11.02.2012 18:33 | Meine Presse Merkliste0

Israels Wirtschaft: Ein Wunder im eiligen Land

27.03.2010 | 18:19 |  von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Von Israels Wirtschaftsboom lässt sich einiges lernen. Zum Beispiel, wie man es in wenigen Jahren von der real existierenden Kibbuz-Ökonomie zum Hightech-Weltmeister schafft.

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Die einzige Konstante in meinem Leben ist der Nahostkonflikt“, seufzen Zeitgenossen gern, wenn es bei ihnen drunter und drüber geht. Tatsächlich macht der blutige Streit zwischen Israelis und Palästinensern zwar seit Jahrzehnten Schlagzeilen, aber geführt hat er zu nichts. Kriege, Intifadas, Hochmut der einen, Hass der anderen – ein Kreislauf der Gewalt, den wohl nur ein biblisches Wunder durchbrechen könnte. Doch jenseits von Sperranlagen, Klagemauer und Brettern vor den Köpfen gibt es ein anderes Israel, das auf ein Wunder nicht wartet, sondern es selbst bewirkt – zumindest ein Wirtschaftswunder. Übertönt vom Lärm der Katjuscha-Raketen, hat sich das kleine Land in wenigen Jahren zur Boomregion gemausert.

Auch im großen Krisenjahr 2009 ist die Wirtschaft leicht gewachsen, für heuer sind bis zu fünf Prozent geplant. Seit 2003 gibt es Handelsbilanzüberschüsse, der Schekel wurde zu einer harten Währung. Im Sommer wird das gelobte Ländchen in die OECD aufgenommen, den Club der reichen Industrienationen. Und das dürfte erst der Anfang sein. Denn in Rankings über Zukunftschancen steht Israel schon ganz oben. Die 7,5 Mio. Israelis bringen es auf mehr Nasdaq-Unternehmen als Europa, Japan, China und Indien zusammen. Sie schufen das weltweit dichteste Netz an Start-up-Firmen.

Ideen als Rohstoffe. Nirgends strömt Risikokapital kräftiger zu. Die Empfänger haben es eilig: „Wenn ein israelischer Unternehmer eine Idee hat, fängt er in derselben Woche an, sie umzusetzen“, heißt es unter Analysten. Zur Zeit liegt Israel beim BIP pro Kopf auf Platz 30. In zwei Jahrzehnten, so der Plan der Regierung Netanjahu, will man zu den zwölf reichsten Ländern gehören.

Dabei könnten die Voraussetzungen kaum ungünstiger sein. Palästina verfügt über keine Rohstoffe, sein Boden ist staubtrocken. Die Israelis sind umgeben von Feinden, die den Zugang zu regionalen Märkten boykottieren. Zehn Prozent des BIP fließen in die Verteidigung. Der Militärdienst hält junge Männer drei Jahre, Frauen zwei Jahre lang von Beruf oder Ausbildung fern. Tatsächlich steckte der Judenstaat noch in den 90er-Jahren in einem ökonomischen Schlamassel.

Zu ihm hatten freilich schon die osteuropäischen Siedler beigetragen. Sie schufen ein Umfeld, das so wirtschaftsfeindlich war, als hätte es ein leidenschaftlicher Antisemit ersonnen. Denn sie fühlten sich nicht nur von zionistischem Geist, sondern auch von korporatistischen Wirtschaftsidealen beseelt. Selbst die schlauesten Köpfe nahmen Schaufeln und Haken in die Hand, um im Kibbuz dem Gemeinwohl zu dienen. Fast ein Drittel der Unternehmen gehörte Histradut, der streikfreudigen Einheitsgewerkschaft.

Von der jeden Unternehmergeist abwürgenden Bürokratie wusste schon Ephraim Kishon ein Lied zu singen. Außer den dickhäutigen Jaffa-Orangen und Waffen hatten die Israelis den Weltmärkten wenig zu bieten. Einem hämischen Scherz zufolge konnte in Israel nur der ein kleines Vermögen machen, der mit einem großen gekommen war. Und Ökonom Milton Friedman spottete aus der US–Diaspora, seine Mitbrüder widerlegten das hartnäckigste Vorurteil, das es über die Juden gibt: dass sie schlaue Kaufleute seien.

Doch auch der heutige Erfolg fiel nicht wie Manna vom Himmel. Alles änderte sich in den 1990er-Jahren unter Führung des Likud – schnell, radikal, brutal. Staatsbetriebe und sogar das Pensionssystem wurden privatisiert, Steuern gesenkt, ein Finanzmarkt aufgebaut. Dazu kam großes Massel: Eine Million Juden aus dem Ex-Ostblock wanderten ein, und sie hatten vom Sozialismus endgültig die Nase voll.

