Italien: Kampagne gegen Bargeldlimit

Bargeldzahlungen ab 1000 Euro sind in Italien verboten. Die Südtiroler Volkspartei möchte das nun ändern.

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Rom. Die Italiener lieben das Bargeld. 60 Prozent von ihnen haben stets einen Bargeldbetrag bei sich, wenn sie das Haus verlassen. Nur 39 Prozent können dagegen nicht auf die Bankomat- oder Kreditkarte verzichten. Seit Dezember 2011 sind Barzahlungen nur bis zu einem Betrag von 999,99 Euro erlaubt. Ab 1000 Euro müssen die Zahlungen bargeldlos mit Bankomatkarte, Kreditkarte, Scheck oder Banküberweisung erfolgen.

Damit will man der Schattenwirtschaft das Wasser abgraben und die Steuerhinterziehung erschweren. Gegen diese Bargeldgrenze ist jetzt eine landesweite Kampagne im Gang. Auslöser dafür ist ein Antrag der Südtiroler Volkspartei (SVP). Darin wird die Regierung in Rom aufgefordert, die derzeit gültige Bargeldgrenze den europäischen Standards anzupassen. Nun beschäftigt sich die Abgeordnetenkammer mit dem Thema. Sie will in den nächsten Tagen über den Antrag entscheiden.

Die Bargeldgrenze schrecke viele Touristen ab, behaupten die Südtiroler Parlamentarier. Sie, der Hotelierverband Federalberghi und weitere Kaufleuteorganisationen verlangen, dass die Schwelle für Bargeldzahlungen auf mindestens 3000 Euro erhöht wird. Für viele Geschäftsleute und Freiberufler hat die Beschränkung der Bargeldzahlungen zu deutlichen Umsatzeinbußen geführt. Denn Personen, die über Schwarzgeld verfügen und in bar zahlen möchten, können nicht mehr so einfach bei einem Juwelier oder in einem Möbelgeschäft einkaufen.

Auch bei einer Urlaubsreise wird das Ausland vorgezogen, weil dort größere Bargeldbeträge problemlos angenommen werden, stellten italienische Experten fest. Dies drücke den ohnehin schon schwachen Konsum im Land.

 

300 Milliarden Euro am Fiskus vorbei

Hinzu kommt, dass in Italien für die Schätzung des Einkommens aufgrund des Lebensstandards des Steuerpflichtigen auch Einkäufe und Ausgaben für Leistungen ab 3000 Euro gemeldet werden müssen.

Studien zufolge sollen in Italien jährlich 300 Milliarden Euro am Fiskus vorbei erwirtschaftet werden. Das sind mindestens 20 Prozent der Wirtschaftsleistung. Experten im Wirtschaftsministerium fordern sogar noch weitere Einschränkungen der Bargeldzahlungen, um so die Italiener zum Steuerzahlen zu zwingen. Es gab zuletzt sogar Pläne der Regierung in Rom, alle Kaufleute und Freiberufler zu zwingen, Zahlungen für Beträge von über 50 Euro nur noch mit Kredit- oder Bankomatkarten anzunehmen. Doch dies sorgte für massive Proteste.

Auch der Konsumentenschutzverband Codacons zeigte sich kritisch: Man wolle wohl alle Italiener zwingen, eine Kreditkarte zu besitzen, damit sich die Geldhäuser bereichern können, so der Verband. (mt)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2015)

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