„Das Rettungspaket hilft dem Euro nicht“

Die Krise des Euro wird die Franken-Kreditnehmer derzeit schlecht schlafen lassen. Der Kurs des Schweizer Franken hat gegenüber dem Euro allein seit Jahresbeginn um sieben Prozent zugenommen.

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(c) EPA (KARL-JOSEF HILDENBRAND)

wien. Das bedeutet, dass sich seither auch die Kreditschuld erhöht hat. Geht es nach Investmentmanager Michael Kuen, der auf Währungs- und Zinsentwicklungen spezialisiert ist, müssen die Franken-Kreditnehmer mit weiteren (Buch-)Kursverlusten bei ihren Fremdwährungsdarlehen rechnen.

„Die Presse“: Der Euro verliert gegenüber dem Schweizer Franken drastisch an Wert. Das macht die Franken-Kreditnehmer nervös.

Michael Kuen: Zu Recht. Der Euro wird gegenüber dem Franken unter Druck bleiben. Kein Investor außerhalb von Europa will derzeit langfristig in den Euro gehen. Die Anleger wissen, dass es die Schweiz und den Franken noch sehr lange geben wird. Bei der Eurozone ist dagegen nicht sicher, welche Länder ihr in Zukunft angehören werden.

 

Die Schweiz ist stark exportorientiert und hat somit langfristig kein Interesse an einem starken Franken. Das würde nämlich die Exporte in den Euroraum teuer machen.

Kuen: Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat seit Jahresbeginn ohnehin massiv mit Stützungskäufen interveniert, um den Franken schwach zu halten. Die SNB hat aber die Wucht der Eurokrise unterschätzt: Als sie die Stützungskäufe kurz ausgesetzt hat, ist der Franken sofort wieder in die Höhe geschnellt.

 

Wird die SNB noch lange fähig sein, den Franken schwächer zu halten?

Kuen: Theoretisch schon, praktisch nicht. Die SNB befindet sich in einer Zwickmühle. Mit den Interventionen erhöht sie die Geldmenge in Franken. Das kann längerfristig inflationär wirken. Die Schweiz hat aber bereits eine Inflationsrate von 1,4 Prozent. Die SNB kann also nicht mit dem Argument einer drohenden Deflation intervenieren. Ich würde daher nicht darauf setzen, dass der Franken bald schwächer wird, auf die heimischen Franken-Kreditnehmer werden daher schlaflose Nächte zukommen.

 

Hilft dem Euro der 750 Milliarden Euro schwere Schutzschirm, der marode Euroländer vor dem Bankrott bewahren soll?

Kuen: Die Eurozone und die Europäische Zentralbank (EZB) haben zumindest ein Zeichen gesetzt, sich vom Markt nicht auseinandertreiben zu lassen. Das Milliarden-Rettungspaket hilft zwar kurzfristig den Besitzern von Staatsanleihen (etwa den Banken, Anm.), aber nicht dem Euro.

 

Der Kern des Problems ist eine Schuldenkrise. Sind die Euroländer fähig, dieses Problem zu lösen?

Kuen: Die Euroländer machen jetzt noch mehr Schulden, um die Schuldenkrise zu bekämpfen. Der Euro befindet sich bereits in einem „Endgame“. Die EZB hat seit vergangenem Wochenende eine Grenze überschritten. Sie kauft nun Anleihen ihrer Mitgliedsländer auf. Das heißt, sie wird in Zukunft diese Anleihen in den Büchern haben und somit abhängig vom Finanzgebaren dieser Länder sein. Die Deutschen sind mit dieser Maßnahme gar nicht zufrieden und ich befürchte, dass sie aus der Eurozone ausscheren könnten. Damit der Euro mit Deutschland als Mitgliedsland überlebt, müssen daher weitere fundamentale Maßnahmen getroffen werden.

Welche Maßnahmen?

Kuen: Es ist eine Harmonisierung der Euroländer notwendig. Einerseits müssen sie ihre Fiskalhoheit teilweise aufgeben und sich einer europäischen Behörde – das könnte die EZB sein – unterwerfen. Diese Behörde hat Einblick in die Bilanzen und kann Sanktionen zwingend erlassen. Andererseits ist eine wirtschaftliche Harmonisierung notwendig, um den Euro am Leben zu erhalten.

 

Was meinen Sie damit?

Kuen: Deutschland hat die Zeit im Euro genützt, um sich wettbewerbsfähiger zu machen. Andere Staaten wie Spanien, Portugal oder Griechenland haben sich auf der soliden Währung und den tiefen Zinsen ausgeruht. Die haben einfach nur Geld ausgegeben, da sie sowieso wieder billiges von den Märkten (über Anleihen) bekommen haben. Diese angeschlagenen Länder müssen wirtschaftlich wieder aufholen.

 

Sie können das aber nicht mehr wie früher durch die Abwertung der eigenen Landeswährung machen.

Kuen: Sie können nur wettbewerbsfähiger durch eine Deflationierung werden. Also die Löhne runterschrauben, um die Produkte billiger zu machen. Zudem müssen massive Einsparungen im öffentlichen Sektor und im Pensionssystem vorgenommen werden. Das ist politisch nur sehr schwer durchzusetzen, wie man aktuell an den Protesten in Griechenland sieht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2010)

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