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IG Milch warnt vor neuem Milchlieferstreik

05.06.2009 | 13:18 |   (DiePresse.com)

Der Erzeugermilchpreis für die Bauern ist innerhalb eines Jahres um 30 Prozent auf ca. 25 Cent je Kilo Milch gesunken. Nach Angaben der IG Milch denken 10.000 Milchbauern ans Aufhören.

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Genau ein Jahr nach den letzen Milchlieferboykott in Österreich warnt die IG Milch, eine Vereinigung von etwa 4000 Milchbauern, vor einem neuen Lieferstreik. "Die Milchbauern stehen vor einem Desaster. Uns bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als wieder zu streiken", sagte der Obmann der IG Milch, Ewald Grünzweil.

Wie berichtet, ist der Erzeugermilchpreis für die Bauern innerhalb eines Jahres um 30 Prozent gesunken. In Österreich liegt er derzeit zwischen 23 und 26 Cent netto je Kilogramm Milch, Tendenz fallend. In Deutschland ist er bereits auf bis zu 21 Cent gesunken.

10.000 Bauern denken ans aufhören

"Damit sind die Milchbauern zu Bittstellern degradiert worden", beschreibt Grünzweil die existenzbedrohende Lage der Milchbauern. Für ihn persönlich bedeute dieser Preisverfall beispielsweise einen Verlust von 25.000 Euro im Jahr, bei einer Quote von 170.000 Liter. In Summe liege der Verlust für die Milchbauern in Österreich bei 270 Mio. Euro.

Laut IG Milch denken 10.000 Milchbauern - also ein Viertel der Milchbetriebe - ans Aufhören. "Dann wird es Naturschutzregionen und Naturschmutzregionen in Österreich geben", malte der IG Milch-Obmann ein düsteres Bild der österreichischen Landschaft.

Die Verantwortung für diese Entwicklung liegt laut IG Milch bei der Politik, die im März 2008 im Zuge der Zwischenbewertung der EU-Agrarreform (Health Check) eine Milchquotenaufstockung von 5 Prozent beschlossen hat, obwohl schon damals zu viel Milch am Markt gewesen sei, so Grünzweil. Derzeit gebe es in der EU etwa 8 Mrd. Liter mehr Milch als nachgefragt werde. Das entspreche fast der dreifachen Produktionsmenge von Österreich.

Lieferstreik möglich

Wenn seitens der Politik bis Ende Juni keine Maßnahmen zur Unterstützung der Milchbauern bzw. zur Reduktion der Milchmenge gesetzt würden, sieht laut Grünzweil der Fahrplan des European Milk Board (EMB), einer Vereinigung von 140.000 Milchbetrieben in 14 Ländern Europas, zu der auch die IG Milch gehört, vor, Anfang Juli in der nächsten Sitzung "weitere Schritte" zu beschließen. Dabei könne es "durchaus sein, dass es wieder zu einem Lieferstreik kommt", sagte der IG Milch-Obmann.

"Die Milchmenge ist das Problem und daher ist die Milchmenge auch die Lösung", sagte Grünzweil. In der Nachfragesituation, wie dies vielerorts von der Agrarpolitik behauptet werde, liege nicht der Grund für die dramatische Situation am Milchmarkt. Laut IG Milch ist auch der EU-weite Absatz von Milch und Milchprodukten nicht wirklich zurückgegangen, weil er davor bewusst in die Höhe geschraubt worden sei und das Vergleichsniveau nun einfach höher sei.

Die IG Milch fordert daher eine Quotenkürzung von zumindest 5 Prozent und appelliert an die heimischen Agrarvertreter, die dazu notwendige Novelle des Marktordnungsgesetzes zu beschließen. Im Zuge dessen müsse aber unbedingt das in Österreich angewendete Saldierungssystem ausgesetzt werden, über das die überlieferten Milchmengen abgerechnet werden und das laut IG Milch geradezu animiert, mehr Milch anzuliefern als zugeteilt wurde. Laut Grünzweil überliefern in Österreich mehr als die Hälfte der Betriebe.

(APA)

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7 Kommentare
Saskatoon
07.06.2009 17:24
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sie bekommen fördergelder

und jammern.....

bekämpft doch nicht den kunden, sondern eure miesen vertreter in der IG milch.
die richten es den groß-milliarden bauern konzernen so, das der kleine nicht überleben kann.
euro vertreter aus IG Milch haben 5 zungen, davon gehören 4 den großbauern...
dagegen müßt ihr kleinbauern ankämpfen, nicht den kunden bekämpfen

aber dazu fehlt euch die bauernschläue...

