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Österreichische Schrottautos für Afrika

04.07.2009 | 17:57 |  von Norbert Rief (Die Presse)

Jedes Jahr werden 180.000 gebrauchte Autos mehr oder weniger legal aus Österreich vor allem nach Afrika exportiert. Doch jetzt droht der Markt wegen der Verschrottungsprämie einzubrechen.

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Die Anzeige liest sich vielversprechend für alle, die ein uraltes Auto loswerden wollen. „Wir kaufen alle“, steht da auf der Website flohmarkt.at. „Bastler! Gebrauchtwagen! Buse! zahlen fairen preis! bj – egal! ohne pickel – egal! ville km – egal! unfal, rost – egal! anzurufen 24h 0681-102xx xxx.“

Das etwas holprige Deutsch lässt schon ahnen, dass das nicht unbedingt ein inländischer Gebrauchtwagenhändler ist. Auch Schrotthändler drücken sich etwas besser aus. Ein kurzer Anruf bei dem Wertkartenhandy bestätigt: Der potenzielle Käufer ist aus Osteuropa. „Wir exportieren das Auto“, erklärt er. „In die Märkte, in denen es egal ist, ob es ein Pickerl hat oder nicht.“ Oder ville Kilometer.

Tatsächlich lässt sich mit dem, was in Österreich Schrott ist und möglicherweise sogar Kosten für die Entsorgung verursacht, woanders noch Geld verdienen. In – je nach Zustand des Autos – Serbien, Kroatien, der Ukraine, Bulgarien, Russland, Rumänien oder auch in Afrika. Und der Markt für Beinahe-Schrottautos ist kein kleiner: Von den ungefähr 260.000 Altautos, die jährlich in Österreich anfallen, werden 180.000 exportiert. Um eine Vorstellung von der Dimension zu bekommen, um die es hier geht: Im vergangenen Jahr wurden in Österreich 293.000 Neuwagen gekauft.

Der Export von Gebrauchtautos ist keine neue Idee: Legende sind die Geschichten von Studenten, die mit rostigen Pkw nach Syrien fuhren und sich mit dem Geld aus den Verkäufen ihr Studium finanzierten. Oder die mit einem Geländewagen Afrika durchquerten, um ihn am Ende gegen Flugtickets zurück nach Österreich einzutauschen.

Davon ist man mittlerweile weit entfernt. Die fast romantischen Studentenfahrten von einst haben sich zu einer florierenden Industrie entwickelt. Jedes Jahr werden aus Europa geschätzte sechs Millionen Gebrauchtautos in alle Welt verschifft. Einer der Hauptabnehmer ist Afrika, wo auch der klapprigste Altwagen Verwendung findet.


Wert von weniger als 2000 Euro. Die meisten Pkw haben einen Wert von „weit weniger“ als 2000 Euro, weiß man bei der Reederei Grimaldi in Hamburg. Sie ist einer der größten Autoverschiffer in Europa. Pro Jahr, erzählt Dirk Peters, bringe man 400.000 Fahrzeuge nach Afrika. Wöchentlich verlassen zwei Schiffe Hamburg und laufen fast jeden Staat an der Westküste des Kontinents an. Je nach Größe des Fahrzeugs und Bestimmungsort verlangt Grimaldi zwischen 300 und 500 Euro für den Transport. Das ist der „RoRo“-Preis: Roll-on, Roll-off. Die Pkw stehen in Zentimeterabstand auf der Fähre: Bei starkem Seegang kommen sie mit ein paar zusätzlichen Beulen an. Doch das stört bei diesen Autos niemanden.

Im Laufe der Jahre haben die verschiedenen afrikanischen Staaten ihre ganz eigenen Vorlieben für diverse Fahrzeuge entwickelt: Vom Senegal bis Ghana werden vor allem Pkw gekauft. In Benin und Nigeria bevorzugen sie Kleinbusse, in Kamerun und im Kongo Geländewagen.

Der größte Umschlagplatz in Afrika ist der Hafen Cotonou in Benin. Der Gebrauchtwagenimport macht in diesem Staat beachtliche 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Pro Fahrzeug werden je nach Zustand zwischen ein paar hundert und ein paar tausend Euro bezahlt. Selbst Pkw, die nicht mehr fahrbar sind, werden hier noch gehandelt.

„In Afrika haben sie für alles Verwendung. Die sind enorm einfallsreich, wenn es darum geht, ein Auto für irgendetwas zu adaptieren“, erklärt Jürgen Schlosser. Der Deutsche hat sich auf Lkw spezialisiert, die er in ganz Europa einkauft und dann nach Afrika verschifft. „Wenn gar nichts mehr geht, dann funktionieren sie einen alten Lkw-Motor eben zur Brunnenpumpe um oder zu einem Seilzug.“


Probleme mit neuen Motoren. 100 bis 150 Lkw verkauft das Ein-Mann-Unternehmen Schlosser jährlich an westafrikanische Staaten. Zwischen 5000 und 10.000 Euro kassiert er pro Lkw. Wobei er darauf achtet, dass kein Lastwagen neuer ist als Baujahr 1995: In dem Jahr fingen nämlich die technischen Raffinessen an, und damit kommt man in Afrika nicht zurecht. „Die elektronischen Einspritzungen haben Probleme mit dem gepanschten Benzin. Die alten Motoren schaffen das noch. Die sind spitze.“

