Wien (jaz/p.m.). Ein fabrikneues Auto für 5000 Euro? Solche Preise gab es bislang nur in Schwellenländern wie Indien oder China, aber nicht in Europa. Nun macht die deutsche Verschrottungsprämie auch im Mutterland des Autos entsprechende Okkasionen möglich. So kostet das Modell Sandero der rumänischen Renault-Tochter Dacia bereits regulär nur 7500 Euro. Durch Abzug der Prämie von 2500 Euro – die ein Neuwagenkäufer für die Verschrottung eines mehr als neun Jahre alten Autos erhält – verbilligt sich das Fahrzeug um ein weiteres Drittel.
Dacia ist laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ somit auch der Hauptprofiteur der staatlichen Prämie, die eigentlich die deutsche Autoproduktion ankurbeln sollte. Vor Einführung der Prämie wurden jede Woche 80 Stück des günstigen rumänischen Kleinwagens in ganz Deutschland verkauft. Inzwischen werden rund 1000 Autos pro Woche von den Händlerparkplätzen gefahren.
Renault hat daher bereits Schwierigkeiten, die abrupt gestiegene Nachfrage zu erfüllen. Deutschland muss inzwischen mit Autos versorgt werden, die eigentlich für Russland oder Rumänien bestimmt waren, dort aufgrund der Finanzkrise aber keine Abnehmer mehr finden. Denn auch Dacia leidet grundsätzlich am drastischen Einbruch des globalen Automarkts. Deshalb gab es im Dacia-Werk im rumänischen Mioveni auch einen temporären Produktionsstopp.
Ende der Produktionsstopps?
Die Nachrichten aus dem Westen kommen dort daher gerade recht. „Gegenwärtig analysieren wir die hereinkommenden Aufträge, um einen Produktionsplan zu erstellen“, sagte Generalmanager François Fourmont nach einem Treffen mit dem rumänischen Ministerpräsidenten Emil Boc. Auch in Rumänien überlegt die Politik eine Verschrottungsprämie. „Ende Februar werden wir entscheiden, ob wir mit den Produktionspausen weitermachen“, so Fourmont.
In den nächsten Tagen steht Dacia der sechste Produktionsstopp in vier Monaten ins Haus. Im Dezember 2008 brach der Absatz um 55 Prozent ein. Mit Jahreswechsel trennte sich das Unternehmen von 600 Mitarbeitern, deren befristete Verträge abliefen. Inzwischen kursierten Gerüchte, wonach Dacia bei einem weiteren Anhalten der Autokrise bis zu 4000 der etwa 14.000 Beschäftigten kündigen könnte.
Ähnlich abwartend agiert auch die zweite Autofabrik Rumäniens, die von Ford übernommene Automobile Craiova, sowie die Zulieferbranche. „Die Unternehmen können es sich trotz der Krise nicht leisten, viele Mitarbeiter zu kündigen, weil sie eine Menge in die Schulung investiert haben“, sagte Stefan Erdei, Generalmanager der Arbeitsagentur des Kreises Timi?, der Zeitung „Business Standard“.
Hält aber die Krise an, so könnte die Branche rasend schnell auf weniger als die Hälfte schrumpfen, schrieb die Online-Zeitung „HotNews.ro“. Noch beschäftigen die beiden Autowerke und die Zulieferbetriebe 220.000 Mitarbeiter.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2009)

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