Gast: kl33
05.06.2009 15:13
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produktidee

da ist mir noch was eingefallen. es gibt ja in tirol milchschnaps genannt gamsmilch, eigentlich ein likör. was haltet ihr davon, das wir den ganzen milchüberschuß in den bioreaktor werfen, dem agrana bioethanol werk verkaufen und dann milchsprit tanken. auf jeden fall hätten wir dann eine buttrig rahmige geruchsnote auf unseren autobahnen. das wär was.
ps: das mit dem graukas ist eh bekannt

Gast: kl33
05.06.2009 15:01
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unternehmertum

nach 100 jahren geschützter bereich stellt sich die frage ab wann landwirte zu unternehmern werden und sich nach angebot und nachfrage orientieren. da in absehbarer zeit die kontingentierung fallen wird und die osteuropäischen staaten produktionstechnisch und qualitativ aufholen (inclusive dem Vorteil niederer Lohnkosten), sollte inzwischen jeder landwirt die idee eigener produkte und direktvermarktung verfolgen. natürlich sollte die eu von ihren überzogenen lebensmittelrechlichen hygienevorschriften abweichen, oder den umbau der vorschriftsmäßigen produktionstätten finanzieren. tatsache ist das österreichische landwirte nicht mit jahresstalldurchschnitten von 10.000 kg/ kuh wie gesehen in holland, norddeutschland mithalten können, ich meine natürrlich die österreichischen kühe. und dann wartet erst mal auf polen und ukraine, wenn die mal abweichen von der" ich hab eine kuh politik" und die qualität der futtermittel verbessern, dann gnade uns der milchseegott bzw. 14 cent bruttopreisgott. am besten wir wandeln österreich in medizinalkräuterland um und verkaufen alles an die pharmaindustrie.
ps: ein graukas ohne wurm, lebt nicht

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Milchmädchen-Rechnung der IG Milch


Die IG Milch ist eine kleine Gruppe von radikalen Sektierern und eben diese IG Milch ist zu einem guten Teil mit schuld daran dass der Milchpreis so niedrig ist.

Weil eben diese IG Milch vor gut einem Jahr, als der Milchpreis auf über 40 cent!!! war, einen völlig unnötigen Milchstreik angezettelt hat.

Was war die Folge des Milchstreiks? Milch wurde einige Tage zur teuren Mangelware, der Handel und das verarbeitende Gewerbe erkannten dass die Milchbauern unzuverlässige Kantonisten sind und suchten nach Alternativen: Der Handel versorgte sich bald darauf verstärkt mit ausländischer Milch. Und die Lebensmittelerzeuger strichen Milch oft gänzlich von der Zutaten-Liste. Margarine statt Milchfett, Kunstkäse statt echten Käse, Palmöl statt Butter...

Die Folge davon: der Milchabsatz sinkt und damit auch der Erzeugerpreis.

Dumm gelaufen. Eben typisch wenn ein paar selbsternannte "Bauernbefreier" gewaltsam in die Marktwirtschaft eingreifen wollen.


Faszinierend

Konnte irgendeiner der Konsumenten eine entsprechende Preisreduktion feststellen?
Wohin verschwindet das Geld?

Antworten MrM
05.06.2009 15:36
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Re: Faszinierend

vermutlich bleibt ein großer Teil davon bei den Einzelhandelsketten. Wenn bedenkt mit welchen Rabatten die derzeit umsich werfen und wie wenig sie derzeit jammern...

Gast: Milchfan
05.06.2009 14:13
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Milchprodukte

sind einfach wunderbar, in ihrer reinen Form, aber leider wird ja von diversen Ernährungsexperten das angezweifelt indem sie auf LIGHT Produkte verweisen, d.h. da wird aus einem Liter Milch durch entfetten und zugeben von Geschmacksstoffen usw. ein Illusionsprodukt erzeugt, das vielleicht nach seinem Ursprungsprodukt schmecken soll aber das nicht hält !
Also auf zum Boykott solcher Produkte und zurück zur Natur, Milch soll Milch bleiben und danach schmecken und damit wird es nicht mehr zuviel Milch geben !
Klingt sicher etwas nach Milchmädchenrechnung und naiv, na und !
Was ist eigentlich mit Fair Trade auch für unsere Agrarproduzenten !