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Nespresso: Kaffee in Kapseln, umschwärmt

13.06.2009 | 18:17 |  von peter martens (Die Presse)

Und plötzlich sind sie überall: Auf den Plakaten lächelt der Mann aus Hollywood, am Markt sorgt Nespresso mit seinen Zahlen für Staunen. "What else?", fragt George Clooney. Die Antwort: eine Bar in Italien. Eine echte.

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Nein, George Clooney war bei diesem Termin nicht anwesend. Obwohl es unter den geladenen Gästen kaum jemanden gab, der sich das nicht insgeheim gefragt hätte – denn es scheint fast naheliegend, dass der Beau aus Hollywood auch ins kleine Schweizer Örtchen Avenches kommt, wenn Nespresso hier eine Feier veranstaltet. Der Schauspieler und der Anbieter von Kaffee in Kapseln treten seit geraumer Zeit immer im Doppelpack auf, und inzwischen ist ihre Präsenz fast allgegenwärtig: im TV-Werbeblock, in der Zeitschrift, auf dem Plakat am Straßenrand oder in der Küche Ihrer Bekannten.

Aber auch ohne Clooney hat sich Nespresso mächtig ins Zeug gelegt, um sich an diesem sonnigen Junitag so prächtig wie möglich selbst zu feiern. Journalisten aus ganz Europa wurden eingeflogen, um Sommeliers und der obersten Führungsriege der Konzernmutter Nestlé zu lauschen und Champagner zu schlürfen. Die Schweizer Wirtschaftsministerin Doris Leuthard persönlich war sich nicht zu schade, vom Dreck um ihre alte Kaffeemaschine herum zu erzählen, um dann von ihrem neuesten Kauf zu schwärmen: einer Nespresso-Maschine. Am Ende der Zeremonie durchschnitten in der Mitte der Bühne Nestlé-Generaldirektorin Petraea Heynike zusammen mit Nespresso-Chef Richard Girardot ein Band, während zwei Dutzend Artisten des Cirque de Soleil heftig auf ihre Trommeln einschlugen und so etwas wie die jubelnden Massen darstellten.

Der Anlass selbst ist eigentlich banal: Nespresso nimmt hier eine neue Produktionsstätte in Betrieb, die bald bis zu zehn Milliarden kleine, mit Espressokaffee gefüllte Metallkapseln pro Jahr produzieren soll. Doch es gibt tatsächlich etwas zu feiern. Das Unternehmen ist dabei, den gesamten Markt aufzurollen. Der Umsatz wächst seit 2000 Jahr für Jahr um mehr als 30 Prozent und hat sich allein seit 2006 auf 2,2 Mrd. Schweizer Franken (1,35 Mrd. Euro) verdoppelt. Heynike zeigt sich überzeugt, dass auch die Krise dem Wachstum kaum etwas anhaben wird, im Gegenteil. Entsprechend ist auch die ganze Fabrik auf Erweiterung angelegt. Fünf Kräne bestücken die vollautomatische, 40 Meter hohe Lagerhalle, unter deren Dach gleich mehrere Hochhäuser passen würden.


Es sieht so aus, als sei Nespresso wie aus dem Nichts aufgetaucht, habe Clooney lächeln lassen und mausere sich nun zur am schnellsten wachsenden Nestlé-Tochter. Doch der Erfolg kam nicht von heute auf morgen, auch wenn dahinter der mit Abstand größte Lebensmittelkonzern der Welt steht. In den Siebzigern hatte jemand von Nestlé die Idee mit den Kapseln. Anfang der Achtziger begann die Forschung, 1986 kamen das erste Patent und der Markteintritt. Mehr als zehn Jahre fütterte der Konzern seinen neuen Bereich, bis dieser in der zweiten Hälfte der Neunziger erstmals schwarze Zahlen schreiben konnte. „Die ersten Jahre waren ein Flop“, erinnert sich Konzernsprecher Joachim Richter. „Wir haben viel investiert und verloren. Und nicht alle haben an die Idee geglaubt.“

Geht man heute in eine Nespresso-Boutique in Wien, trifft man auf durchgestyltes Verkaufspersonal in goldenen Krawatten und schwarzen Anzügen. Riesige Flachbildschirme an der Wand zeigen Kaffeebauern, die in der Morgensonne lächeln. Vor den Bildschirmen stehen Kunden, die nicht lächeln, aber den ganzen Laden einnehmen. Mitten in der Woche herrscht hier ein Gedränge wie bei McDonald's am Samstagnachmittag, nur dass keiner der Kunden aussieht, als müsste er sich Sorgen um die nächste Miete machen. Der zweite Laden ums Eck ist noch voller. Zusätzlich eröffnet Nespresso in wenigen Wochen einen Flagship-Store am Graben, in der besten Lage Wiens. Auf zwei Stockwerken dreht sich dann auch dort alles um bunte Kapseln – ein wahrer Kapselpalast. Österreich gehört zu den fünf erfolgreichsten Märkten, Nespresso-Österreich-Chef Thomas Reuter gibt sich entsprechend zuversichtlich: „18 Monate nach Eröffnung erreichen wir den Return on Investment.“


