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Stabilitätspakt: Wie lange hält der Euro durch?

14.05.2009 | 18:22 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht vor ihrer größten Bewährungsprobe. Spekulanten nehmen die Währungsunion ins Visier. Die Zinssätze für Staatsanleihen driften auseinander.

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Wien. In Finanzkreisen steht der Begriff „PIGS“ (Schweine) für die EU-Mitglieder Portugal, Italien Griechenland und Spanien. Die vier Länder sind die Sorgenkinder der Eurozone. Sie sind hoch verschuldet und gelten als reformunwillig. Für sie wird es im Zug der Finanzkrise immer schwieriger, auf den Kapitalmärkten Geld aufzunehmen. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen schossen in die Höhe. Auch Irland wird neuerdings in einem Atemzug mit den „PIGS“ genannt.

Dabei ist der Euro für diese Länder gerade jetzt ein wichtiger Stabilitätsfaktor. „In stürmischer See ist es besser, auf einem großen Schiff zu sein als in einem kleinen Boot“, meint EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Dennoch steht der Euro wegen der „PIGS“ vor seiner ersten großen Belastungsprobe. Denn die Krise legt schonungslos die Defizite der einzelnen EU-Mitglieder offen.

 

Kann ein Land pleitegehen?

Besonders drastisch ist das Beispiel Griechenland. Die Schuldenquote des Landes kletterte auf 94 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nur Italien ist noch schlechter dran. Athens Ministerpräsident Kostas Karamanlis hat selbst in guten Zeiten gegen die Defizitvorgaben des Euro-Stabilitätspaktes verstoßen. Griechische Staatsfirmen wie die Bahn erwirtschaften immense Verluste. Das Pensionssystem stößt an die Grenzen der Finanzierbarkeit.

Zur Ankurbelung der Wirtschaft sind Milliarden notwendig. Damit würde aber die Staatsverschuldung weiter steigen.

Inzwischen müssen auch EU-Länder mit guter Bonität wie Österreich damit rechnen, dass gegen sie ein Defizitverfahren eingeleitet wird. Doch schwerwiegende Konsequenzen brauchen die betroffenen Regierungen nicht zu befürchten. Seit Jahren ist das gleiche Ritual zu beobachten: In Brüssel versichern viele Politiker, dass sie Reformen einleiten werden, um den Staatshaushalt in Ordnung zu bringen. Zu Hause scheinen sie die EU-Vorgaben vergessen zu haben. Dabei spielen die EU-Behörden und die EZB hinter verschlossenen Türen schon Szenarien durch, was passieren sollte, falls ein Staat im Euroraum tatsächlich vor Zahlungsproblemen steht.

Einen Staatsbankrott Griechenlands kann die EU nicht hinnehmen. Denn das würde eine gefährliche Kettenreaktion auslösen. „Jetzt zeigen sich einige grundlegende Konstruktionsfehler der Währungsunion“, meint Paul Donovan von der Schweizer Bank UBS.

Eine Rückkehr zu den alten nationalen Währungen ist ausgeschlossen. Diese Option wäre für den betroffenen Staat so teuer, dass unter Umständen das dortige Finanzsystem kollabieren könnte. Die Euro-Mitglieder sind auf Gedeih und Verderben aneinander gebunden. Dazu UniCredit-Analyst Martin Rottmann: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Eurozone zusammenbricht, liegt im Promillebereich. Wenn jetzt ein Land rausgeht, erklärt es den Staatsbankrott.“

 

Debatte um Euroanleihe

Die Diskussionen zeigen, dass die Verantwortlichen auf die jetzige Krise nicht vorbereitet sind. Im ersten Lebensjahrzehnt des Euro haben es die Regierungschefs und Notenbankenchefs nicht geschafft, einen Notfallplan gegen ein Auseinanderdriften der Währungsunion zu entwickeln.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schlägt als Ausweg eine gemeinsame Anleihe aller Eurostaaten vor. Ein Eurobonds sei der richtige Ansatz zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise, meint IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Ein solches Wertpapier würde die Euroländer mit geringerer Bonität entlasten. Die US-Bank Goldman Sachs hat vorgerechnet, dass alle Euroländer von der höheren Liquidität einer gemeinsamen Anleihen profitieren würden. Doch Deutschland will davon nichts wissen. „Ich kann mir eine Euroanleihe nicht vorstellen“, lautet die Devise von Berlins Finanzminister Peer Steinbrück. Dass einige Staaten jetzt mehr Zinsen zahlen müssen, habe laut Steinbrück „den pädagogischen Effekt, dass sie endlich notwendige Reformen durchführen“. Die EU hat in den vergangenen Monaten mehrere osteuropäische Mitglieder, die nicht in der Eurozone sind, mit Milliardenhilfen unterstützt. Das Geld ging unter anderem an Ungarn und Rumänien. Bei Mitgliedsländern der Währungsunion ist eine Rettung schwieriger. Laut EU-Vertrag ist es der EZB untersagt, Euroländer mit Krediten direkt unter die Arme zu greifen. Doch es bietet sich eine andere Lösung an: Die Zentralbank kann am Kapitalmarkt Anleihen von angeschlagenen Staaten erwerben – und damit deren Nachfrage ankurbeln. „Wenn die EZB bereitsteht, solche Anleihen zu kaufen, würde sie praktisch die jeweilige Regierung finanzieren“, heißt es in einer Analyse von Goldman Sachs. Viele Analysten warnen allerdings, dass mit einem solchen Schritt einfach die Notenpresse angeworfen würde, was unabsehbare Folgen hätte.

