Die Airbus-Mutter EADS fasst eine Umwandlung in eine Europäische Gesellschaft (SE) konkreter ins Auge. Dies wäre "ein deutlicher Schritt in Richtung Integration", sagte EADS-Chef Louis Gallois der "Financial Times". "Es würde die Dinge klarer und einfacher machen." Die Konzernstruktur könnte unter der neuen Rechtsform weiter vereinfacht werden.
Der EADS-Vorstand hatte eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Diese soll noch vor der Sommerpause vorliegen, sagte ein EADS-Sprecher auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris der dpa. "Erklärtes Ziel ist es, möglicherweise vor Ende des Jahres eine Entscheidung zu treffen."
Gesellschaft nach niederländischem Recht
Gallois wies allerdings daraufhin, dass noch etliche Fragen zu steuerrechtlichen und sozialen Themen geklärt werden müssten, bevor eine Entscheidung fallen könne. Bisher ist das Unternehmen als Gesellschaft vor allem auch wegen steuerrechtlicher Gründe nach niederländischem Recht (N.V.) organisiert.
EADS ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern; schärfster Rivale ist der US-Flugzeugbauer Boeing. Das börsennotierte Unternehmen umfasst die wichtigsten Branchenanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Die Gesellschaft entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile. Von besonderer Brisanz ist die Beteiligung des französischen Staates. Insgesamt kontrolliert die französische Seite 22,5 Prozent des Kapitals. Auf deutscher Seite ist Daimler größter Einzelaktionär, der auch die Stimmrechte eines von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken wahrnimmt.
Deutsch-französische Konflikte
Diese Konstruktion führt seit Jahren immer wieder zu deutsch- französischen Konflikten über Struktur, Arbeitsaufteilung und Führung sowie die Arbeitsplätze. Gallois verspricht sich von einer Umwandlung in eine europäische Aktiengesellschaft (SE) weniger nationale Streitigkeiten. "Das würde vieles vereinfachen und helfen, das Lagerdenken zu überwinden", hatte er im vergangenen Jahr erklärt.
Unter der neuen Rechtsform der Europa AG, offiziell "Societas Europaea" (SE), können Unternehmen die europaweiten Geschäfte in einer Holding zusammenfassen, statt wie bisher für jedes Land rechtlich eigenständige Landesgesellschaften unterhalten zu müssen. Auch länderübergreifende Umstrukturierungen und Übernahmen werden einfacher. Damit soll das Zusammenwachsen europäischer Unternehmen beflügelt werden. In Deutschland sind unter anderem die Allianz und der Chemieriese BASF, aber auch die Porsche Holding bereits eine europäische Gesellschaft.
(APA)
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