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General Motors: „Big Ed“ ist der Boss

05.11.2009 | 18:36 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Verwaltungsratschef Edward Whitacre gilt als neuer starker Mann bei General Motors. Der Texaner hat den Opel-Verkauf vereitelt.

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washington. „Es war so, als ob man eine Münze geworfen hätte.“ So beschreibt John Smith, der Chefverhandler von General Motors (GM), die Entscheidung des Verwaltungsrats des Autokonzerns in Detroit, den Opel-Deal doch noch platzen zu lassen. Am Ende saßen die Gegner eines Verkaufs der deutschen Tochterfirma, der nach einem monatelangen Nervenkrieg zwischen Detroit und Berlin unter Dach und Fach schien, in dem Gremium am längeren Ast.

GM-Chef Fritz Henderson, erst seit einem halben Jahr im Amt, ist damit brüskiert. Der erst im Sommer von der US-Regierung eingesetzte Verwaltungsratschef Edward Whitacre gilt hingegen als neuer starker Mann: „Big Ed“, so der Spitzname des Texaners, ist der Boss. In den USA kommt dem Aufsichtsrat ohnehin eine stärkere Position zu als in Europa. Whitacre werden Bulldozerqualitäten bescheinigt, und dass er in seiner Freizeit mit schwerem Gerät auf seiner Farm herumpflügt, fügt sich ins Bild. Er soll verhindern, dass der Verwaltungsrat die Konzernpläne lediglich abnickt, wie es unter Henderson-Vorgänger Rick Wagoner jahrelange Praxis war – mit ein Grund, der den Autoriesen in die Krise schlittern ließ.

„Diese Firma sollte nicht schrumpfen, sondern wachsen“, erklärte Whitacre vielsagend bei seinem ersten Auftritt. „Think big“: Das ist das Motto des ehemaligen AT&T-Chefs, der das Unternehmen durch eine Reihe von Fusionen zu einer fixen Größe in der Telekommunikationsbranche gemacht hat. Von Anfang an hat der 68-Jährige seine Skepsis gegenüber einem Opel-Verkauf angemeldet, obwohl er beteuerte: „Von Autos habe ich keine Ahnung.“

Im neu besetzten, mit hochkarätigen Managern besetzten Kontrollgremium hat Whitacre Verbündete gefunden. So soll etwa David Bonderman, Chef des Finanzinvestors TPG, maßgeblich zum Stimmungsumschwung beigetragen haben. Bonderman ist gewissermaßen ein „Bruder im Geiste“: Zu seiner Geburtstagsparty ließ der Milliardär die Rolling Stones einfliegen.

 

Vision als globaler Player

Bereits Ende August hatte der Verwaltungsrat mit seiner Empfehlung an die Konzernführung aufhorchen lassen, alle Optionen zu überprüfen. Mitten im Wahlkampf war die deutsche Regierung aufgeschreckt. Mit einem Mal schien General Motors das Interesse verloren zu haben, Opel zu „verschleudern“. Um weiter eine Rolle als globaler Player spielen zu können, sei eine Verankerung auf dem europäischen Automarkt unerlässlich, lautete ein Argument. Die Technologie der deutschen Autobauer, ihre Kompetenz im Sektor der spritsparenden Mittelklassewagen seien unverzichtbar für die Entwicklung neuer Modelle, hieß es. Und nachdem Berlin auf Druck der EU zugesichert hatte, dass die Staatshilfe auch für andere Bieter gelte als für Magna, wuchs der Anreiz, Opel unter dem GM-Dach zu halten.

Den Ausschlag gab schließlich, dass der Konzern schneller und robuster aus der Insolvenz herausgegangen ist, als es ihm die Experten zugetraut hatten. Nicht zuletzt durch die Abwrackprämie „Cash for Clunkers“ stiegen die Absatzzahlen auf dem US-Markt – und die Klausel für eine Rückkaufoption wurde prompt getilgt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2009)

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11 Kommentare
Gast: markus trullus
06.11.2009 14:22
0 0

Willkommen in der Realität

Big Ed eines ins Stammbuch geschrieben:
VW
Renault
Fiat
Citroen
Peugot
Ford
BMW
DB
Seat
Fiat
Alfa
Saab
Volvo
+ dutzende Japaner (Toyota, Nissan, Honda, Subaru, Suzuki,..)
+ hunderte Chinesen, Inder, Koreane
Alle diese freuen sich auf den Untergang Opels oder GM Europa….
Alle werden den Marktausfall Opels in wenigen Wochen verschmerzt haben. Und die 40.000 verlorenen Arbeitsplätze, was ist das gegen einige Millionen Arbeitsplätze, die in den letzten Jahren wegen der Globalisierung verloren gegangen sind? Und die Globalisier sind … wir selbst. Kauft asiatische Fahrzeuge, die sind BILLIG! Geiz ist Geil!!!

