prozent auf 3,8 Millionen hat sich der Verlust auf 59,4 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Ein Grund dafür ist der Kerosinpreis, der bis Jahresmitte massiv zulegte. Außerdem sank die Auslastung der Flugzeuge von 81,6 auf 73,6 Prozent. Das Eigenkapital ist aufgefressen und mit 61,3 Mio. Euro im Minus.

Die Flugzeugleasingfirma Gecas hat SkyEurope vor einer Woche mit einer Zahlungsaufforderung die Rute ins Fenster gestellt. Wenn SkyEurope die Leasingvereinbarungen für zwölf der 15 Flugzeuge nicht erfüllt – was nun passiert ist – kann Gecas die Flugzeuge sofort einziehen. Gefährlich könnten auch die seit 1. November geltenden strengeren EU-Regeln werden: Kann eine Fluglinie nicht schlüssig zeigen, dass sie ihren finanziellen Verpflichtungen in den nächsten zwölf Monaten nachkommen kann, kann die EU die Lizenz entziehen.

 

Kampf der Großaktionäre

Angesichts des sich abzeichnenden Fiaskos wollte der US-Fonds York, der knapp 30 Prozent an SkyEurope hält und bisher 80 Mio. Euro in die chronisch defizitäre Fluglinie gepumpt hat, die Gesellschaft um einen Euro schlucken. Die Quasi-Enteignung der Kleinaktionäre sollte in einer außerordentlichen Hauptversammlung am 10. November beschlossen werden. Diesen Plan ließ sich der zweite Großaktionär Alon Shklarek nicht gefallen. Der Unternehmer, der über Focus Capital Investments seit Juni knapp zehn Prozent hält, verlangte eine Sonderprüfung, die die Kreditverträge mit York prüfen sollte. Er erwirkte eine Absage bzw. Verschiebung der Hauptversammlung, um Zeit zu gewinnen. Shklarek bemüht sich selbst um eine neue Eigentümerstruktur – möglicherweise ohne York. Die Gespräche sollen dem Vernehmen nach gut vorankommen. Shklarek wollte auf „Presse“-Anfrage „zum jetzigen Zeitpunkt keinen Kommentar abgeben“.

SkyEurope braucht früheren Aussagen zufolge rund 30 Mio. Euro frisches Kapital, um über den Winter zu kommen. Die Aktie spiegelt das Drama der Airline wider: Das SkyEurope-Papier hat mit 21 Cent nur mehr ein Zehntel des Wertes vom Jahresbeginn.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2008)

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