IWF beginnt Arbeit in Griechenland

15.04.2010 | 18:28 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Währungsfonds wird für Hilfspaket von Athen 3,26 Prozent Zinsen verlangen. Über den tatsächlichen Gesamtbetrag wird vor allem in Brüssel und Berlin wild spekuliert.

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BRÜSSEL. Die Eurozone ist nur mehr einen Brief davon entfernt, erstmals in ihrer Geschichte eines ihrer Mitglieder vom Internationalen Währungsfonds (IWF) vor der Zahlungsunfähigkeit retten zu lassen. „Unser Team kommt am Montag in Athen an, um die Verhandlungen mit der griechischen Regierung zu beginnen“, sagte Caroline Atkinson, die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des IWF, am Donnerstag in Washington.

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Sie hielt aber fest, dass Griechenland nicht um Kredit gebeten habe, sondern nur um den Beginn von Verhandlungen über die Bedingungen eines Darlehens vom IWF. „Wir hatten kein Ansuchen um finanzielle Hilfe. Aber wir sind jederzeit bereit zu helfen. Es geht jetzt um zwei Schlüsselelemente: den Betrag der benötigten Finanzierung und die erforderlichen Politiken“, welche die griechische Regierung im Gegenzug als Bedingung für die Gewährung der Budgethilfe umsetzen muss. Auch das griechische Finanzministerium erklärte in einer Aussendung, nur um den Beginn der Verhandlungen, nicht aber um Geld angesucht zu haben.

 

30 Mrd. Euro von Euroländern

Atkinson nannte auch die Zinssätze, die Athen für IWF-Darlehen zahlen muss. „Für einen Betrag von bis zu drei Mrd. Euro würde ein Zinssatz von 1,26 Prozent anfallen. Darüber wären es 3,26 Prozent.“ Tatsächlich wird der Anteil des IWF an einem eventuellen Paket aus bilateralen Krediten der anderen 15 Euroländer und des IWF deutlich mehr als drei Mrd. Euro betragen. Über den Gesamtbetrag wird vor allem in Brüssel und Berlin wild spekuliert. Vergangenen Sonntag hatten sich die Finanzminister der Eurozone geeinigt, im ersten von drei Jahren eines solchen Einsatzes selbst bis zu 30 Mrd. Euro zu einem Zinssatz von rund fünf Prozent beizutragen.

Der IWF-Anteil dürfte, nachdem die Europäer etwa drei Viertel des Gesamtbeitrags beisteuern wollen, ungefähr zehn Mrd. Euro betragen. Atkinson wollte sich nicht auf Zahlenspiele einlassen. „Wir sind nicht in der Lage, einen Betrag anzugeben, der erforderlich ist. Das wird sich klären, wenn die Verhandlungen voranschreiten.“ Auch einen Zeitrahmen für den Abschluss der Verhandlungen, die in Abstimmung mit der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank geführt würden, gab sie nicht an.

Somit hat der IWF die Führungsrolle bei der Unterstützung Griechenlands in der Aufgabe, die Neuverschuldung von knapp zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung binnen drei Jahren unter drei Prozent zu drücken. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute begrüßen das. Sie fordern in ihrer am Donnerstag veröffentlichen Gemeinschaftsdiagnose des Zustands der Weltwirtschaft die Führungsrolle des IWF, „um die Funktionsfähigkeit der Währungsunion nicht weiter zu beschädigen“.

 

Deutscher Rüffel für Kommission

Im selben Atemzug kanzeln die Ökonomen in ihrer im Auftrag des Berliner Wirtschaftsministeriums erstellten Diagnose die Kommission ab. Der Internationale Währungsfonds könne „glaubwürdiger als eine EU-Einrichtung drohen, dass Finanzhilfen bei Nichtbefolgung von Auflagen nicht erfolgen. Über die Jahre wurde deutlich, dass die Europäische Kommission nicht in der Lage ist, die Einhaltung der Regeln durchzusetzen“, heißt es in der Diagnose.

Sollte Athen um die Aktivierung des Programms ansuchen, droht Ungemach aus Deutschland. Denn erstens besteht Finanzminister Wolfgang Schäuble darauf, dass der Bundestag über die Freigabe des deutschen Löwenanteils von 8,4 Mrd. Euro abstimmt. Ob das nötig ist, ist strittig, weil Deutschland streng genommen keinen Kredit an Athen vergeben würde, sondern Bürgschaften für Kredite der staatlichen Bank KfW.

