08.11.2009 00:10 | Meine Presse Merkliste0

Studie: Gute Zähne, höheres Gehalt

23.12.2008 | 18:15 |  OLIVER GRIMM (Die Presse)

Ein schönes Gebiss bringt Frauen in den USA rund 4,5 Prozent mehr Entgelt. Manche können sich den Besuch beim Dentisten aber nicht leisten.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Es gibt Menschen, die sind einfach zu beneiden. Sie können sich den Zahnarztbesuch sparen, weil sie ein Gebiss wie aus Granit haben. Andere verschieben diesen Termin aus Angst vor dem Bohrer ad infinitum.

Und manche können sich den Besuch beim Dentisten nicht leisten. Das trifft zum Beispiel auf Millionen von Amerikanern zu, die keine entsprechende private Krankenversicherung haben. Als zwei US-Forscher im Jahr 2005 solche Menschen nach ihren größten gesundheitlichen Problemen befragten, bekamen sie „fehlenden Zugang zu zahnärztlicher Behandlung“ als häufigste Antwort.

 

Fluor macht Kinderzähne hart

Wer sich keine Plomben oder Implantate leisten kann, kauft bald nur mehr weiches Essen mit geringerem Nährwert. Viele Arme betäuben Zahnschmerz mit Alkohol. Und wer sich nicht zu lächeln traut, weil seine Zähne löchrig sind oder fehlen, hat es schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. „Weil ich kein Lächeln hatte, konnte ich nicht einmal an der Kassa arbeiten“, zitierte die „New York Times“ vor zwei Jahren eine 51-jährige Frau, die in Folge schwerer Diabetes alle Zähne verloren hatte.

Die US-Wirtschaftsforscher Sherry Glied und Matthew Neidell von der Mailman School of Public Health an der Columbia University in New York haben diese Überlegungen zum Anlass genommen, den wirtschaftlichen Wert der Zähne zu erforschen (ihr Papier „The Economic Value of Teeth“ ist beim National Bureau of Economic Research als Working Paper No. 13879 erschienen).

Ausgang ihrer Studie war die bewiesene Erkenntnis, dass Menschen gesündere Zähne haben, wenn sie als Kinder viel Fluorid bekommen haben. Es macht nämlich den Zahnschmelz härter und weniger anfällig für Karies.

Heutzutage kann jedes Kind in Amerika und Europa billig mit Fluorid versorgt werden, indem seine Eltern fluoridierte Zahnpasta kaufen. 1945 war das noch nicht möglich. Und so wählte die US-Gemeinde Grand Rapids in Michigan einen anderen Weg. Sie setzte dem Trinkwasser Fluoride zu. In den folgenden Jahrzehnten schlossen sich weitere Gemeinden an – und lieferten den Ökonomen Glied und Neidell eine hervorragende Gelegenheit, die These zu testen, wonach Menschen mit schöneren Zähnen leichter Arbeit finden und mehr Geld verdienen.

 

Der wahre „Schönheitsmythos“

Und das tun sie. Glied und Neidell haben die Verbreitung der Fluorisierung mit sozioökonomischen Daten der Bewohner der betreffenden Städte und Ortschaften verglichen. Ergebnis: Kinder, die fluoridiertes Wasser trinken, verdienen als Erwachsene um rund zwei Prozent mehr als jene, deren Wasser nicht fluoridiert wurde.

Dieser Effekt kommt aber fast nur Frauen zugute. Sie verdienen folglich bis zu 4,5 Prozent mehr, wenn ihr Gebiss dank Fluoridzusatz durch härteren Zahnschmelz geschützt wird. Besonders stark profitieren die ärmsten Frauen aus den bildungsfernen Schichten davon, gute Zähne zu haben. Waren sie als Kinder fluoridiertem Wasser ausgesetzt, verdienten sie später einen Dollar mehr pro Stunde – bei elf Dollar Durchschnittslohn, wohlgemerkt. Glied und Neidell haben auch die Rendite errechnet, die man am Arbeitsmarkt verdient, wenn man statt einer Zahnlücke ein Implantat hat. Für die ärmsten Frauen sind das 3,3 Prozent oder fast 720 Dollar pro Jahr.

Diese „Zahn-Rendite“ bestätigt laut den Forschern den „Schönheitsmythos“: die Vermutung, wonach Frauen bei der Arbeitssuche stärker nach ihrem Äußeren beurteilt werden als Männer.

Dass Torbergs Tante Jolesch im Umkehrschluss recht hatte, ist aber eine böse Unterstellung.