Was ist da los? Zur Erklärung pocht der Konzern als Erstes auf die Qualität. Nur ein Prozent des auf dem Weltmarkt angebotenen Rohstoffs sei gut genug für die Kapseln, heißt es. Eine andere Erklärung sind die Maschinen: Mit einem Preis ab 149 Euro sind sie deutlich billiger als die der meisten anderen Anbieter, auch die Kapseln ab 31 Cent pro Stück scheinen erschwinglich. Dass damit ein Preis von 50 bis 70 Euro pro Kilogramm Kaffee fällig wird, ist offenbar den wenigsten bewusst. Dass nach jeder einzelnen Tasse Aluminiummüll zurückbleibt, der in der Herstellung besonders energieintensiv ist, auch nicht. Und kaum jemand von den begeisterten Kunden wird sich die Frage stellen, wie viel Cent von dem Verkaufspreis die Bauern auf den Plantagen bekommen. Im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“ wollen das weder Heynike noch Girardot verraten. Girardot spricht lieber vom guten Verhältnis zu den Farmern und davon, wie gern sie für den Konzern arbeiteten. Und gibt dann zu: „Ich weiß, ich habe Ihre Frage nicht beantwortet. Aber es gibt Fragen, die beantworten wir nicht.“

Auch eine dritte Erklärung ist denkbar: Nespresso hat es geschafft, ein Getränk aus der Konserve als urbanen Lifestyle zu positionieren. Maschinen und Kapseln werden nur direkt bestellt oder in den Boutiquen gekauft, womit sich Nespresso den Zwischenhandel spart, und gleichzeitig auf ein klassisches Verkaufsinstrument zurückgreift:

Die künstliche Produktverknappung.Nur Klubmitglieder können eine Bestellung abgeben und haben so ein Gefühl von Exklusivität. Zugleich ist der Anbieter ein klassischer Krisengewinner: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten greift der Rückzug ins Private um sich – der so genannte Cocooning-Trend. Wer nicht in eine Bar gehen will, versucht mit einer Kapselmaschine, wenigstens ein wenig Luxus in die eigene Küche zu holen. „Die Kapseln im Supermarkt zu verkaufen wäre unser Tod“, heißt es in Avenches hinter vorgehaltener Hand. Schließlich ist da auch der Clooney-Effekt, der dem Ganzen den nötigen Glanz verleiht. Die Werbewirkung des Oskar-Preisträgers als oberstes Nespresso-Testimonial ist kaum zu überschätzen. Der Frauenschwarm, den auch Männer sympathisch finden, zeigt sich in den TV-Spots ebenso selbstironisch wie in Interviews zum Thema. Danach gefragt, warum er Werbung nötig habe, antwortet Clooney, von irgendetwas müsse er schließlich leben. In den USA ist es Nespresso aber verboten, die Clooney-Spots auszustrahlen: Wenn dort ein Hollywood-Schauspieler Werbung macht, gilt er als am Ende.

Dass nicht ein italienisches Unternehmen auf die Idee gekommen ist, Espresso in Metalldosen zu verpacken, ist kein Zufall. Italiener trinken ihren Espresso immer noch in der klassischen „Moka“-Kanne, oder, weit häufiger, in einer der unzähligen kleinen Espresso-Bars, zubereitet von einem Barista. Kaffeetrinker im Rest der Welt schauen neidisch zu, warten auf die nächste Italien-Reise oder kaufen sich eben ein paar Kapseln. Nespresso eröffnet weltweit eine Boutique nach der anderen – in Italien lässt der ganz große Durchbruch noch auf sich warten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)

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10 Kommentare
Gast: Tanja
17.09.2009 13:46
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Alternative für Nespresso Kapseln

Es gibt nun eine Alternative für alle Nespresso Maschine Besitzer: Nexpod (www.nexpod.com)- da gibt's keinen George Clooney, aber dafür sind die nachfüllbaren Kapseln billiger und können mit dem selbstausgelesenem Kaffe gefüllt werden.
Warum sollte man also aus dem nächsten Urlaub nicht ein paar Kilos Kaffe als Souvenir mitnehmen und ihn dann zu Hause einfach in der Nespresso Maschine verwenden ? Feriengefühl was gibt's schöneres ?