Zweitens droht der Tübinger Ökonom Joachim Starbatty damit, gegen dieses Paket vor das deutsche Verfassungsgericht ziehen zu wollen, weil er es für eine verbotene Form der Subventionierung innerhalb der Eurozone hält.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2010)

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21 Kommentare
Gast: tourist
21.04.2010 14:12
0 0

Teure U-Boote für die Griechen!


Teure U-Boote für die Griechen!

Die Rüstungseinkäufe der Griechen haben eine wichtige
Rolle bei den Kredit-Verhandlungen mit der EU gespielt.
ERGEBNIS: Der Pleite Staat bestellt sechs Kriegs U-Boote
und Fregatten bei den Deutschen und Franzosen!!

Die Pleite-Griechen rüsten auf: Armee will Eurofighter kaufen!
Schulden von 300 Milliarden Euro, nur eine Handbreit vom Staatsbankrott entfernt – aber einer der größten Waffenkäufer in der Europäischen Union!
Boom

Gast: Vergelter-Spiritualist
16.04.2010 09:33
0 0

Kommende Wahlen

Das ist das Größte, das es je gegeben hat: Die Zahl der Globalisierungsgegner in den USA ist in nur einem Jahr um 240 % gestiegen! Siehe dazu den Jahresbericht 2009 des "Southern Poverty Law Centers".

Auch bei der Wahl in Großbritannien am 6. Mai werden Globalisierungsgegner und Antikapitalisten enorme Stimmengewinne erzielen. Bereits bei der Europawahl 2009 haben EU-Kritiker beachtliche Zugewinne erzielt.

Dann wird bald das kapitalistische Wirtschaftssystem durch ein ökologisches Wirtschaftssystem ersetzt. Z. B. wird der Euro durch regionale Gelder ersetzt. Wichtig ist, dass diese Gelder eine Umlaufgebühr haben, die der zerstörerischen Wirkung von Zinsen entgegenwirkt. Siehe dazu
www.chiemgauer.info/


Gast: Karl
15.04.2010 18:31
0 0

Zahlen tut meistens der kleine?

Wisst ihr eigentlich wie dumm ihr seid da da machen die Politiker Schulden und erhöhen die Steuern damit sie die Zinsdienst bereinigen können im Namen der sozialen Gerechtigkeit.Ist doch egal welcher Staat dise Gauner oder Verbrecher sollten die schulden selber zahlen bin froh das ich keine Kinder habe und mein Haus verkauft habe vor Jahren da kann ich wenigstens jederzeit auswandern eure Kinder und die Frauen haben es eh also solange wie möglich ausnützten.

Gast: Baldur
15.04.2010 18:02
1 0

Wollen die Griechen gar die EU und den IWF erpressen?

Nach dem Motto:

Ihr werdet unsere Schulden zahlen bis zum St.Nimmerleinstag,

oder wir steigen aus dem Euro aus und ihr könnt euch dann die EU Diktatur sonst wo hin stecken.

Das wär ja ein Ding!

Antworten Gast: El Capitan
15.04.2010 18:39
0 1

Re: Wollen die Griechen gar die EU und den IWF erpressen?

Für die jenigen, die es (noch) nicht verstanden haben: Das ist der 1. Schritt um den Hilfemechanismus von EU und IWF im Gang zu setzen. Und weil Herr Trichet den IWF nicht haben will, ist er auch eingeladen. Und... keine Angst: Die Griechen werden ihre Schulden zurück zahlen, allerdings wird dieser Prozess mehrere Generationen dauern.

Re: Re: Wollen die Griechen gar die EU und den IWF erpressen?

Aha und woher weißt du wie es nach mehreren Generationen aussehen wird, bist du Hellseher?

1 0

Staatsschulden, die bezahlt werden?

Im derzeitigen System extrem unwahrscheinlich...
http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/bankrott.html

Gast: zahlemann
15.04.2010 17:48
1 0

Wir sind Idioten...