Auf einen Blick

Fluoride machen Zähne hart.Viele US-Gemeinden setzen dem Trinkwasser diese Salze der Fluorwasserstoffsäure zu. Zwei Ökonomen haben erforscht, dass dies bewirkt, dass Frauen dank besserer Zähne mehr verdienen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

4 Kommentare
Gast: life4life
27.06.2009 12:43
0 0

Fluor...gesund?

die flour supplementierung im trinkwasser und eine daraus hervorgehende zahngesundheit ist bisher wissenschaftlich nicht erwiesen.
fest steht, dass bei dieser massnahme auch eine lobby dahintersteht....

flour kann übrigens auch garnicht bis schwer verstoffwechselt werden, wenn es nicht in pflanzlichen nahrungsmitteln gebunden ist...

also mal vorher gut informieren und googlen, was flour an nebenwirkungen haben kann.
und was die flourzahnpasten und schul-flourtabletten am körper anrichten können.
und eben auch mal schauen, wer die hersteller und befürworter sind.

Gast: Betonfüllung
25.12.2008 13:51
0 0

Leitls Zähne

Also ich mag Leitsl Zähne. Der Mann sieht ob seines neuen Stiftzahns einfach gut aus.

Gast: Baden
23.12.2008 20:59
0 0

es ist auch erwiesen

dass Arbeitgeber bei gleicher Qualifikation die attraktivere Person bevorzugen/einstellen. (Studie war letztes Jahr im Economist)

Antworten Gast: Baden Baden kann sie gehen
26.12.2008 14:01
0 0

Re: es ist auch erwiesen

dass kleine Schönheitsfehler süß und interessant sein können

dass Schöne vorgezogen werden es aber im Job oft wegen Gehässigkeit von nicht ganz so hübschen Damen gar nicht leichter, nein schwerer haben

und oftmals unpassend angebraten zu werden empfindet auch nicht jeder als lustig, oder

Schlagzeilen Wirtschaft

  • Finanzkrise: Brown will Banken zur Kasse bitten
    Der britische Premier fordert, die Banken wegen ihrer Mitverantwortung an der Finanzkrise zu belangen. Dies könne mittels "Versicherungsgebühren" oder Steuern auf Transaktionen passieren.
    Karstadt: Mitarbeiter verzichten auf 150 Millionen Euro
    Arbeitnehmer und Insolvenzverwalter einigen sich auf Eckpunkte für eine Sanierung der deutschen Warenhauskette: Die Mitarbeiter verzichten unter anderem auf Teile des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes.
    Managementguru: "Wenn ihr nicht werdet wie die Inder"
    C.K. Prahalad, für die Londoner "Times" der einflussreichste Managementdenker des Jahres, kommt nach Wien. Mit der "Presse am Sonntag" den neuen Konsumenten als Produktentwickler und One-Man-Zielgruppe.
  • Quelle Österreich: Pleite einer gesunden Firma
    Der Konkursantrag bei Quelle Österreich wird bereits vorbereitet. Kommenden Donnerstag soll er eingereicht werden, falls der letzte Interessent Quelle nicht doch noch übernimmt. Das gilt als sehr unwahrscheinlich.
    Anleihen als "Zeitbombe": Warnung vor "Coco-Bonds"
    Auf der Suche nach Eigenkapital erweisen sich Banken als erfinderisch. So wurde eine neue Anleiheform erfunden: der sogenannte Coco Bonds. Kritiker warnen allerdings vor einer sich ankündigenden "Todesspirale".
    Raiffeisen Tirol verlangt Geld für Bankomat-Abhebung
    60 Cent müssen Kunden der Raiffeisen Landesbank Tirol zahlen, wenn sie bei einer anderen Bank Geld abheben. Nicht nur die RLB liebäugelt seit Längerem mit einer Gebühr für Bankomat-Behebungen.
  • EU droht Deutschland wegen Staatshilfe für Opel
    Staatshilfe nur beim Erhalt aller deutschen Werke - das verstoße gegen die Binnenmarktregeln, heißt es aus der Kommission. Die deutsche Politik stellt Bedingungen an den Opel-Mutterkonzern GM.
    Jede Sekunde zählt: Wraps kosten McDonalds Geld
    Wraps sind eine Tempo-Bremse bei der Bedienung. Das hat ein Probelauf in einer Testküche der Fastfood-Kette McDonalds ergeben. Am britischen Markt dürften die gerollten Teigfladen daher nicht eingeführt werden.
    Kalaschnikow: Das Instrument des einfachen Tötens
    Michail Timofejewitsch Kalaschnikow, Erfinder des berühmten Sturmgewehrs AK-47, feiert kommenden Dienstag seinen 90.Geburtstag. Der greise Konstrukteur sieht sich selbst als Mann des Friedens und der Freundschaft.
  • Libyens Bauboom: Die Wüste bebt
    Der Ex-Schurkenstaat will sich zum Dubai des Mittelmeers mausern. Doch Unternehmen wie Asamer und Strabag brauchen Nerven aus Stahl, um sich in Gadhafis Reich zu behaupten.
    Studium: Gratis, aber sehr teuer
    In kaum einem anderen Land ist der Weg an die Uni für Arbeiterkinder so steinig wie in Österreich – dem Land des freien Bildungszugangs.
    Let's make money: Die Buffett-Aktie
    Warum die Buffett-Aktie für kleine Leute ein Kauf ist, der Goldpreis nicht in den Himmel wächst und Edelholz riskant sein kann.