Die Europäische Zentralbank (EZB) sorgt sich wegen der Haushaltsprobleme Griechenlands und anderer Defizitsünder um den Euro. "Wer sich nicht an die Regeln hält, handelt unsolidarisch, unverantwortlich und schadet dem Euro", warnte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark am Wochenende. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet forderte das Land ungewöhnlich deutlich auf, sein Budget in Ordnung zu bringen und künftig korrekte Statistiken vorzulegen. Dem "Spiegel" zufolge machen sich bereits die Beamten der EU-Kommission Gedanken um den Zusammenhalt der Euro-Zone.
"Die Währungsunion ist eine Schicksalsgemeinschaft", sagte Stark der "Welt am Sonntag". Dabei gehe es auch um Statistiken, die nicht in Ordnung gewesen seien: "Folglich war es auch nicht möglich, frühzeitig entsprechend einzugreifen." Griechenland werde an diesem Punkt dringend nachbessern müssen, sagte Stark.
Das Mittelmeerland hatte überhaupt nur mit frisierten Zahlen den Beitritt zur Euro-Zone geschafft. Nach der Wahl im Herbst 2009 hatte die neue sozialistische Regierung überraschend mitgeteilt, dass das Haushaltsdefizit mit 12,7 Prozent mehr als doppelt so groß ausfallen werde wie bisher bekannt. Seitdem muss das Land deutlich höhere Zinsen am Kapitalmarkt zahlen. Am Montag will die Regierung die Auftragsbücher für eine neue Fünf-Jahres-Anleihe öffnen. Die erste Anleihe in diesem Jahr gilt als ein Test, wie die Finanzmärkte die Lage bewerten.
"Nie wieder werden wir Haushaltszahlen akzeptieren, die nicht den Tatsachen entsprechen", sagte Trichet dem "Focus". Jedes Land sei es seinen Partnern schuldig, sich solide zu verhalten und seine Ungleichgewichte zu korrigieren. Um seine Finanzen in Ordnung zu bringen, dürfe die griechische Regierung auch nicht vor unpopulären Entscheidungen zurückschrecken.
Stark sagte, wer ständig Defizite produziere, lebe über seine Verhältnisse: "Das lässt sich nur ändern, wenn man den Gürtel enger schnallt und die Volkswirtschaft wieder wettbewerbsfähiger macht." Manche Länder hätten dazu sogar einen Rückgang der Löhne erlaubt. Eine Rettung des Mittelmeerstaates durch die Euro-Partner schloss er aus: "Die Währungsunion beruht auf einer klaren Geschäftsgrundlage, an die man die heutige Politikergeneration erinnern muss. Kein Land der Währungsunion haftet für die Schulden eines anderen Landes."
Griechenland war vor Weihnachten von einer schweren Finanzkrise erschüttert worden und steht wegen der Stabilität des Euro unter verstärkter Aufsicht der EU. Die Neuverschuldung des Landes stieg im Krisenjahr 2009 auf 12,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), die EU erlaubt maximal drei Prozent.
EZB wegen Griechenlands Finanzlage besorgt
24.01.2010 | 14:37 | (DiePresse.com)
Eine Rettung des Mittelmeerstaates durch die Euro-Partner wird ausgeschlossen. Wer sich nicht an Regeln hält, schadet dem Euro, meinte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark.
5 Kommentare
anders herum
wenn man Wirtschaftsanalysten Glauben schenken darf, hält Griechenland die EZB in Schach und nicht umgekehrt. Der Euro stürzt deswegen bereits ab. Der Countdown läuft. Euro? Was war das nochmals?Schluss mit Too big to fail - or - Lip Service ?
Nachdem sich die Notenbanken entschlossen haben jede Bank zu retten, kann dies nur als Lippenbekenntnis betrachtet werden.
Der Theaterdonner zeigt aber die Ohnmächtigkeit der Geldhüter - mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen.
EZB-Chef Trichet: Nie wieder werden wir Haushaltszahlen akzeptieren, die nicht den Tatsachen entsprechen
Die EZB pumpte erst im Juli 2009 − 442 Mrd. Euro Liquidität in die Banken und weiß bis heute noch nicht genau, für was alles die einzelnen Staaten haften.
Re: perpetuum mobile
>Die EZB pumpte erst im Juli 2009 − 442 Mrd. Euro Liquidität in die Banken und weiß bis heute noch nicht genau, für was alles die einzelnen Staaten haften.<Gegen Sicherheiten, natürlich! Z.B. griechische Staatsanleihen.
D.h., der griechische Staat leiht Geld bei griechischen Banken, diese leihen Geld bei der EZB (Sicherheit: griechische Staatanleien), zum Fälligkeitstermin müssen die griechischen Banken bei der EZB glatt stellen und bekommen die Sicherheiten zurück. Das Spiel kann von vorne beginnen (solange die EZB griechische Staatsanleihen als Sicherheit akzeptiert bzw. akzeptieren muss) ...
P.S.: Die EZB akzeptierte als Sicherheit auch Lehman-Wertpapiere! Und blieb nach deren Pleite darauf sitzen (zu Lasten aller 16 Euro-Länder) ...
http://de.reuters.com/article/deEuroRpt/idDELQ85737020090226
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