Wir Österreicher...
+ zahlen bei einem Kredit für Griechenland mit, weiters bald für Italien, Spanien, Portugal und GB
+ fangen zu sparen an und denken an Steuerpakete, anstatt noch mehr Schulden zu machen und zu verbauen, und das gleiche wie die Griechen zu machen ==> auf der faulen Haut liegen und zahlen lassen.
+ freuen uns über osteuropäische Beitrittsländer, welche uns Hab und Gut abnehmen und als Nettoempfänger zusätzliches Körberlgeld geben
+ lassen uns über die "Gruppenbesteuerung" Geld von großen Konzernen abknöpfen bei denen wir weder das Zustandekommen der Auslandsbilanzen und Scheinfirmen kontrollieren könnnen.
+ können bei der Wahl zum Bundespräsidenten und Nationalratswahlen zwischen Cholera, Pest und anderen Krankheiten wählen
+ buckeln uns für die Einhaltung von Förderrichtlinien der EU ab und kontrollieren diese auch noch auf Punkt und Beistrich, vernadern uns selber, anstatt das EU-Geld einfach einzukassieren und zusammenzuhalten gegenüber dem Wasserkopf Brüssel
+ ratifizieren einen Vertrag der uns als kleines Land nur Nachteile bringt, da wir von der Mehrheit überstimmt werden können.
+ können nur darauf warten, dass bald Gentechnisch veränderte Pflanzen einwandern
+ kaufen uns Gründe in Ungarn, warten dass diese im Wert steigen und wollen Sie als "externe Äcker" nutzen, und werden bald zwangsenteignet.
+ werden uns noch wundern welche politische-religiöse Wendung dieses Land noch mitmachen wird, und dann Gnade uns Gott, uns allen..

Antworten Gast: heidelbeere
17.04.2010 01:05
0 0

Re: Wir sind Idioten...

Gratulation! Sie haben es auf den Punkt gebracht. Eswerden sich viele Leute noch wundern, wenn dann so richtig die Post abgeht

Ich finde es gut und amüsant!

Griechenland diktiert, wie die EU und IWF zu bezahlen haben! So muss man gegenüber den Mitteleuropaern handeln. Denn sie verstehen nur diese Sprache!
Wenn sie auf die Fundamente der griechischen Kultur sitzen, müssen sie wohl dafür belechen!

Das habe ich vor einem halben Jahr hier gepostet:


Man muss dem Herrgott auf Knieen danken dass Österreich in der EU ist!

Man stelle sich vor was Faymann, Pröll, Strache, Glawischnig und Co.-Kasperln aus Österreich machen würden wenn es nicht die strengen Regeln der EU gäbe.

Wir wären ohne EU bald das rückständigste und verschuldetste Land in Europa und spätestens jetzt würde uns genauso wie Island der Staatsbankrott drohen.

Allein für die Abschaffung der Narrenfreiheit für österreichs Politiker muss man der EU auf Ewig dankbar sein!

Zu fürchten ist nur dass EU und EZB irgendwann von den eigenen Regeln abrücken. Denn überall dort wo die EU von ihren eigenen Prinzipien abweicht baut sie Mist. Beispiele gefällig?

1. Griechenland war seit anbeginn NIEMALS reif für den EURO. Es wurden massiv gefälschte Daten an die EU gemeldet und die EU hat WISSEND beide Augen zugedrückt. Heute hängt Griechenland nur mehr am EU Topf und macht wenig eigenständige Fortschritte.

2. Rumänien-Bulgarien-Beitritt: Hier hat man wiederum Beitrittskapitel abgeschlossen, wohlwissend dass die Bewerber die Kriterien (Korruption, Förderungskontrolle, Justiz, Verbrechensbekämpfung...) NICHT erfüllt haben. Political correctness, die uns nachhaltig schadet.

3. Durch das laute "Die EU muss wärmer und sozialer werden" Geschrei allerorten kommen solch abstruse Ideen wie die gezielte Aufnahme und Verteilung zusätzlicher Asy lanten bis in den EU-Rat (!), bevor sie hoffentlich abgewürgt werden können.

Es bleibt also zu hoffen dass man bei den Euro-Kriterien standhaft bleibt.

*************

Mittlerweile ist ein halbes Jahr vergangen und meine EU-Befürwortung hat sich merklich abgekühlt.