Antworten Gast: espressofreak
23.11.2009 17:35
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Re: Alternative für Nespresso Kapseln

das problem ist nur, dass die nespresso maschinen müll sind. damit lässt sich leider kein echter espresso zubereiten :=(

Gast: Jörg
18.06.2009 10:27
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Alumüll

Danke für den kritischen Beitrag. Ich sehe das mit dem Alu-Müll ebenso kritisch, wobei laut Outpresso-Webseite (http://www.outpresso.com/nespresso-sammelsystem-d.htm)" target="_blank">http://www.outpresso.com/nespresso-sammelsystem-d.htm) das Problem erkannt ist und inzwischen ein Recyclingsystem mit über 50 % Rücklaufquote eingeführt ist. Ob das ein Erfolg ist, lassen wir mal dahin gestellt, denn das Alu muss ja erst einmal hergestellt werden - Illy verwendet, soweit ich weiß Weißblech.
Welche Qualität in Nespresso verwendet wird, weiß ich nicht - ich probier das Zeug nicht. Da ich selbst mit Kaffeevermarktung zu tun habe, weiß ich aber, dass die großen Konzerne gezielt 'Kaffeeschrott' (getrocknete Schalen, Bruch etc.) aufkaufen und in gewissem Anteil untermischen. Man kann ja jeden Kaffee solange rösten, bis er geschmacklich tot ist... Und gemahlen sieht man das dann auch nicht mehr.
Warum die Leute für den Kapselkram 50-70/Kilo Euro zahlen, aber für einen handgerösteten Premium-Kaffee aus gesicherter Herkunft keine 20 Euro ausgeben wollen, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Die Kunden wollen halt vera...t werden.
Schöne Grüße

Jörg (www.coffee-hunting.com)

Gast: La Pavoni
14.06.2009 19:47
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..weil die Italiener wissen was guter Espresso ist

im Gegensatz zu so vielen jetzt neuen (N)espresso-"Spezialisten".
Irgendetwas stimmt mit dem Kaffee nicht:
- Nespresso hat keine Crema, sondern einen Schaum (wie man ihn durch den speziellen Siebhalter mit einer Hohlkugel auch bei der 40EUR Espressomaschine vom Hofer bekommt.)
- der Kaffee ist sehr grob gemahlen - nicht wie bei Espresso üblich- eigenartig kristallförmig und macht beim Schütteln ein seltsames Gräusch. Ich hab daraufhin eine Kapsel geöffnet und den Kaffee in meiner La Pavoni Professional-Maschine verwendet, worauf seltsame Blasen aus dem Austropf gekommen sind. Espresso-gemahlenen Kaffee wiederum, den ich in eine Nespresso-Kapsel gefüllt habe, kam viel zu dünn aus der Nespresso-Maschine.

Fazit:
- Erstens ist Nespresso zu teuer (ich hab so 60-70EUR pro Kilo in Erinnerung).
- Ich bin mir nicht sicher, ob hier nicht Chemie im Spiel ist oder minderwertiger Kaffee aus Ländern, wo Kaffee schlecht wächst (Vietnam, Südostasien,...), der dann mit Geschmackstoffen aufgepeppt wird - siehe die vielen Geschmacksrichtungen.

Ich hab einige Zeit in der Arbeit Nespresso getrunken, mich mit der Zeit aber echt "abgetrunken".

Ich bevorzuge die Fair Trade-Kaffees Organico (Espresso-gebrannt – ganze Bohne, nicht den normal gebrannten und geriebenen) oder Mundo.
Zwei von den besten Espressi, die es in Österreich zu kaufen gibt und zwar billiger als vergleichbare Italienische Espressi. Außerdem weiß ich, dass die Bauern fair bezahlt werden - schmeckt gleich noch besser.

Gast: gast
14.06.2009 17:38
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Begünstigt eine erhöhte Aluminiumkonzentration im Trinkwasser eigentlich Morbus Alzheimer? Bestehen die Kapseln eigentlich aus Aluminium?

Experten, bitte melden. Das würde mich wirklich interessieren.

Gast: Horned Dorset Primvavera
14.06.2009 00:30
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In unseren Hotel auf Puerto Rico

Nespresso haben wir schon lange, die Gaste lieben es, sauber, nichts zu waschen, scmeckt sehr gut.. teur ja.. aber man lebt ja nur einmal..

Re: In unseren Hotel auf Puerto Rico

leider gibt es diesen Planeten ebenfalls nur einmal.
Und es gäbe auch Alternativen zu den Metall-kapseln, z.b. auch in umweltverträglichen Packungen!
Dass Leute lieber ein vielfaches zahlen um abgepackten teuren Kaffee zu kaufen, statt für die Kaffeemaschine gleich teuren zu kaufen, werde ich sowieso nie verstehen...

Grigorow
14.06.2009 15:43
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Re: Re: In unseren Hotel auf Puerto Rico

ich brauch nicht mehr ins Kaffeehaus zu gehen und für einen Espresso 2€ oder einen Kaffeelate 3,50€ zu zahlen. Setz mich gemütlich auf den Balkon trink Kaffee und rauche ungestört.
Deshalb kauf ich mir den Kapsel Kaffee.

Re: Re: Re: In unseren Hotel auf Puerto Rico

Glauben Sie mir, so mach ich es auch, nur dass ich mich nicht auf das teuerste System festgelegt habe, sondern liebe hochqualitativen Kaffee kaufe und ihn frisch mahlen lasse. Und damit trotzdem noch billiger und vor allem umweltschonender fahre, als bei den Kapsel-systemen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Messalina
14.06.2009 19:46
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Re: Re: Re: Re: In unseren Hotel auf Puerto Rico

das würde ich auch so sehen