Sachwerte schlagen „Papier“-Vermögen

21.05.2010 | 18:53 |  JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Wer sich gegen hohe Teuerung schützen will, hat dazu noch ein bisschen Zeit. Es schadet aber nicht, sich schon jetzt Gedanken zu machen, wie man sein Erspartes im Fall des Falles ins Trockene bringt.

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wien. Zuerst die gute Nachricht: Wer eine Megainflation fürchtet, hat noch ein wenig Zeit, sich seine persönliche Anti-Inflations-Strategie zu überlegen. In naher Zukunft, solange die Wirtschaft noch schwächelt, werden die Industrieländer trotz jetzt schon intensiven „Gelddruckens“ eher gegen das Gegenteil ankämpfen.

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In zwei, drei Jahren wird es aber wahrscheinlich ernst: In der Krise sind die Märkte mit Liquidität geflutet worden. Und für die Staaten wird die Versuchung groß werden, ihre auf normalem Weg nicht mehr bewältigbaren Schulden ein bisschen „wegzuinflationieren“. Dass die EZB gebetsmühlenartig auf ihr striktes Inflationsziel verweist, heißt noch gar nichts: Die Euro-Notenbank hat bis vorige Woche auch kategorisch ausgeschlossen, Staatsanleihen aufzukaufen (und damit die Notenpresse direkt in Gang zu setzen). Und jetzt tut sie es.

Experten erwarten, dass es ein paar Jahre lang zu erhöhten Inflationsraten von fünf Prozent aufwärts kommen wird. Die Gefahr, dass sich die Preise verselbstständigen und dann wirklich unangenehme Dimensionen erreichen, wird aber nicht ausgeschlossen.

Man sollte sich also in Ruhe Gedanken darüber machen, wie man sein Vermögen im Fall des Falles vor Entwertung schützt. Als Faustregel gilt: Ungeeignet ist bedrucktes Papier, das nur auf Rückzahlungsversprechungen beruht. Also Bargeld, Spareinlagen, Lebensversicherungen, Anleihen. Guten Schutz bieten Sachwerte, also beispielsweise Immobilien, Rohstoffe, Edelmetalle und – mit Einschränkungen – Aktien. Im Folgenden die Vorzüge und Nachteile der wichtigsten Anlagen.

 

1Immobilien bieten doppelten Schutz

Eine Wohnung oder ein Haus lässt sich nach der Krise wieder zu Geld machen. Und bietet bei Vermietung während der Krise laufend inflationsgeschützte Mieteinnahmen. Allerdings: Die Lage ist alles. Die begehrte Kleinwohnung in Zentrumsnähe ist also unter Anlagegesichtspunkten eindeutig besser als das beeindruckende, aber nur schwer vermiet- und verwertbare Zweithaus in der „Pampa“. Und: In guten Lagen sind die Wohnungspreise schon sehr hoch. Zudem cashen die Anbieter von Vorsorgewohnungsmodellen ganz ordentlich mit Vermittlungs- und Beratungsspesen ab. Wer es sich zutraut, ist also häufig besser dran, wenn er eine normale Eigentumswohnung kauft und selbst verwaltet. Ein Kauf mit Kredit ist zweischneidig: Theoretisch entwertet hohe Inflation natürlich auch Schulden, die Banken reagieren auf Teuerung aber sehr schnell mit sehr hohen Zinsen. Wichtig: Nur echte Immobilien schützen, Immo-Aktien sind „Papiergeld“ mit Emittentenrisiko.

 

 

2Gold und Silber: Die Inflationsklassiker

Wer Gold im Portefeuille hat, wird die Krise wahrscheinlich gut überstehen. Das Edelmetall, das hohen Inflationsschutz bietet, hat aber auch gravierende Nachteile: Es trägt keine Zinsen, die Lagerung ist – wenn man nicht so dumm ist, Barren und Münzen zu Hause zu verstecken – teuer, und der Preis fluktuiert stark. Geld, das man kurzfristig brauchen könnte, sollte man also eher nicht in Gold stecken. Derzeit löst sich gerade wieder eine kleine Goldpreisblase auf. Auch bei Edelmetallen gilt: Kurzfristig kann man mit Gold-Zertifikaten, Minenaktien und Ähnlichem prächtig spekulieren, mittelfristigen Schutz bietet aber nur physisches Gold.

