Wien.In Südafrika war der Jackpot schon in greifbarer Nähe – der Verkauf des Gold Reef Resorts, der den Casinos Austria (Casag) rund 200 Mio. Euro gebracht hätte, ist vor knapp einem Jahr im letzten Moment gescheitert. Jetzt winkt dem heimischen Glücksspielkonzern wieder ein großes Geschäft, das viel Geld in die Kassen spülen könnte – diesmal in Europa.
Es geht um die Spielbank in der EU-Metropole Brüssel, ein Prestigeprojekt, das Ende 2005 eröffnet worden ist. Die Casinos haben nun für das hoch profitable „Gran Casino Brussels“ ein Angebot erhalten, bestätigt Casag-Sprecher Martin Himmelbauer der „Presse“. Interessent ist der an der Londoner Börse notierte israelische Casino- und Hotelbetreiber Queenco Leisure International über seine griechische Tochter Club Hotel Loutraki SA (CHL). Die Gesellschaft ist für die Österreicher keine Unbekannte: Die Casag hält sechs Prozent und ist Betreiber des Casinokomplexes in Loutraki, der mit 80 Spieltischen und gut 1000 Automaten zu den größten in Europa zählt und auch ein Hotel sowie Konferenzzentrum umfasst.
Der Kaufpreis für Brüssel stehe noch nicht fest, da offen sei, „ob wir alles oder nur die Mehrheit in Brüssel abgeben“, erklärt Himmelbauer. Jedenfalls würde der Komplettverkauf mehr Geld bringen als der Rückzug aus Südafrika. „Das ist schon ein Big Deal.“ Das Brüsseler Kasino (20 Spieltische, rund 200 Automaten) zählte 2007 rund 300.000 Besucher.
Die Entscheidung muss bis 10. März fallen und ist an ein zweites Projekt geknüpft. Dabei geht es um das Verluste schreibende Spielcasino in der serbischen Hauptstadt Belgrad, das erst 2007 in Betrieb gegangen ist. Für die von Casinos Austria International (CAI) gehaltenen 51 Prozent interessiert sich ebenfalls die griechische CHL, die dort bereits 39 Prozent besitzt.
Der Kaufpreis, der mit 42 Mio. Euro feststeht (allein 18 Mio. Euro blätterte die Casag für die Lizenz auf den Tisch, weitere 15 Mio. Euro gingen in den Umbau), wird allerdings nur am Papier fließen. Denn im Gegenzug wollen die Casinos ihren Anteil an der CHL von sechs auf 18 Prozent aufstocken, bestätigt Himmelbauer. Dafür sind rund 50 Mio. Euro notwendig.
Rezession bremst Spiellust
Auch wenn die Casag infolge dieses „Gegengeschäfts“ indirekt über die CHL in Brüssel und Belgrad beteiligt bleibt – als Betreiber der beiden Spielstätten zieht sie sich zurück. Obwohl es um Prestigeprojekte der Casinos geht, nimmt Konzernchef Karl Stoss dies offenbar in Kauf – der Erlös in dreistelliger Millionenhöhe dürfte zu verlockend sein. Stoss hat zwar wiederholt in Abrede gestellt, dass es 2008 Verluste gebe, aber eine kräftige Geldspritze kommt dem Unternehmen zupass, zumal der Erwerb der Lotterienanteile von der Bawag mehr als 300 Mio. Euro gekostet hat.
Zudem läuft das Geschäft mit dem Glück nicht mehr so geschmiert. Sparen statt zocken heißt die Devise in der Rezession, und wenn, wird im Internet gespielt. Dazu kommt in vielen Ländern das Rauchverbot. Das spürt die Casag in Niedersachsen, wo sie zehn Spielbanken besitzt. Dort wird ein Drittel der Belegschaft abgebaut („Die Presse“ berichtete exklusiv am 27. November).
■Die Casinos Austria verkaufen die Spielbank Brüssel und ihren 51-Prozent-Anteil am Casino Belgrad an das Glücksspielunternehmen Queenco Leisure.
■Mit dem Erlös können die Casinos die Kasse kräftig auffetten. Das ist auch nötig, weil die Rezession die Spiellust kräftig dämpfen dürfte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2009)
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