Einer, der sich darüber weniger freuen kann, ist Walter Kletzmayr. Er ist Sprecher der österreichischen Schredderbetriebe und klagt über die „fast mafiosen Organisationen“, die die Autos nach Afrika schaffen. Denn jedes Fahrzeug, das Österreich verlässt, ist eines weniger für die Schredder. Außerdem gingen wertvolle Rohstoffe verloren: „Jedes Jahr verlassen 15 Millionen Tonnen Stahlschrott in Form von Autos Europa. Dazu 500.000 Tonnen Aluminium, Kupfer und Blei. 60 Tonnen Edelmetalle, wie etwa Platin (das in Katalysatoren verwendet wird, Anm.). Das muss man dann wieder teuer zurückkaufen.“

Dass das ein Problem ist, hat die EU schon vor Jahren erkannt. Deshalb hat sie eine „Altfahrzeugverordnung“ erlassen, die festschreibt, dass Autos als Abfall einem anerkannten Betrieb überlassen werden müssen und nicht exportiert werden dürfen. Doch diese Verordnung wird umgangen, wo es nur geht. Etliche Exporte seien illegal, weil die Autos eigentlich Schrott seien, erklärt man im Umweltministerium.

Mittlerweile regelt sich der Markt selbst – freilich erst nach einem Eingriff des Staates: Wegen der Verschrottungsprämie gibt es weniger alte Autos für den Export. „Wir bekommen kaum noch einen verwendbaren Gebrauchtwagen für weniger als 2500 Euro“, erzählt ein deutscher Exporteur, der nicht genannt werden will. 2500 Euro ist die Summe, die man beim deutschen Nachbarn beim Neuwagenkauf für sein altes Auto bekommt. „Früher haben wir zehn, 15 Fahrzeuge pro Monat exportiert. Jetzt geht es gegen null.“


Kontrollen in Österreich. In Österreich sind die 30.000 Pkw, für die der Staat 1500 Euro Ökoprämie ausgezahlt hat, auch nicht mehr verfügbar. Sie müssen nachweislich bei einem offiziellen Verschrottungsbetrieb landen. Im Umweltressort bereitet man gerade entsprechende Kontrollen vor.

Die Auswirkungen spürt auch die Reederei Grimaldi. Die Exporte von Gebrauchtautos nach Afrika seien seit Jahresbeginn um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen, bestätigt Peters. „Der Markt bricht ein.“ Und selbst Schlosser klagt. Weniger wegen der Verschrottungsprämie, die trifft sein Lkw-Geschäft nicht wirklich, sondern wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise. Die führe nämlich dazu, dass Firmen ihre Lkw länger fahren und Neukäufe aufschieben. „Manche Unternehmen sind beim Reparieren ihrer alten Lkw schon fast ähnlich einfallsreich wie die Afrikaner.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2009)

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17 Kommentare
Gast: S.Lila
12.03.2010 16:47
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Brauche kaufen gebrauct autos/1999-2001

Bitte,ich bin in Angola.

Meine stat ist Cabinda,suche eine auto z.b.toyota avensis,Mitsubish 4*4 pick up,oder mercedez benz.

tchuss,

S.Lila

Gast: Freiheit
06.08.2009 17:34
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wie wuerde es bei uns ausschauen wenn der staat

den verkauf von gebrauchtwagen verbietet? alle nur neue autos kaufen muessten????? so vergleichbar ist das verbieten von exporten. unsere politiker leben in einer eigenen welt - total realitaetsfremd - weltfremd. schicken milliarden an entwicklungshilfe. wo ein grossteil nicht wirklich hilft - habe an mehreren projekten mitgearbeitet. zum anderen verbietet man die entwicklung dieser laender. die firmen, menschen koennen sich nicht die neuesten maschinen/autos kaufen. sie muessen zugang zu gebrauchten maschinen bekommen um ihre firmen, produkte transportieren zu koennen. wie sollen sie das machen? naja lieber milliarden an steuer geldern als entwicklungshilfe schicken. damit sind die gutmenschen ja zufrieden in europa und waehlen einen. Viel Spass!

Gast: emre
14.07.2009 13:27
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auto exporteur

ich hätte sehr viele autos die in ausland noch sehr gut zu verkaufen wären. nur brauche ich dazu die richtigen händler die mir im ausland die autos abkaufen in grösseren mengen.

Gast: Auto.r
06.07.2009 13:05
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Kompliment

zu diesem umfassend recherchierten Bericht!

Gast: Crusader
06.07.2009 08:20
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Afrika?

Zaun herum und nicht weiter darum kümmern...

Neozoen
05.07.2009 11:27
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Verschrottungsprämie klingt nach einem Schildbürgerstreich.

Wie soll es der Wirtschaft helfen indem Werte vernichtet werden??!