Viel Geld für Forschung. Dafür waren sie oft bestens ausgebildete Ingenieure oder Programmierer. Der Technologieboom tat sein Übriges. Firmen schossen wie Pilze aus dem Boden – und überlebten die Dotcom-Krise, weil die Risikokapitalgeber weiter auf sie setzten. Der Staat nahm den Ball auf, übte sich in Deregulierung und steigerte den Anteil der Forschungsausgaben am BIP auf fünf Prozent, den weltweit höchsten Wert. Ein Fünftel aller Arbeitskräfte haben einen Universitätsabschluss. Zuwanderung wird seit jeher gefördert, das Land füllt sich mit initiativen, risikofreudigen Menschen.

Weil sie ihren Nachbarn nichts verkaufen können, machen sich die Israelis mit viel Chuzpe auf dem Weltmarkt breit. Aus Komponenten ihres hochgezüchten Waffenarsenals leiten sie Ideen für zivile Produkte ab. Ein Beispiel ist die PillCam: Aus der Mikroelektronik in Raketenspitzen wurde eine Minikamera in Tablettenform, die, einmal geschluckt, Fotos der Eingeweide des Patienten macht. Auch der allseits beliebte USB-Stick ist übrigens eine israelische Erfindung.

Nicht nur Milch und Honig. Im „Silicon Wadi“ bei Tel Aviv reihen sich Firmen für medizinische Geräte, Mikrochips, Biotechnologie, Bewässerung, Entsalzung und Spracherkennung aneinander. Der Pharmakonzern Teva, Weltmarktführer bei Generika, kaufte soeben den deutschen Konkurrenten Ratiopharm um 3,7 Mrd. Euro. Auch die US-Technologie- und Internetkonzerne sind längst da: IBM, Intel, Google, Ebay, Motorola. Sie gliedern nicht, wie in Asien, Callcenter oder IT-Abteilungen aus, sondern gründen echte Kompetenzzentren. Hier präsentiert sich das junge, weltoffene, säkulare Israel.

Doch nicht überall fließen Milch und Honig. Obwohl die Arbeitslosigkeit stark gesunken ist, haben die stürmische Entwicklung und die Turboreformen auch Modernisierungsverlierer produziert: Araber auf der einen, orthodoxe Juden auf der anderen Seite des religiösen Spektrums. In diesem Winter protestierten tausende Strenggläubige wütend und erfolglos vor dem Intel-Sitz in Jerusalem dagegen, dass dort auch am Sabbat gearbeitet wird.

Meist macht sich die Wut über die soziale Kluft aber in überzogenem Nationalismus Luft. Und die Palästinenser? Auch sie profitieren vom Boom, wenn sie nach Israel zur Arbeit pendeln – allerdings ohne jede Sicherheit, nicht schon morgen vor herabgelassenen Grenzbalken zu stehen. Ob als Schlüssel zu einem friedlichen Zusammenleben oder als Motiv frischen Hasses: Israels Boom wird wohl bald auch den Konflikt mit den Nachbarn dominieren. Manches ändert sich im Nahen Osten ja doch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2010)

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72 Kommentare
 
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Gast: fritztheaustrian1
02.04.2010 01:30
2 0

Wirtschaftswunder

Es ist sicherlich ganz grossartig was man dort tut, aber man vergisst, wissentlich oder unwissentlich, das die USA dem Staat Israel, seit Jahrzehnten $3 Milliarden Wirtschaftshilfe PLUS weitere Milliarden fuer Militaerhilfe, das soll 3% des Budgets ausmachen!!!!, KOSTENLOS zur Verfuegung stellt. Mit diesen gigantischen Geldspritzen kann man in einem kleinen Land wie Israel schon gewaltig viel machen

Gast: Mike-Düsseldorf
31.03.2010 22:19
0 0

So viel Neid!!

Der Artikel präsentiert Fakten über ein kleines Land, das andauernd unter Existenzbedrohung steht und dennoch selbst für uns Europäer ein Beispiel für Wirtschaftsmanagement (selbst) in Krisenzeiten.
Warum so neidisch sein? Vielleicht können wir auch was von Israel lernen?! Schließlich hat die Bundesrepublik zig Verträge und Abkommen mit Israel.
Und übrigens, was das "amerikanische Geld" betrifft: Israel erhält eine finanzielle Unterstützung von den USA in Höhe von 2 Mrd. US$ pro jahr. Bei einem Haushalt von 200 Mrd. macht es genau... 1 Prozent! Also bitte nicht übertreiben!

