Im Gas-Streit mit der Ukraine hat der russische Staatskonzern Gazprom seine Drohungen wahr gemacht und den Gashahn zugedreht. Die Gas-Versorgung an die Ukraine sei drastisch reduziert worden, berichtete die russische Agentur Interfax am Neujahrsmorgen. Das russische Staatsfernsehen berichtete, die Pumpstationen seien angewiesen worden, die Durchleitung des Gases für die Ukraine ganz zu stoppen. Man habe sich nicht über die Rückzahlung ukrainischer Schulden und Details eines neuen Liefervertrages einigen können, sagte der Chef des staatlichen russischen Energiekonzerns Gazprom, Alexej Miller, am Mittwochabend in Moskau.
Russland schürt damit Sorgen vor Liefereinschränkungen auch in Westeuropa. Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin hatte die Ukraine zuvor davor gewarnt, im Falle eines Lieferstopps die Versorgung nach Europa anzutasten. 80 Prozent des russischen Gases für Westeuropa werden durch die Ukraine geleitet. Im Gasstreit 2006 war bei einem ähnlichen Streit zeitweise weniger Gas nach Westeuropa gelangt. Europa bezieht ein Viertel seines benötigten Gases von Russland.
EU soll vermitteln
Die Ukraine gab inzwischen eine Erklärung ab, der zufolge die Lieferungen nach Europa aufrechterhalten würden. "Europa wird das ganze Gas erhalten, das Russland dorthin liefern will", war von offizieller staatlicher Seite zu hören. Der Sprecher des Versorgers Naftogaz beantwortete zudem eine diesbezügliche Anfrage der AFP mit "Ja, natürlich", würden die Lieferungen Richtung Europa weitergehen. Die Ukraine hat die Europäische Union um Vermittlung im Gas-Streit mit Russland gebeten.
Reserven für drei Monate
Dass die 47 Millionen Einwohner der Ukraine nun ab dem Neujahrstag in der Kälte sitzen müssen, scheint aber wenig wahrscheinlich. Schon vor Tagen hieß es, das Land habe seine Gas-Speicher aufgefüllt und verfüge nun über Reserven für drei Monate.
Russland verlangt 40 Prozent mehr
Wichtigster Streitpunkt zwischen beiden Ländern war zuletzt offenbar der Gaspreis, den die Ukraine ab dem 1. Jänner 2009 zahlen soll. Die bisherigen Verträge liefen zum Jahresende aus. Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew erklärte, man wolle künftig von der Ukraine 250 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas haben. Dies sei zwar 40 Prozent mehr als bisher, Kunden in Westeuropa müssten aber deutlich mehr zahlen. Die Ukraine hat einen Preis von 201 Dollar für angemessen erklärt. Nach Berechnungen auf Basis des im Oktober unterzeichneten Abkommens zwischen Russland und der Ukraine müsse der Gaspreis maximal auf diese Höhe steigen, erklärten der ukrainische Präsident Victor Juschtschenko und Regierungschefin Julia Timoschenko.
Russland bestreitet politische Hintergründe für den Streit. Allerdings haben sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern eingetrübt, nachdem pro-westliche Politiker in der Ukraine unter anderem auf eine Mitgliedschaft in der Nato drängen.
(Ag.)

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