Der Iran will sein Öl für Euro verkaufen

Der Iran kann sich nach dem Ende der Sanktionen aussuchen, in welcher Währung er für Öl bezahlt werden will. Mit der Entscheidung für den Euro rückt der Iran noch näher an seine Handelspartner in Europa heran.

General view shows a unit of South Pars Gas field in Asalouyeh Seaport, north of Persian Gulf
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General view shows a unit of South Pars Gas field in Asalouyeh Seaport, north of Persian Gulf
(c) REUTERS (TIMA)

Teheran/Wien. Nach dem Ende der westlichen Wirtschaftssanktionen gegen das Land will der Iran sein Öl in Zukunft in Euro verkaufen – und nicht in US-Dollar – also jener Währung, in der auch der Ölpreis bestimmt wird. „Unsere Rechnungen kommen mit dem Hinweis, dass Käufer unseres Öls in Euro bezahlen müssen – unter Berücksichtigung des Wechselkurses zum Dollar am Tag der Lieferung“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine Quelle aus der National Iranian Oil Company (NIOC).

Die Regelung, internationalen Handel zukünftig in Euro abzuwickeln, geht auf eine Direktive der iranischen Notenbank zurück, die bereits in der Zeit der Sanktionen erlassen wurde. Der Iran ist damit der erste wichtige Ölproduzent, der den US-Dollar als Handelswährung verlässt. Der Schritt habe „politische Gründe“, so die NIOC-Quelle zu Reuters. Der Iran hat schon 2007 versucht, das Ölkartell Opec zu einem Umstieg auf den Euro zu überreden, war damals aber gescheitert. Dass damals schon „politische Gründe“ dahinterstanden, kann nicht bezweifelt werden. So bezeichnete der damalige iranische Präsident den US-Dollar als „wertloses Stück Papier“.

 

„Wir wollen Euro“

In jedem Fall ist auch der jetzige iranische Alleingang von großer Relevanz – speziell für Europa. So werden europäische Firmen wie die französische Total oder die spanische Cepsa ihre Ölkontrakte direkt in Euro bezahlen können, ohne den Umweg über den US-Dollar zu gehen. Der Schritt gibt posthum auch Christophe de Margerie recht. Der damalige Total-Chef sprach sich schon im Juni 2014 für eine „stärkere Rolle“ des Euro beim Ölhandel aus. De Margerie verstarb im Oktober desselben Jahres bei einem Flugzeugunfall auf der Startbahn des Moskauer Flughafens. Aber die neue iranische Politik beschränkt sich nicht auf EU-Länder. Auch die Verträge mit der russischen Litasco, dem Handelsarm der russischen Lukoil, wurden in Euro abgeschlossen.

Der Schritt vom Dollar zum Euro ist für den Iran nicht nur politisch sinnvoll – als Zeichen des Misstrauens gegenüber Washington –, sondern vor allem ökonomisch. Nicht ohne Grund war der iranische Präsident, Hassan Rohani, sofort nach dem Ende der Sanktionen auf einer Tour durch Europa, wobei Italien und Frankreich zu den wichtigsten Stationen gehörten. Die EU ist einer der größten Handelspartner des Iran.

Nach dem Ende der Sanktionen ist der Iran nun wieder an das internationale Zahlungsnetzwerk Swift angeschlossen – und kann seine Geschäfte in jeder beliebigen Währung abwickeln, heißt es aus der NIOC gegenüber Reuters: „Und wir wollen Euro.“ Direkte Auswirkungen hat die Entscheidung aber auch auf Indien. Indische Ölfirmen haben ihre Importe aus dem Iran seit Anfang 2013 nur zu 45 Prozent bezahlt – und den Rest zurückgehalten, bis die Sanktionen aufgehoben sind. Die Gesamtschulden betragen inzwischen umgerechnet rund sechs Milliarden Dollar.

 

Eurokonten in Indien

Dieses Geld will der Iran jetzt ausbezahlt bekommen – und zwar in Euro. Zu diesem Zweck hat man Eurokonten bei indischen Banken eröffnet. Die Zahlungen sollen in Raten erfolgen. Die indische Regierung bestätigte gegenüber Reuters, dass der Iran in Euro ausbezahlt werden möchte. Der „Times of India“ zufolge, hat die iranische Regierung auch direkten Kontakt zur indischen Notenbank hergestellt. Laut der iranischen Zentralbank werden Euro für die Rückzahlung von Infrastrukturkrediten aus der Vergangenheit benötigt. (jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2016)

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