Die Statistik lügt nicht

Warum gibt es eigentlich keine muslimischen Nobelpreisträger ?

Antworten jhau
01.04.2010 19:22
0 0

Welche Statistik? - Aus welcher "Zeitung"?

Einige Beispiele:
Abdus-Salam, 1979, Physik
Ahmed Zewail, 1999, Chemie
Naguib Mahfouz, 1988, Literatur
Orhan Pamuk, 2006, Literatur
Anwar El-Sadat, 1978, Frieden
Yasser Arafat, 1994, Frieden
Shirin Ebadi, 2003, Frieden
Mohamed ElBaradei, 2005, Frieden
Muhammad Yunus, 2006, Frieden


Antworten Antworten Gast: moonsmile
27.04.2011 13:30
0 0

Re: Welche Statistik? - Aus welcher

Die Muslime besitzen nur drei Nobelpreistraeger, wenn man die Friedesnobelpreistrager abzieht. Israel hat mehr Nobelpreistraeger als alle arabischen Staaten zusammen Und die 20% Muslime haben noch nicht einmal 1% der Nobelpreistraeger die Juden (0,5) hingegen besitzen 25% und in meinen Bereichen gar 56% aller Nobelpreistraeger. Ausbildung waer die Loesung fuer die Muslime.

Antworten Antworten Gast: herr karl6
21.07.2010 22:34
0 0

Re: Welche Statistik? - Aus welcher

ziemlich viel frieden dabei...

0 0

man merkt richtig

wie die israelgegner leiden

unter dem erfolg israels.

wie damals .. als die unterschichtler unter den erfolgen einzelner j#den litten ... und deshalb wegen des eigenen versagens versuchten gleich alle j#den auszurotten.

ein grossteil der heutigen "israelkritiker" ist nichts anderes als anders bemalte j#denhasser.

Antworten Gast: Jiri
29.03.2010 11:18
1 0

Re: man merkt richtig

aber sicher doch

grinch
29.03.2010 00:08
7 1

Der Begriff Propaganda, ist im Zusammenhang mit diesem Artikel, mehr als schmeichelhaft.

Kann es sein,
dass diePresse nicht mehr genug Exemplare verkauft
und selbst die Werbezahlungen die Produktion nicht mehr aufrecht erhalten kann?!
Muss man sich schon derart billig verkaufen?!

Ein Teil des Artikels mag ja stimmen,
das Gesamtbild ist jedoch eine Schande.
Nur weiter so
und euch überholt auch noch die Heute-Zeitung.

0 1

Re: Der Begriff Propaganda, ist im Zusammenhang mit diesem Artikel, mehr als schmeichelhaft.

was nicht sein darf kann nicht sein oder?

israel ist in vielfacher hinsicht eine erfolgsgeschichte.

aber der artikel unterstellt schliesslich nicht dass alles in israel eitel wonne wäre.

Gast: gast
28.03.2010 19:26
3 2

unreflektierte rotstrichler

eine kritische auseinandersetzung wollen unsere rotstrichler nicht jeder der isral kritisiert ist ein antisemit die sind noch schlimmer als die kirche nur ihre meinung zält aber für einen sachlichen beitrag reichts nicht

0 0

Re: unreflektierte rotstrichler

schauns ihre wortwahl ist ja schon bezeichnend

wieso eigentlich immer "israelkritiker"?

wenn zb in frankreich etwas flasch läuft dann wird der jeweilige politiker
oder unternehmer .. oder partei oder sonstwas kritisiert.

wie in jedem anderen staat dieser welt auch.

wenn es ernsthafte probleme in polen gibt. meint niemand man müsste polen vielleicht "auflösen" oder "verlegen"

wenn es in russland probleme gibt wünscht man auch nicht russland dass alle nachbarn es vielleicht doch unter sich aufteilen ..

aber die israelkritiker tun genau das. und zwar aus einem einzigen grunde .. sie hassen israel und sie hassen die j#den.

ehrliche kritik an dingen IN israel .. sieht völlig anders aus.

Antworten Gast: gast
28.03.2010 19:40
1 1

Mit "Israelkritikern" kann man nicht sachlich diskutieren.

Wer der Hamas im Dschihad gegen Israel den Rücken stärkt, verdient keinen "sachlichen Beitrag".

Er ist der Feind.

Aus.