 

Brüssel gibt sich zugeknöpft

Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia versichert, dass sich alle Länder der Eurozone im Fall einer Notlage auf die Rettung durch andere Mitglieder verlassen können. „Sie können sicher sein, dass wir politisch und ökonomisch für ein solches Krisenszenario gerüstet sind“, beteuerte Almunia.

Der Spanier weigert sich allerdings, Details zu nennen. Es sei „nicht klug“, öffentlich über einen Rettungsplan zu sprechen. Denn das würde zu einer noch größeren Verunsicherung führen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2009)

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5 Kommentare

Antwort..


Der Euro hält noch dieses Jahr.

mfg
der staatsbürger

Gast: Trinco
15.05.2009 17:36
0 0

zu teuer?

So so, das ist zu teuer aus dem Euro heraus zu gehen.....
Aber viel teurer kommt Deutschland die weitere Mitgliedschaft im Euroraum zu stehen. WIR, in Deutschland stehen für die marode Haushaltspolitik dieser PIG-Partner gerade. Unser Exportüberschuss saniert deren Defizit. Schon mal daran gedacht? Deutschl. hat 200 Mrd. Überschuss erwirtschaft und die 15 anderen Euro-Partner zusammen mit D gerade mal 10 Mrd.
Wo sind die 190 Mrd € geblieben?
Zu teuer, wenn ich das schon höre.

Gast: ET
15.05.2009 08:51
0 0

Wenn man die Tendenzen in den restlichen Euro-Ländern anschaut..

.. dann gehen die meisten den gleichen Weg wie Griechenland. Vielleicht ist Griechenland nur das 1. Land, welches in ausuferende Probleme schlittert. Viele folgen im Windschatten.

Unser Finanzminister hat doch das gleiche schon für 2013 geplant. Österreich wird dann auch > 90% des BIP an Staatsschulden haben. Auch Österreichische Staatsfirmen erwirtschaften Riesenverluste und auch in Österreich kippt das Pensionssystem (Ruhestandsgenüsse).

Der einzige Unterschied zwischen den Euro-Länder ist der Zeitpunkt des Niedergangs, weniger der Niedergang selbst.

Bei guter Verteidigung kann der Euro als Währung schon halten, es bleibt allerdings zu befürchten, dass keiner mehr die Anleihen zeichnet. Dann bekommen wir in Europa kollektive Staatsbankrotte mit Hyperinflation.

Global betrachtet sieht es nicht viel besser aus. Auch der USD, GBP und der YEN haben die gleichen Probleme. Keine der Währungen ist ordentlich gedeckt, hat also nur den Wert, welcher gesetzlich vorgesehen ist oder der Markt psychologisch bestimmt.
Dieses System kann sehr schnell kippen, wenn die Menschen dem Geld keinen Wert zugestehen, bzw. den Staaten die Bonität absprechen. Dann kommt die Hyperinflation. Lösungen gibt es nur theroretisch, weder Regierungen noch Notenbanken werden das Fallen aufhalten können.

Wer noch Reserven hat, Grundstücke und Edelmetalle sind momentan einfach sicherer, auch wenn kein "Zins" dafür kassiert werden kann.

Gast: es
15.05.2009 06:14
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ist

es ist wie immer einfach aber keiner sieht die lösung: also zb.

"Portugal, Italien Griechenland und Spanien. Die vier Länder sind die Sorgenkinder der Eurozone. Sie sind hoch verschuldet und gelten als reformunwillig"

na da würde ich einfach aus brüssel per finanzdekret die regierungen dieser länder entmachten... die totalverwaltung dieser staaten einer privaten managementfirma unter führung von karl heinz grasser übergeben...der würde dann dort einen ultra totalsparkurs " the hard way " durchziehen ( obs den leuten passt oder nicht ist nebensächlich - kleine dumme kinder mögen auch den hustensaft nicht oder zum onkel doktor ) na ja, in vier fünf jahren wären diese länder abgeschlackt und fit für den weltmarkt ...wems passt oder nicht die welt lebt iden kapitalistisch globaliesierten weg mit allen leiden und freuden den ein solcher mitsichbringt ...also guten morgen PIGS ( ösi schon demnächst ? ) und willkommen in der realität

Antworten Gast: ET
15.05.2009 08:56
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EU FInanzdekret - Entmachtung von Regierungen - private Managementfirma?

Ihr Glaube an die Fähigkeiten von Brüssel ist einfach absurd. Eine Entmachtung von demokratisch gewählten Regierungen kaum durchsetzbar weil die Macht dazu fehlt.
Dass private Managementfirmen gegen Neugebauer ankommen ist ein Traum, welcher niemals in Erfüllung gehen kann.

Die einzige Lösung wäre eine kollektive Abgabenverweigerung. Das müssten die privaten Unternehmen machen. Diese sind die Kassiere der Feudalherren und halten den geschützen Bereich am Leben.

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