Gold gibt ein kräftiges Lebenszeichen von sich

Die unsichere Konjunktur beflügelt den Preis, ohne Inflation ist ein größerer Preissprung aber unwahrscheinlich.

Gold bars from the vault of a bank are seen in this illustration picture taken in Zurich
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Gold bars from the vault of a bank are seen in this illustration picture taken in Zurich
Goldbarren – (c) REUTERS (ARND WIEGMANN)

Fast hatte man das gelbe Edelmetall schon totgesagt, aber in den vergangenen Tagen und Wochen hat der Goldpreis ein deutliches Lebenszeichen von sich gegeben: Mit rund 1180 Dollar je Feinunze liegt er nun immerhin schon um rund 100 Dollar über dem im August erreichten Sommertief. Das reicht, um die ersten Gold-Aficionados von der lang ersehnten Trendwende reden zu lassen.

Aber so weit ist es leider noch nicht. Rein charttechnisch sieht die Sache zwar immer besser aus, aber der mittelfristige Abwärtstrend ist noch nicht geknackt. Er liegt in der Gegend von 1220 Dollar. Wird dieser Deckel zertrümmert, dann sehen Chartisten freie Bahn für einen substanzielleren Anstieg.

Gold lebt aber stark von den „Fundamentals“, reine Charttechnik ist da wohl nur bei gleich bleibendem Umfeld wirklich aussagekräftig. Aber auch das fundamentale Umfeld hat sich verändert. So sehr, dass der Goldpreis, der seiner Rolle als Krisenmetall zuletzt ja keineswegs gerecht geworden ist, darauf jetzt zu reagieren beginnt.

Der Schlüssel liegt wohl in China. Dort verschlechtert sich die Lage zusehends. Die Wachstumsaussichten sind deutlich eingetrübt, wobei die offiziellen Zahlen von Experten ohnehin kaum noch ernst genommen werden. Die Unsicherheit steigt dort jedenfalls – und niemand kann sagen, wie hart die chinesische Wirtschaft wirklich aufschlagen wird.

Was allerdings fest steht, ist, dass die China-Flaute die gesamte Weltwirtschaft stark beeinflusst. In den USA haben sich die Konjunkturaussichten jedenfalls so eingetrübt, dass die ursprünglich schon für September erwartete und dann auf Dezember verschobene Zinswende zumindest für dieses Jahr immer unwahrscheinlicher wird. Es gibt Beobachter, die meinen, dass es statt einer Leitzinserhöhung sogar zu einem weiteren QE-Programm kommen könnte. Sicher ist, dass die EZB und die Bank of Japan ihre Anleihenankaufprogramme ausweiten.

Diese Inflationierung begünstigt Gold stark. Allerdings weisen Beobachter darauf hin, dass der wirkliche Schub für Gold erst beim Auftreten von Verbraucherpreisinflation möglich sei. Und davon ist in den deflationsgefährdeten Ländern der industrialisierten Welt weit und breit nichts zu sehen.

Analysten gehen davon aus, dass die Aufwärtsbewegung jedenfalls anhalten wird und Gold dieses Jahr bei einem Preis um die 1200 Dollar abschließt, bevor es 2016 auf 1400 Dollar je Feinunze klettert. ju


[LIH28]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2015)

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