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Luxusindustrie: Cartier im Plastiksackerl

06.05.2009 | 18:23 |   (Die Presse)

Die Luxusindustrie, die lange Jahre nur Wachstum kannte und als rezessions-resistent galt, muss heuer mit einem Umsatzminus von sieben bis acht Prozent rechnen. Reichtum zeigen ist passé.

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WIEN (cim).Wer zwar sehr viel Geld ausgeben, aber doch ein bisschen sparen möchte, der kann nun Schnäppchen jagen. Bei der französischen Werft Bénétaeau zum Beispiel: Dort bekommt man die 17-Meter-Jacht Oceanis 54 nun um schlanke 300.000 Euro.

Zum Schnäppchen macht das edle Boot erst der Vergleich: Eine 50 Zentimeter längere Bénétaeau 57 kostet gut das Doppelte. Die Werft will mit dem neuen Modell der Krise den Wind aus den Segeln nehmen, schließlich ist ihr Umsatz fast um 50 Prozent geschrumpft.

Der weltweite Markt mit Luxusgütern – auch billigeren als Jachten – schrumpft. Die Industrie, die lange Jahre nur Wachstum kannte und als rezessionsresistent galt, muss heuer mit einem Umsatzminus von sieben bis acht Prozent rechnen, prognostiziert das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG).

 

Bis zu 15 Prozent Umsatzminus

Bei der Entwicklung handelt es sich um ein weltweites Phänomen, das die gesamte Branche trifft. In Nordamerika sind die Umsätze mit Luxusgütern im ersten Quartal um 15 Prozent zurückgegangen, in Europa und Japan um zehn Prozent. Allein in diesen drei Märkten werden drei Viertel aller Luxusgüter verkauft. Der globale Markt hatte 2008 ein geschätztes Volumen von 296 Mrd. Euro. In Russland wurden rund zwei Prozent aller Luxusgüter gekauft, in China sowie im Nahen Osten je vier Prozent. In den beiden Regionen wächst der Markt nach wie vor, wenn auch langsamer. Das Plus von sieben Prozent in China und von zwei Prozent im Nahen Osten könnte das globale Minus nicht ausgleichen, sagt Antonella Mei-Pochtler, Seniorpartnerin der BCG. Frühestens in vier oder fünf Jahren dürften die Hersteller von Luxusgütern wieder mit einem Geschäft wie vor der Krise rechnen.

 

Erstmals leidet „Superluxus“

Vor allem die Nachfrage aus aufstrebenden Regionen wie Russland, China oder dem Mittleren Osten hat das Wachstum bei Prestigegütern in den vergangenen zehn Jahren getrieben. Auch damit dürfte es vorerst vorbei sein.

Am stärksten betroffen ist der Markt mit „Hard Luxury Goods“, also Uhren oder Schmuck. Denn die finanzstarke Klientel leidet nach Jahren zum ersten Mal unter einem rückläufigen verfügbaren Einkommen, da Boni und Finanzerträge wegfallen. Weltweit, so die Analyse der BCG, sind die Boni der Banker um 55 Prozent geschrumpft, in der Finanzmetropole London um 62 Prozent.

Der „Superluxus“ – die Jachten, individuell angefertigte Juwelen oder sehr teure Autos – blieb bisher von sämtlichen Krisen und Rezessionen unbeeinflusst, nun sind auch die Vermögen der superreichen Kunden geschrumpft. Der „sanfte Luxus“, wie Designeraccessoires oder teure Mode würde weniger stark leiden. Allerdings ist der Markt dafür fünfmal so groß wie beim „harten Luxus“.

 

Peinliche Designerware

Viele Konsumenten haben das Geld für ihren Luxus nicht mehr, andere hätten zwar Geld, trauen sich aber nicht mehr, das zur Schau zu stellen, heißt es. In New York oder Mailand würde mancher Kunde eines Designerladens nach einem neutralen Sackerl fragen, um die teuren Anschaffungen unbemerkt nach Hause tragen zu können. „Konsum ist out, Schlichtheit ist in“, so die Analyse des Beratungsunternehmens.

Auch weniger reiche Menschen geben weniger aus oder planen das zumindest. „Je nach Land wollen die Menschen ihre Ausgaben für Konsumgüter um neun bis 15 Prozent reduzieren“, sagt Mei-Pochtler.

Auf einen Blick

Luxus ist out, Schlichtheit in. Der globale Markt mit Luxusgütern werde heuer um sieben bis acht Prozent schrumpfen, prognostiziert die BCG. In Nordamerika ist der Umsatz mit Luxus im ersten Quartal um 15 Prozent gesunken, in Europa um zehn Prozent. Die einen kaufen weniger Pomp, weil das Konto schlanker ist, andere genieren sich, wenn sie Reichtum zeigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2009)

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