New York/Wien (hie/ag.). Ein Bericht des New Yorker Generalstaatsanwalts bietet neuen Zündstoff in der Debatte über Bonuszahlungen an Wall-Street-Banker: Der Untersuchung zufolge haben neun große US-Banken im vergangenen Jahr 32,6 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro) Prämien an ihre Mitarbeiter ausgeschüttet. Die betreffenden Banken haben allerdings auch 175 Milliarden Dollar an Staatshilfen erhalten. Einige Institute hätten gar Prämien ausgezahlt, die ihre Nettogewinne überstiegen, kritisierte Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo.
JPMorgan Chase bezahlte laut dem Bericht 1626 Beschäftigten Prämien in Höhe von einer Million Dollar oder mehr, 200 Banker erhielten Boni von drei Millionen Dollar aufwärts. Den höchsten Bonus zahlte Goldman Sachs: Der durchschnittliche Bonus bei der Investmentbank lag bei mehr als 160.000 Dollar. Beide Banken haben ihre Schulden beim Staat bereits beglichen und überraschten im abgelaufenen Quartal mit hohen Gewinnen. Auf der Liste befindet sich auch die Citigroup, die 738 Mitarbeiter mit Prämien ab einer Million Dollar aufwärts belohnte und 2008 über 5,3 Milliarden Dollar an Boni auszahlte. Nach einer staatlichen Finanzspritze von 45 Milliarden Dollar ist der Staat mit 34 Prozent der größte Aktionär der Bank.
Grundlage ist das Jahr 2007
Der Generalstaatsanwalt zeigte sich empört: „Es hat weder Hand noch Fuß, wie die Banken ihre Mitarbeiter entlohnen“, kritisierte Cuomo. Die Vergütung sei von der Performance der Banken entkoppelt, sie würden in guten wie in schlechten Zeiten hohe Boni zahlen. Allerdings haben die im Vorjahr ausgeschütteten Vergütungen nichts mit der Ertragslage des Jahres 2008 zu tun. Als Basis dient die Geschäftslage des jeweils abgelaufenen Jahres. Als Grundlage für die im Vorjahr bezahlten Prämien gilt demnach das Jahr 2007, als die Gewinnlage bei den großen Wall-Street-Häusern noch sehr gut war.
Zuspruch kann Cuomo dennoch vom US-Präsidenten erwarten: Barack Obama hatte die Boni der Wall-Street-Banker unlängst als „beschämend“ bezeichnet. Der Kongress berät nun über Gesetze, die den Aktionären und der Bankenaufsicht mehr Mitspracherechte bei Bonuszahlungen einräumen sollen.
In Österreich wird bereits an neuen Gehaltsschemata gebastelt. Die Bank Austria stellt ihre Bonussysteme um. Künftig sollen nicht Ergebnis und Aktienkurs ausschlaggebend sein, sondern auch Kundenzufriedenheit und Reputation des Unternehmens in die Berechnung der Prämien einfließen. Wie diese Indikatoren zu messen seien? „Etwa über Marktforschung“, so ein Sprecher der Bank Austria. Ähnliches ist bei der Erste Group in Planung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2009)
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