„Wir rechnen mit einer Lösung in 14 Tagen“

Die Gasversorgung der Haushalte ist laut Wirtschaftsminister Mitterlehner „garantiert“. Kraftwerke und Industrie müssen sich jedoch beschränken.

Gasherd
Schließen
Gasherd
(c) EPA (TIBOR OLAH)

Wien. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner setzt auf „Solidarität“. Diese erwartet er von den heimischen Kraftwerksbetreibern und großen Industriebetrieben, die viel Gas verbrauchen. Für diese Unternehmen dürfte die Gaskrise in den nächsten Tagen nämlich Mehrkosten bedeuten. Mitterlehner verzichtete zwar darauf, eine Verordnung auszugeben, um einzelnen großen Gaskunden ihren Verbrauch zu beschränken. Allerdings soll es im Rahmen einer „intelligenten Optimierung“ zu mehr oder weniger freiwilligen Beschränkungen kommen. So sollen große Gaskunden in der Industrie ihre Produktionszyklen aufeinander abstimmen, sodass Leistungsspitzen im Netz vermieden werden. Die Kraftwerksbetreiber sollen – so weit möglich – Gaskraftwerke auf andere, meist teurere, Brennstoffe umstellen.

 

Es darf nicht kälter werden

Ob und von wem es für diese Mehrkosten einen Schadenersatz geben wird, sei „gesetzlich nicht geklärt“. Die Geldfrage will Mitterlehner vorerst jedoch „hintanstellen“. „Wichtiger ist, dass es eine Versorgungssicherheit für die Haushalte gibt.“ Diesen sei eine Gasversorgung in den nächsten drei Monaten „garantiert“. So lange wird der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland laut Mitterlehner aber nicht dauern. „Wir rechnen mit einer Lösung innerhalb der nächsten 14 Tage.“

Bis zum kommenden Montag soll der Ausfall der russischen Gaslieferungen weiterhin komplett aus den heimischen Gasspeichern abgedeckt werden. Ab dann soll die „intelligente Optimierung“ greifen. Das Problem ist nämlich nicht, dass es zu wenig Gas in den Speichern gibt. So können die gespeicherten 1,7 Milliarden Kubikmeter Gas den russischen Lieferausfall rund drei Monate kompensieren. Allerdings kann aus den Speichern nur eine gewisse Menge pro Stunde abgezapft werden. Pro Stunde können aus den Speichern, der eigenen Produktion und den Importen aus Norwegen maximal 1,7 Millionen Kubikmeter ins Netz gebracht werden. Derzeit bewegt sich der Verbrauch zwischen 1,3 und 1,6 Millionen Kubikmetern. Es wurden allerdings auch schon Verbrauchsspitzen von 2,2 Millionen Kubikmetern gemessen. Das war allerdings bei Temperaturen von minus 17 Grad. Sollte sich die Kältewelle verschärfen, müssten Industrie und Kraftwerke auf Gas verzichten.

Die Industrie – vor allem die Großverbraucher Chemie, Papier, Stahl, Glas und Zement – ist zumindest in Alarmbereitschaft. Aktuell würde allerdings selbst eine Drosselung der Lieferungen an die Unternehmen keine Katastrophe auslösen, heißt es. Denn, was den Gasstreit und die damit zusammenhängenden Lieferstopps nach Europa betrifft, hat die Finanz- und Wirtschaftskrise etwas Gutes: Wegen der geringeren Nachfrage haben viele Unternehmen bereits ihre Produktion gedrosselt – und brauchen daher weniger Energie.

Dazu gehört auch die Voestalpine, die mit einem Bedarf von 500 Millionen Kubikmetern Gas pro Jahr zu den größten Verbrauchern zählt. In Linz wurde die Produktion nach zweiwöchigen Weihnachtsferien erst am Mittwoch wieder hochgefahren. „In den nächsten Wochen haben wir keine Probleme, zumal wir vorübergehend eigene Energie – konkret Hüttengas – einsetzen können“, sagt Voest-Sprecher Peter Schiefer.

Bei den Energieversorgern ist man schon bereit, die Kraftwerke in den nächsten Tagen von Gas auf Öl umzustellen. Zuvor muss das gelagerte Öl allerdings auf Betriebstemperatur gebracht werden. „Wir haben unsere Ölvorräte bereits vorgewärmt. Das dauert nämlich mehrere Tage“, sagt EVN-Sprecher Stefan Zach.

Laut E-Control-Chef Walter Boltz könnten die Gaskraftwerke im schlimmsten Fall sogar abgeschaltet und der Strom im Ausland zugekauft werden. „Die Energieversorgung in Europa ist derzeit sehr stabil“, so Boltz.

Derzeit nur theoretisch vom Gaskonflikt betroffen ist der Feuerfestkonzern RHI. „Wir könnten auf Flüssiggas umstellen, das würde aber bis zu einem Dreivierteljahr dauern und pro Werk zwei bis drei Millionen Euro kosten“, sagt RHI-Sprecherin Elke Koch. „Wir haben aber Glück, denn wir haben die Produktion in unseren fünf österreichischen Werken um bis zu 50 Prozent gedrosselt.“

 

„Kein Ersatz für Gas“

„Wir brauchen Gas und können es nicht ersetzen“, betont Borealis-Sprecherin Kerstin Meckler. Der Kunststoffhersteller hat seine Produktion noch nicht gedrosselt.

Von einer raschen Lösung des Konflikts geht die Papierindustrie aus, mit 800 Millionen Kubikmeter Jahresbedarf ein weiterer Großverbraucher. Die Gaskrise dürfte nicht dazu führen, dass der durch die Wirtschaftskrise gebeutelten Industrie Aufträge wegbrechen, sagt Austropapier-Geschäftsführer Oliver Dworak.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2009)

Kommentar zu Artikel:

„Wir rechnen mit einer Lösung in 14 Tagen“

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen