US-Betrugsfall reicht bis nach Österreich

Mitten in der Finanzkrise wird die Wall Street von einem neuen Skandal erschüttert. In erster Linie sind Hedgefonds betroffen.

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(c) Reuters (Beawiharta)

Wien/New York(höll). Dieser dürfte größere Auswirkungen für Anleger in Österreich haben. Bernard Madoff, dem früheren Chef der Börse Nasdaq, wird vorgeworfen, mit einem Schneeballsystem Investoren um 50 Mrd. Dollar betrogen zu haben. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, wäre es einer der größten Betrugsfälle in der US-Geschichte, vergleichbar mit dem Enron-Skandal von 2001. Dem Vernehmen nach sollen Madoffs Leute auch das Kapital von einigen Fondsgesellschaften in Österreich verwaltet haben. Dazu zählen vor allem Produkte der Investmentfirma Primeo wie der „Primeo Executive Fund USD“, der in erster Linie in der Bank Austria vertrieben wurde.

In Finanzkreisen heißt es, dass auch der Herald-Fonds der Wiener Bank Medici, an der die Bank Austria mit 25 Prozent beteiligt ist, betroffen sein soll. Dazu Medici-Manager Andreas Schindler zur „Presse“: „Wir können derzeit nichts dazu sagen. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Stellungnahme.“ Schindler wollte weder bestätigen noch dementieren, dass Madoff Teile des Herald-Fonds gemanagt hat. Herald zählt zu den größten „Absolut Return Fonds“ (eine Art Hedgefonds) in Österreich und verwaltete zuletzt ein Volumen von 1,8 Mrd. Dollar.

Auf der Homepage der Investmentfirma Primeo heißt es: „Diese Website wird zur Zeit überarbeitet und wird bald wieder erreichbar sein.“ Der Primeo Executive Dollar-Fonds wurde 2003 vom damaligen „Bank Austria Worldwide Fund Management“ gegründet. Laut früheren Angaben wird das Kapital hauptsächlich von anderen Investmentmanagern veranlagt. Das Mindestinvestment liegt bei 50.000 Dollar. Die Bank Austria hat im Rahmen eines Konzernumbaus ihr gesamtes Fondsgeschäft (inklusive der Primeo-Firma) an die UniCredit-Tochter Pioneer übertragen. „Wir bereiten im Interesse unserer Kunden eine Erklärung vor“, sagte eine Pioneer-Sprecherin. Bis dahin müsse man sich gedulden. Die Raiffeisen Capital Management, die Fondsgesellschaften der Raiffeisenbanken, gibt Entwarnung: „Nach dem derzeitige Stand sind wir nicht betroffen.“ Ähnlich lautet die Auskunft der Erste Bank-Sparinvest.

Laut „Presse“-Informationen interessiert sich bereits die Finanzmarktaufsicht (FMA) für den Fall. Dem Vernehmen nach ist es aber zu früh, die Auswirkungen des möglichen Betrugsfalls auf Österreichs Banken und Fondsgesellschaften abschätzen zu können.

Die von Madoffs gemanagten Fonds galten lange Zeit als Erfolgsgeschichte. Selbst in den vergangenen Monaten gab es kaum Verluste. Dem US-Manager wird vorgeworfen, mittels Hedgefonds ein Schnellballsystem aufgebaut zu haben, bei dem Investoren hohe Gewinne versprochen wurden, die einfach mit den Geldern neuer Anleger bezahlt wurden. Madoff soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft zugegeben haben, dass sein Geschäft seit Jahren zahlungsunfähig ist. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Auf einen Blick

Die Wiener Bank Medici und die Investmenfirma Primeo (gehört zum Bank Austria-UniCredit-Konzern) sollen Teile ihrer Fondsgelder dem Wall-Street-Broker Madoff anvertraut haben. Madoff wird vorgeworfen, Kunden um 50 Mrd. Dollar betrogen zu haben. Die Wiener Finanzmarktaufsicht interessiert sich bereits für den Fall.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2008)

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