Gast: Fidel Gastro
28.03.2010 15:24
9 20

Was für ein Schwachsinn-Artikel!

Mit dem Geld, das Israel regelmäßig von den USA und der ganzen Welt als Tribut-Zahlung erhält, könnte sogar Bangladesh zum reichsten Land der Welt werden!

Antworten Gast: pour le mèrite
28.03.2010 16:49
2 0

Re: Was für ein Schwachsinn-Artikel!

Ganz genau so ist es mit den größten Schnorrern der östlichen Milchstrasse.

Hier reden wir nicht von 6 Millionen, sondern von 6 Billionen.

0 1

Re: Re: Was für ein Schwachsinn-Artikel!

sie meinen wohl 6 Milliarden (billion ist das USAmerikan. Wort für Milliarde).
Das ist neppich gegen die wirklichen Billionen, die schon Ö alleine schuldet!

Antworten Gast: Fidel Gastro
28.03.2010 16:34
1 2

Re: Was für ein Schwachsinn-Artikel!

Begriffspräzisierung ist notwendig.

"Tribut" bedeutet laut Wikipedia:

"Der Ausdruck Tribut (maskulinum, v. lat.: tributum = Beitrag, Abgabe, Steuer) bezeichnet einen Teil des Vermögens, das eine Person einer anderen als Anerkennung gibt, oder, wie häufig in der Geschichte, zum Zeichen der Unterwerfung oder der Vasallentreue.
Verschiedene antike Staaten forderten Tribut von den Gebieten, die sie erobert bzw. bedroht hatten. Im Falle von Bündnissen gab die schwächere Partei der stärkeren Partei den Tribut als Zeichen der Untertanentreue und für die Finanzierung bestimmter Projekte – normalerweise dem Militär. Der Begriff kann auch auf religiöse Abgaben angewendet werden, für den Tempeldienst oder andere Heiligtümer."

15 4

Re: Was für ein Schwachsinn-Artikel!

Schwachsinnig ist ihr Artikel.
Vergleiche einfach, was I. mit seinem relativ wenigen Geld + toter Grenzen gegenüber den stinkreichen arab. Ölstaaten vermag bzw. was die P. mit den EU-Förderungen so alles an Blödheiten abliefern!
Abgesehen davon: einfach nur Geld reinpumpen kann auch kontraproduktiv sein (siehe Spanien, siehe Portugal, siehe GR)

Antworten Antworten jhau
28.03.2010 17:50
1 1

Israel mit seinem "relativ" wenigen Geld

Total U.S. aid to Israel is approximately one-third of the American foreign-aid budget, even though Israel comprises just .001 percent of the world's population and already has one of the world's higher per capita incomes.

http://www.wrmea.com/us_aid_to_israel/index.htm

... einfach nur Geld reinpumpen kann auch kontraproduktiv sein - wie wahr!

0 6

Re: Israel mit seinem

das sind ganz normale Staatsschulden wie es jedes Land macht (Ö übrigens auch NO NA NET)

Antworten Antworten Gast: Fidel Gastro
28.03.2010 16:39
1 0

Re: Re: Was für ein Schwachsinn-Artikel!

Wie gut, dass Die Presse die IP-Adressen aller Kommentareingänge routine-mäßig speichert - kann auch auf alten gelöschten Backup-Festplatten alles haarklein wieder hergestellt werden. Ist wichtig für "später" ...

;-)

Gast: Eurrora
28.03.2010 14:50
9 9

Es gibt keine Wunder.

Viele Länder jedes Jahr ,brav nach Israel und vergesst nicht auf die zusätzlichen U-Boot Geschenke der Germanen.

2 1

Witschaftswunder durch U-Boote?

untertauchen damit die I. die P. Fischer und schnappen denen die Fischschwärme weg?

6 0

"Krieg, Handel und Piraterie, // Dreieinig sind sie, nicht zu trennen." - Johann Wolfgang von Goethe,

8 5

Re:

nicht alles, was ein großer Geist gesagt hat, wäre würdig für die Nachwelt erhalten zu werden!

Goethe war offensichtlich kein großer Ökonom (Handel, Piraterie und Krieg alas dreieing zu bezeichnen -plemplem)

4 0

Re: Re:

"Hunderte von amerikanischen Vermögen datieren aus dem amerikanischen Bürgerkrieg und tausende Vermögen aus dem ersten Weltkrieg. Niemand kann leugnen, daß Kriege ein gutes Geschäft sind für diejenigen, die diese Art Geld lieben." - Henry Ford

 
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