Wohin mit dem Cannabis-Geld? Indianer erwägen Bankgründung

Ein Großteil der US-Banken scheut das rechtlich heikle Geschäft mit den Einnahmen aus dem (legalen) Marihuana-Verkauf.

Displays at Shango Cannabis shop on first day of legal recreational marijuana sales beginning at midnight in Portland, Oregon
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Displays at Shango Cannabis shop on first day of legal recreational marijuana sales beginning at midnight in Portland, Oregon
REUTERS

Shaun Gindi hat eine mit tausend Zwanzig-Dollar-Scheinen vollgestopfte Reisetasche mitgebracht, als er bei seiner lokalen Chase-Filiale ein Girokonto eröffnete. Alles lief glatt - bis die Bank sein Konto eine Woche später wieder schloss. "Ich habe das mit mindestens acht Banken durchgemacht", sagt der 38-jährige Gindi. Als Eigentümer von zwei Marihuana-Läden und einem Cannabis-Warenlager in Colorado, wo das Rauschmittel legalisiert wurde, ist Gindi in Banken nicht gerne gesehen. Seine Branche bedeutet für die Finanzhäuser teure Compliance-Hürden und unsichere rechtliche Konsequenzen, weil Marihuana in den USA noch immer gegen föderales Bundesgesetz verstößt. Von den mehr als 7600 Banken in den USA akzeptieren nur 220 Finanzhäuser Bargeld aus dem Marihuana-Geschäft.

Amerikanisch-indianische Banken als Ausweg?

Anthony Rivera hat einen Lösungsvorschlag: ein amerikanisch-indianisches Bankensystem. Rivera, Absolvent der Harvard Business School und seit fast einem Jahrzehnt das Oberhaupt des Indianervolkes Acjachemen in Südkalifornien, schlägt die Legalisierung von Marihuana durch die 566 Stammesregierungen vor. Immerhin geht es um ein Bankgeschäft rund um die legalisierte Marihuana- Branche mit schätzungsweise 3 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) Jahresumsatz.

Rivera zufolge ahmt seine Firma CannaNative das Casino-Modell nach, das in den 1980er Jahren eingeführt wurde: „Die indianischen Casinos sind im Grunde ein klein wenig wie Banken. Sie erhalten Einlagen in Form des Spieleinsatzes, und sie verwalten dieses Bargeld auf eine Art und Weise, die von Kommissaren und Aufsehern hochgradig reguliert ist."

Spielcasinos als Vorbild

"Als die Indianerkasinos legalisiert wurden, wussten die Stämme nicht, wie man eine Spielbank betreibt. Also übernahmen viele Unternehmen mit dem entsprechenden Fachwissen den Spielbetrieb, bis es die Stämme begriffen hatten", sagt Rivera. "Dann übernahmen die Stämme die Führung." Bereits im Oktober 2014 eröffnete das US-Justizministerium den Indianerstämmen die Möglichkeit zur Legalisierung von Marihuana für medizinische und landwirtschaftliche Zwecke oder als Genussmittel, genauso wie den einzelnen Bundesstaaten auch. Allerdings können komplexe Rechtsfragen aufkommen, weil sich einige Stammesgebiete über bundesstaatliche Grenzen erstrecken.

Shaun Gindi muss sich einstweilen bei der Arbeit weiter mit Reisetaschen voller Geld rumschlagen: "Ich möchte nicht, dass die Leute herausfinden, dass es immer eine große Menge Bargeld in jemandes Auto gibt", sagt Gindi, dessen Geschäft in Louisville im US-Bundesstaat Colorado Ajoya heißt. "Wir wollen alle einfach nur die Vorschriften befolgen."

Marihuana in den USA

Seit 2012 haben Alaska, Colorado, Oregon, Washington und der District of Columbia Cannabis als Genussmittel für Erwachsene legalisiert. In 23 Bundesstaaten ist die medizinische Anwendung möglich.

(Bloomberg/Red.)

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