"Es wird schon wieder" dürfte das Motto vieler internationaler Manager sein, wenn es um die Folgen der Wirtschaftskrise geht. Obwohl Firmen weltweit mit verhaltenen Konjunkturprognosen in das neue Jahr starten und wesentliche Veränderungen in der Wirtschaftsordnung erwarten, setzen nur wenige Unternehmen auf langfristige Maßnahmen, um ihr Geschäft nachhaltig zu stabilisieren. Das geht aus einer Studie der "Boston Consulting Group" hervor, für die 430 Führungskräfte von Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Dollar Umsatz befragt wurden.
Problembewusstsein allgemein vorhanden
Die überwiegende Mehrheit der von BCG befragten Führungskräfte erwartet wesentliche Veränderungen in der Wirtschaftsordnung:
- 68 Prozent rechnen zukünftig mit einer geringeren Profitabilität.
- 64 Prozent glauben, dass Wachstum schwieriger zu erzielen ist.
- 71 Prozent erwarten eine Ausweitung des Arbeitnehmerschutzes.
- 81 Prozent rechnen mit einer zunehmenden Regulierung.
- 87 Prozent sehen eine steigende Preissensibilität der Verbraucher.
Kurzfristige Kosmetik dominiert
Es sind aber vor allem kurzfristige Schutzmaßnahmen, die die Unternehmen angesichts ihrer Einschätzungen der Geschäftsentwicklung ergreifen: Zwischen 50 und 70 Prozent der Befragten setzen auf leicht zu realisierende Schritte wie die Fokussierung auf ihre wichtigsten Kunden, Einsparungen bei Verwaltungs- und Reisekosten, die Neuverhandlung von Lieferverträgen sowie die Reduzierung von Lagerbeständen, Marketingbudgets und Gehältern.
Deutlich weniger Unternehmen hingegen verfolgen weitreichende, längerfristige Maßnahmen wie die Aufgabe ausgewählter Produktlinien (44 Prozent) bzw. einzelner Kundensegmente (39 Prozent) bis hin zur Abspaltung ganzer Geschäftsbereiche und Vertriebskanäle (43 Prozent).
Vertrauen auf die Rückkehr zum Boom
Ein Grund für die Zurückhaltung: Viele Unternehmen glauben, dass die neue Wirtschaftsordnung - mit einem langsamen Wachstum, einer geringeren Profitabilität, mehr Protektionismus und einer größeren Preissensibilität der Verbraucher - nicht von langer Dauer sein wird. Weniger als 50 Prozent der befragten Führungskräfte erwarten, dass diese "neuen Realitäten" mittelfristig, also in zwei bis drei Jahren, noch relevant sein werden.
Marktführer handeln entschlossener
"Die Wettbewerbsbedingungen haben sich grundlegend geändert", sagt Daniel Stelter, Partner bei BCG: "Nur Unternehmen, die entschlossen sind, ihre Geschäftsmodelle fundamental zu überdenken und gleichzeitig in ihre Zukunft zu investieren, werden zu den langfristigen Gewinnern der Krise zählen. Unsere Umfrage zeigt, dass Unternehmen zwar die Notwendigkeit erkennen, defensiv zu agieren und zugleich Wettbewerber anzugreifen; wenn es jedoch um die Umsetzung geht, schrauben sie nur an den Kosten und lassen wirklich langfristige Maßnahmen weitgehend außer Acht. Wir beobachten, dass Marktführer hier entschlossener handeln als kleinere Konkurrenten."
(Red. )
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