Gast: wp65
06.11.2009 08:13
0 0

„Von Autos habe ich keine Ahnung.“

Darauf war das Management wohl schon immer stolz - vom Kerngeschäft keine Ahnung zu haben, aber abgehoben von der Welt Strategien zu entwerfen. Lieber Ed, ein kleiner Tip: Geld kommt rein, wenn ein Auto (ja, das sind die Dinger mit Rädern die Ihr produziert) an einen zahlenden Endkunden ausgeliefert wird.

Antworten Gast: markus trullus
06.11.2009 14:12
0 0

Re: „Von Autos habe ich keine Ahnung.“

Richtig; und genau das wird nach dieser US Arroganz- Misäre in Europa (ausser in den US- Ar... Kriechenden GB) kaum mehr passieren. Oprl wird abstürzen, leider. Da helfen dann auch Solidaritätsbetteleien wegen der Arbeitsplätze nichts mehr...

Gast: Nachdenker
06.11.2009 07:30
0 0

Mal überlegen!

Wenn wir an die Brent-Star zurückdenken, wie da ein namhafter Ölkonzern in die Knie bzw. zum Nachgeben gezwungen wurde, würde ich allen deutschen und auch anderen EU Gewerkschaften empfehlen, die Arbeitsproteste auf ein anderes Niveau zu führen, bei dem man den Konzernen genau dort weh tut, wo es sie am Meisten trifft:

Nicht mehr Streiken oder Produktionen blockieren - das ist heutzutage Kontraproduktiv - NEIN - das Beste ist:
Gewerkschaftsweit aufzurufen, die Produkte all jener Unternehmen zu boykotieren, welche sich einfach nur aus Gewinngier aus unseren Ländern verabschieden - siehe Nokia.

Sagt doch euren Leuten klipp und klar: kauft keine Nokia Handy's mehr - kauft keine GM Fahrzeuge - wenn dort dann der Umsatz um 20, 30, 40... % zurückgeht wissen Sie, dass wir uns nicht mehr veräppeln lassen - so siehts aus! Wir als Konsumenten sind gefordert, diesen Abzockern auf die Finger zu klopfen!

Antworten Gast: Martin S
06.11.2009 09:44
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Re: Mal überlegen!

Und, hat das was im Falle Nokia gebracht? Wurden die Standorte wieder eröffnet? Nein? Dann ist das auch genauso unproduktiv!

Gast: Oskar
05.11.2009 23:33
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Ihr seid selbstbewußt? Ihr seid nichts

Nur ein paar Schachfiguren, genauer die Bauern, die auf dem Schachbrett verschoben und bei Bedarf geopfert werden. Und wenn ihr nicht geopfert werdet, seid ihr die Zahlsklaven, die erst einmal 50% des Bruttolohnes an den Staat abliefern dürfen. Ihr seid gar nichts.

Antworten Gast: Gastt
06.11.2009 08:53
0 0

Re: Ihr seid selbstbewußt? Ihr seid nichts

Genauso ist es.

Jaroslav
05.11.2009 19:30
0 0

putin

putin sollte es kaufen und alle gewerkschaft mitglieder werden durch arbeitspause kalinka singen

Gast: NurkeinOpel
05.11.2009 14:55
1 0

Bravo

Vollkommen richtig ! Die fordern ohnehin nur den Solidaritätsbeitrag ein, liefern ihn an die Spekulanten ab und kündigen die Leute trotzdem.

Gast: Lasse mir nichts wegnehmen
05.11.2009 14:39
0 0

Wenn ihnen GM

erneut mit einem anderen Arbeitsplatzerhaltungsschmäh das Messer ansetzt erhöhen sie es freiwillig auf das doppelte. Hat zuletzt bei Magna auch prächtig funktioniert. Es kommt sicher noch soweit, dass die Leute fürs arbeiten dürfen auch noch bezahlen. Die Politiker machen mit dem Wahlvolk was sie wollen und die Firmenchefs mit ihren Lohnabhängigen das gleiche.

Gast: xyz
05.11.2009 14:07
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Warum verzichten?

GM wird sowieso alle Standorte in den Hochlohnlaendern schliessen. Das steht fest. Dann ist es besser fuer die Beschaeftigten so lange wie moeglich soviel vom Kuchen abschneiden wie es nur geht. Nach dem Zusperren des Standortes freuen sich im Falle eines vorherigen Gehaltsverzichts der Arbeiterschaft nur die Eigentuemer, die die Kosten der Stilllegung minimieren konnten und somit den eigenen Profit maximieren konnten... auf Kosten der "dummen" Arbeiter