Antworten Gast: Lampe
15.04.2010 21:29
1 0

Re: Das habe ich vor einem halben Jahr hier gepostet:

Da sind wir schon zwei.
Mir tut nur leid, dass hier eine einmalige Gelegenheit versaeumt wurde und wird, etwas Grosses zu schaffen. Aber das kommt von der negativen Auslese. Wenn die Verlierer und Unfaehigen immer hinaufversetzt und in die EU abgeschoben werden, kann ja nichts positives herauskommen.

das Bild passt bestens:

"keine Eulen nach Athen tragen"

denn

"an Eulen wird es nie mangeln"

die Griechen sprechen den Euro EVro aus und nennen - in Anlehnung ihrer früheren Währung - den Cent Lepta

Extrawürste und Sonderbehandlung: wer kann, der kann; auch wenn er nicht kann

Neue Steuern in Österreich, damit "unsere" Griechen ein Jahr weiter in der Hängematte kuscheln können


Gast: ET
15.04.2010 15:47
3 0

Griechenland ist Bankrott!

Das ist die Wahrheit. Griechenland kann die Schulden nie wieder tilgen. Griechenland wird die Schulden auch nicht stabilisieren können. Griechenlands Staatlichkeit geht die Finanzierung des eigenen Wahnsinns verloren.

Nach dem CIA World Facr Book:
revenues: $108.7 billion
expenditures: $145.2 billion (2009 est.)

Die haben also um 40% mehr Ausgaben als Einnahmen. Wenn diese Lücke geschlossen werden soll, dann gibt es Bürgerkrieg. Von der Bevölkerung aus der Realwirtschaft lassen sich diese Summe nie holen, die sind doch schon ausgeraubt und haben die Schnauz voll.

Das Thema nur auf die EU, die EZB und den IWF umwälzen zu wollen, wenn auch erstmal nur auf "Gesprächsebene", ist eine Frechheit. Die Räuber, welche das eigene Land ausgeraubt haben, erdreisten sich nun zu Erpressung.

Diese Kritiker als Österreicher zu veröffentlichen ist eigentlich nicht angebracht. Die Österreichische Politik ist am selben Weg wie Griechen und macht die selben Fehler. Auch Österreich erstickt an den Kosten der Poltik und den geschützten Bereichen. Auch in Österreich hat das Volk die Schnauze voll von diesen unterträglichen Vorgängen. Es sind aber nicht alle Österreicher dafür verantwortlich. Es sind die degenerierten und unerträglichen Poltiker und Beamten.

Es ist nur wenig Trost, wenn man feststellen muss, dass die ganze Welt pleite ist.

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Re: Griechenland ist Bankrott!


>>Es ist nur wenig Trost, wenn man feststellen muss, dass die ganze Welt pleite ist.<<

Die ganze Welt kann nicht pleite sein!

Denn den Passivas dieser Welt stehen spiegelgleich Aktivas gegenüber!

Aber wer sind all diese Aktiva-Halter der Welt?

Antworten Antworten Gast: ET
15.04.2010 17:14
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Re: Re: Griechenland ist Bankrott!

Im globalen Finanzwesen ist das aber nicht wie bei einer Bilanz. Es scheint fast als wären nur noch Passiva da, die Aktiva sind aber flöten gegangen.

Kann das daran liegen, dass die Geldmenge so dramatisch ausgeweitet wurde?

www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/download/zeitreihen/ZR013.xls

Ich glaube in diesem Fall sind die Aktiva teilweise eine Illusion.

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Re: Re: Re: Griechenland ist Bankrott!


Wenn die Aktiva eine Illusion sind, für was und an wen bezahlen wir dann die Zinsen?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: ET
15.04.2010 22:38
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Re: Re: Re: Re: Griechenland ist Bankrott!

Die Zinsen dienen dazu der viel zu grossen Finazwirtschaft die laufenden Kosten zu decken.

Interessanter wäre bei meiner theoretischen Betrachtung aber auch die Passiva Seite. Wenn die Aktiva nur Illusion sind, dann muss auf der Passiva auch was Illusion sein, sonst bringen wir ja keine korrekte Bilanz zusammen. In den Moment auf der Vermögensseite abgewertet werden muss, schrumpft auch die Finanzierungsseite.

Bösartig betrachtet würden bei dieser Theorie die Banken also Zinsen von nicht existierenden Werten kassieren. Funktioniert aber super.

Gast: pour le mèrite
15.04.2010 15:40
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Wer lesen kann, ist im Vorteil, deshalb ein Artikel aus der FAZ::

"Geschichte eines Staatsbankrotts"
Von Korinna Schönhärl

http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~E0C7812FA412F4E82A51C4396098C122E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Gast: menger
15.04.2010 15:35
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banka rotta

alles geschwafel, es handelt sich de facto um die bankrott erklaerung griechendlands.

mfg

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