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Ernteausfälle in Indien treiben Zuckerpreis

16.08.2009 | 18:33 |  NICOLE STERN (Die Presse)

Der Subkontinent wird vom Exporteur zum Importeur. Seit Jahresbeginn hat sich der Preis für den süßen Rohstoff beinahe verdoppelt. Indien hatte im Juni mit einer der schlimmsten Dürren seit mehr als 83 Jahren zu kämpfen.

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Wien. Rund einen Euro kostet ein Kilo Feinkristallzucker im Supermarkt. Das sollte auch so bleiben. Und das, obwohl der Zuckerpreis vergangene Woche auf ein Rekordhoch von mehr als 0,20 US-Dollar je Pfund kletterte. Seit Jahresbeginn hat sich der Preis für den süßen Rohstoff beinahe verdoppelt und ist damit so hoch wie seit 28 Jahren nicht.

Der Grund dafür ist relativ simpel. Der zweitgrößte Zuckerproduzent der Erde, Indien, hatte im Juni mit einer der schlimmsten Dürren seit mehr als 83 Jahren zu kämpfen. Im Juni lag der Niederschlag um rund sieben Prozent unter der durchschnittlichen Regenmenge.

Hat Indien im vergangenen Jahr noch 26,4 Mio. Tonnen Zucker produziert, wird der Wert in diesem Jahr auf 14,7 Mio. Tonnen absacken. Bis 2011 dürfte Indien jedoch wieder 25 Mio. Tonnen Zucker produzieren, sagt das deutsche Rohstoffinstitut F.O. Licht. Das Land wird in diesem Jahr vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur. F.O. Licht schätzt, dass der Subkontinent in diesem Jahr fünf bis sechs Mio. Tonnen des weißen Rohstoffs wird einführen müssen, erklärt Stephan Uhlenbrock von F.O. Licht. Hinzu kommt, dass Indien der größte Verbraucher von Zucker auf der Welt ist.

 

Brasilien setzt auf Ethanol

„Das einzige Land, das die fehlenden Mengen an Zucker abdecken kann, ist Brasilien“, sagt Uhlenbrock. Doch auch Brasilien hat mit dem Wetter zu kämpfen. Nicht Dürre, sondern Nässe macht dort der Ernte zu schaffen. Zwar läuft Brasiliens Zuckerproduktion auf Hochtouren. Im Süden des Landes können jedoch nur 42 Prozent des Zuckerrohrs für die Zuckerproduktion verwendet werden, schreibt die F.O. Licht in ihrem jüngsten Report. Viele Zuckermühlen haben ihre Produktion in den vergangenen Jahren umgestellt, um auch Ethanol (Bio-Kraftstoff) gewinnen zu können. Ist der Zuckerpreis hoch, wird eher mehr Zucker produziert, da dies profitabler sei. Steigt der Benzinpreis, stellen die Mühlen ihre Produktion auf die Herstellung von Ethanol um. Viele Autos in Brasilien können sowohl mit Benzin als auch mit Ethanol betrieben werden. Der Verbrauch von Ethanol steigt daher kontinuierlich. Die brasilianische Zuckerindustrie erzielt schon 54 Prozent der Umsätze mit Ethanol.

Uhlenbrock sieht darin kein Problem. Eher im Gegenteil. Die Menschen dort seien froh, wenn sie abseits des Zuckers noch ein zweites wirtschaftliches Standbein hätten.

Dass der Preis in jüngster Zeit so stark zulegt, ist abseits der Fundamentaldaten auch auf zunehmende Spekulationen zurückzuführen, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. „Wie hoch der Anteil der Spekulationen ist, kann man allerdings nicht sagen.“ Fest steht, dass sich die Zahl der Terminkontrakte, mit denen auf steigende Zuckerpreise spekuliert wird, in diesem Jahr verdoppelt hat.

 

Analysten uneins

Ob deshalb auch der Preis für Zucker zulegen wird, ist fraglich. In einem Rohstoffbericht der deutschen DZ-Bank heißt es, dass der Markt „klare Anzeichen von Überhitzung zeige“. Die Bank geht von Preisrückgängen auf 18 bis 20 Cent je Pfund aus. Sollte das Wetter jedoch schlecht bleiben, sei nicht ausgeschlossen, dass die Marke von 25 Cent überschritten werde. Auch Weinberg rechnet in den kommenden Wochen und Monaten mit Preisanstiegen. Hedgefonds-Manager Michael Coleman sagte der Agentur Bloomberg, es sei durchaus möglich, dass der Preis auf 0,40 Dollar steige.

Dass der Preis wie in den Siebzigerjahren aber einen Höchststand erreichen wird, daran glaubt Commerzbank-Analyst Weinberg nicht. Damals verringerten sich die Lagerbestände dramatisch und sanken auf ein Zehnjahrestief. Der Preis für Zucker erreichte 0,66 Dollar je Pfund.

In Europa dürfte Zucker jedoch nicht teurer werden. Der heimische Produzent Agrana sei von den hohen Weltmarktpreisen wenig betroffen, heißt es aus dem Unternehmen.

Denn die Preise innerhalb der EU werden von der europäischen Zuckermarktordnung geregelt. Veränderungen bei den Weltmarktpreisen haben in Europa daher nur bedingt Einfluss.

Auch Uhlenbrock glaubt nicht, dass es wesentliche Preisveränderungen geben wird. „Zucker wird in den westlichen Staaten ohnehin als schlechtes Agrarprodukt gesehen“, sagt er weiter.

Auf einen Blick

Der Preis für Zucker hat sich in den ersten sieben Monaten dieses Jahres beinahe verdoppelt. Der Preis je Pfund liegt bei mehr als 0,20 US-Dollar. Die weltweite Zuckerproduktion wird in diesem Jahr bei rund 155 Mio. Tonnen liegen, der Verbrauch liegt mit etwa 160 Mio. Tonnen darüber. Indien ist der größte Zuckerkonsument der Welt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2009)

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2 Kommentare
Gast: roman
17.08.2009 09:54
0 0

Armer Red Bull

Red Bull bzw. Rauch wird somit dieses Jahr keine EU - Agrarförderung bekommen und netto in den EU - Topf einzahlen, da man nicht den teuren Zucker zu Weltmarktpreisen einkaufen muss.....

Gast: s¿Zenzerl
16.08.2009 21:20
0 0

Is eh besser wenn der Zucker teurer wird, dann ham die Gschroppn weniger Karies


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