Afrika braucht Transportmittel für den Wirtschaftlichen Aufschwung, der Umweltaspekt ist in diesem Fall sekundär da Technischer fortschritt den Umweltschutz nicht verhindert sondern überhaupt erst ermöglicht.


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Umweltschutz ist ein fremdwort in afrika........

es sind nicht so sehr die motoren - es ist das plastik, der gewoehnliche "hausmuell" - damit wird alles versaut - grosse gebiete in ostafrika sehen aus wie riesige muellhalden - das zum teil rare wasser ist versaut und ungeniessbar - das wird den leuten dort in kuerze auf den kopf fallen.........

Gast: Karl Gimsky
05.07.2009 10:22
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NOVA-Rückvergütung

Zusätzlicher Vorteil bei Außerlandbringung eines KfZ: die NOVA-Rückvergütung! - Insofern finanziert sich die Verschrottungsprämie zum Teil von selbst, da die Rückvergütung zum jeweiligen Handelspreis unterbleibt.

derpradler
05.07.2009 09:50
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so weit

reicht das GRÜNE Auge nicht!

Saskatoon
05.07.2009 07:40
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...und wieder eine gelungene aktion

unseren schrott billigst in afrika abladen, das ganze unter einen hilfsaktions hut ablegen, weil wir ja so gut sind.....

sehe ich bilder aus afrika mit dem computer schrott, den wir dort billigst entsorgen, wird mir schlecht, vor allem weil die gutmenschen in unserem land - schweigen....

natürlich darf man nicht vergessen, das sich wenige bei diesen aktionen, maßlos bereichern und sich dann genüßlich in den medien präsentieren mit champagner in der hand

wir sind ja alle so gut, aber nur dann, wenn wir kräftig abcashen können.

Antworten Faktum Est
05.07.2009 09:13
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Re: ...und wieder eine gelungene aktion

Die Alternative für die Menschen dieser Länder hieße dann eben gar kein Auto.
Und was wäre in Ihren Augen damit für diese Menschen gewonnen?

Antworten Gast: Walter
05.07.2009 08:32
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Re: ...und wieder eine gelungene aktion

Was hat Computerschrott mit diesem Artikel zu tun? Die Uralt-Autos können dort noch verwendet werden, weil sich die Menschen dort einen Hybrid-Prius nicht leisten können. Man würde den Menschen in Afrika nichts Gutes tun, wenn man ihnen die Altautos nicht verkaufen würde.

seth
05.07.2009 06:47
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wie denn auch?

ich bekomme lieber 300 fuer meine Schrottkarre als 300 fuer entsorgung zu zalen...

Gast: ökono-mist
05.07.2009 02:41
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Die (Um-)Welt steht kopf!


Jene, die Markt- und gebrauchsfähige Güter vor der Zerstörung bewahren, anstatt sie zynisch vor der Nase jener wegzuverschrotten, die auf dieses Marktsegment angewiesen sind und sie daher gerne hätten, sind für Oberverschrotter Kletzmayr "fast mafiose Organisationen"!

Wissen Sie, was für mich eine mafiose Organisation ist, Herr Kletzmayr? U. a. ein Staat, der um des schnöden Mehrwertsteuer/NoVA-Inkassos willen seine vernünftigen und/oder finanziell nicht so gut situierten Bürger in wirtschaftlich unsicheren Zeiten dazu anstiftet, ihre gebrauchsfähigen Autos wegzuschmeißen und neue zu kaufen; und der den Arbeitern in der Automobilindustrie damit signalisiert: es zahlt sich nicht aus, Qualitätsarbeit zu liefern, denn wir schätzen diese ohnehin nicht, denn wenn der automotive Chip-Absatz schwächeln sollte, dann geben die "Arbeiterpartei"freunde ohnehin den Befehl zum Wegschmeißen des ganzen Fahrzeuges - da könnt ihr die Kurbelwellen noch so präzise fertigen und die Karosserie noch so sorgfältig vor Rost schützen! Das wird die Arbeiter demoralisieren, und sie werden sukzessive immer schlechtere und schlampigere Arbeit abliefern - und die einzigen, die sich darüber freuen, werden die demoralisierten Politiker sein, die in immer kürzeren Abständen Verschrottungsbefehle geben werden!
Und so kriegen wir dann ein veritables "General Motors - (Hypertrophie-)Problem", das alle übrigen Wirtschaftzweige erstickt. Künstlich hypertrophisierte "IndustrInzucht" trägt sich nicht selbst!

Antworten Gast: hast68
05.07.2009 21:21
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Re: Die (Um-)Welt steht kopf!

exakt!

Insider
05.07.2009 00:50
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Widerliche Geschäfte

Kein Wunder, wenn immer mehr Afrikaner nach Europa drängen, wenn ihr Kontinent als Müllhalde benützt wird.

Antworten hedu
05.07.2009 04:02
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Re: Widerliche Geschäfte

Du als Insider solltest ja wissen das dort Neuwagen aus Geldknappheit mangelware sind.
Gebrauchte gibt es folglich auch fast keine.
Also bleiben nur die Schrottkarren und die können sich dort die wenigsten leisten.

............aber warum erzähl ich das einen Insider????