Ihrem Ruf als harte Hunde werden die Manager von General Motors (GM) derzeit so gar nicht gerecht. GM-Chef Fritz Henderson weiß: Der Autoriese braucht die Kleinwagen- und Forschungskompetenz der deutschen Tochter Opel, und die gibt es nach dem monatelangen Poker nicht mehr zum Nulltarif. "Wir müssen mit den Betriebsräten zusammenarbeiten, um einen Restrukturierungsplan auf die Beine zu stellen", ist bei GM zu hören. Ohne Kompromisse wird es also für die sonst als arrogant und selbstgerecht geltende Führungsspitze aus Detroit nicht gehen.
Opel bald in deutscher Hand
Einen ersten Schritt auf die Opelaner sollte GM noch an diesem Dienstag zugehen: Demnach wird mangels Alternative zunächst der GM-Manager Nick Reilly als neuer Opel-Chef eingesetzt. Er gilt als harter Sanierer, die Gewerkschaften sind auf ihn schlecht zu sprechen. Allerdings soll Reilly das Machtvakuum bei Opel nur füllen, bis eine langfristige Lösung gefunden wird: "Wir suchen ein europäisches Führungsteam, möglichst mit einem Deutschen an der Spitze", gibt sich GM entgegenkommend.
Sanierung um drei bis sechs Milliarden
Auch auf die Hilfe der europäischen Opel-Länder, allen voran Deutschland, ist GM dringend angewiesen. Der US-Konzern beziffert die Kosten für die Sanierung der angeschlagenen Tochter Opel auf drei Milliarden Euro, die US-Ratingagentur Moody's geht von fünf Milliarden Euro aus, der Opel-Betriebsrat gar von sechs Milliarden Euro.
Diese Summen kann der mit US-Steuermilliarden gestützte Autobauer nicht alleine schultern. GM-Vize John Smith gibt unumwunden zu, dass europäische Hilfen einkalkuliert seien: "Ich bin hoffnungsfroh, dass die Bundesregierung unseren Plan, wenn sie ihn gesehen hat, gut finden und uns genauso unterstützen wird wie die Regierungen aus Spanien, Polen und Großbritannien."
Nächste Kreditrate zurückbezahlt
General Motors hat einen weiteren Teil des Opel-Brückenkredits zurückbezahlt. Die Opel-Mutter habe am Dienstag 200 Mio. Euro überwiesen, teilte GM mit. Die nun noch offene Summe von 600 Mio. Euro wolle der Konzern noch vor Ende November zurückzahlen, sagte GM-Europe-Finanzvorstand Enrico Digirolamo am Dienstag.
Die Rückzahlung des Brückenkredits an die deutschen Bundes- und Landesregierungen ist Voraussetzung dafür, dass GM wieder vollständig in den Besitz der Opel-Anteile gelangt. Derzeit werden 65 Prozent der Opel-Anteile von einer Treuhand verwaltet. Sie war eingerichtet worden, um den mittlerweile abgeblasenen Opel-Verkauf zu begleiten und den bis zu 1,5 Mrd. Euro schweren Brückenkredit aus Deutschland zu verwalten.
Deutsche geben sich beleidigt
Doch derzeit ist die Stimmung eisig. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) knöpfte sich im Bundestag das GM-Management richtig vor. Die US-Bosse hätten versagt und monatelang ihre Verantwortung für Opel nicht wahrgenommen. Auch wird es für die Amerikaner kein Spaziergang, um an die deutschen Staatshilfen zu kommen. Den Großteil der Sanierung müsse GM selbst bezahlen, machte Merkel klar. Doch trotz des aktuellen Frusts über die Tricks der Detroiter weiß auch die Kanzlerin, dass man irgendwann wieder am Verhandlungstisch sitzt. Merkel und die Ministerpräsidenten können es sich nicht leisten, nach den großen Auftritten im Wahlkampf die Opel-Beschäftigten einfach im Stich zu lassen.
Sparkurs möglicherweise sanfter
Zwar spricht Smith weiter davon, dass die Fixkosten in Europa um 30 Prozent gesenkt werden und dafür rund 10.000 der 50.000 Stellen wegfallen sollen. Damit unterscheide sich der GM-Plan jedoch kaum von den Vorhaben der Bieter Magna oder RHJI. Nach anfänglichen Insolvenz- Drohungen gegen die Belegschaft gibt man sich in Detroit inzwischen verhandlungsbereit: "Wie wir diese Senkungen erreichen, ist vor den Verhandlungen mit dem Betriebsrat völlig offen. Es gibt keine Vorab-Festlegungen."
So hat der umtriebige Opel-Betriebsratschef Klaus Franz, der mit der Absage des Verkaufs an Magna eine schmerzhafte Niederlage einstecken musste, plötzlich wieder Oberwasser. Opel soll eine eigenständige AG mit Sitz in Rüsselsheim werden, die etwa über neue Modelle sowie Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte selbst entscheidet. Auch in diesem Punkt wird er sich nun dem Vernehmen nach durchsetzen können: "Jeder hier bei uns erkennt an, dass Opel mehr Kontrolle über sein Geschäft bekommen soll", sagt ein Insider. Denn inzwischen habe selbst Henderson eingestanden, dass Opel in der Vergangenheit aus Detroit nicht immer optimal geführt worden sei.
(Ag./Red)
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