 

 

3Auch Aktien sind Sachwerte – ein bisschen

Aktienkurse leiden unter Inflation, aber sie verbriefen Beteiligungen an Unternehmen und sind deshalb Sachwerte. Aktionäre sind langfristig wesentlich besser durch Wirtschaftskrisen mit Inflationsschüben gekommen als Anleihenbesitzer oder Sparer. Freilich: Man braucht unter Umständen einen langen finanziellen Atem. Und es muss sichergestellt sein, dass das Unternehmen die Krise auch überlebt. Es kommen also nur erstklassige Blue Chips infrage.

 

 

4Anleihen sind klassische Inflationsopfer

Staatsanleihen gelten als sicher. Aber in Zeiten erhöhter Inflation sind sie – auch ganz ohne Staatsbankrott, der sie wertlos machen würde – Kapitalvernichter. Derzeit rentieren Staatsanleihen von „guten“ Euro-Ländern so zwischen drei und vier Prozent, davon geht noch die Kapitalertragsteuer ab. Da bedarf es keiner großen Preissteigerungen, bis das Ganze ein Verlustgeschäft wird. Die Schuldensituation könnte im schlimmsten Fall auch in Euro-Ländern zu Umschuldungen führen – der Super-GAU für Anleihenzeichner.

 

 

5Lebensversicherungen bieten keinen Schutz

Er- und Ablebensversicherungen als reine Geldanlage sind schon in guten Zeiten ein unglaublich schlechtes Geschäft. Vor allem für jene, die gut genug verdienen, um um den Genuss der steuerlichen Absetzbarkeit umzufallen. In Zeiten hoher Inflation sind sie klassische Kapitalvernichtungskonstruktionen. Allerdings: Wer vorzeitig aussteigen will, sollte sich das gut überlegen – und genau durchrechnen. In den allermeisten Fällen wird man in diesem Fall nicht einmal die eingezahlten Prämien zurückbekommen. Außerdem muss nachversteuert werden. Man sitzt also in der Mausefalle – und kann nur hoffen, dass die Versicherungsgesellschaft überlebt. Dasselbe gilt sinngemäß auch für Pensionsversicherungen.

 

 

6Geldverbrennung mit Bargeld und Sparbuch

Besitzer von Bargeld und Spareinlagen sind die, die eine Entschuldung per Inflation (gemeinsam mit den Staatsanleihenzeichnern) bezahlen: Sparzinsen steigen in der Inflation normalerweise zwar. Aber immer verzögert und viel schwächer als die Teuerung. Die Entwertung geht da rasant: Bei einer Inflation von sechs, sieben Prozent ist das Vermögen schon nach ein paar Jahren real halbiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2010)

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7 Kommentare
Gast: gepoppter
25.05.2010 09:21
0

Der Schwachsinn.

Jetzt geistern durch die Gazetten 750 Milliarden. So, als wären sie bereits ausbezahlt. Es handelt sich wie bei jedem Unternehmen um einen Kreditrahmen. Es heißt noch lange nicht, daß die Kredite auch vergeben werden, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreditwerbers verschlechter. Wäre ja auch blöd, einem Marodeur noch Geld nachzuwerfen. Also ist das Geschwafel um die 750 Milliarden wohl nur eine Krücke für die einfallslosen Journalisten. Es gäbe viele interessante Themen, über die unsere Fachjournalisten berichten könnten. Könnten. Wenn sie könnten.

Gast: kkw
24.05.2010 22:06
0

Problem bei all dem...

... ist, wenn man anfängt zu kaufen, wenn auch die anderen genau denselben Gedanken hatten. Dann kauft man sich beizeiten eine überteuerte Wohnung oder überteuertes Gold.

Gast: leser
23.05.2010 21:56
0

wastunbeiinflation

Es stimmt nicht, dass festverzinsliche Anlagen durch die Inflation vernichtet wird, da ja dann auch die Zinsen steigen. Man setzt Kurzläufer und Floater ein.

Gast: Beobachter
22.05.2010 17:35
0

Die Banken reagieren auf Teuerung sehr schnell mit hohen Zinsen

Im Anstieg der Zinsen sehe ich kein Problem, da man der Finanzierung der Eigentumswohnung am besten einen Kredit oder ein Darlehen mit fixen Zinsen zugrunde legen kann. Der Markt bietet da verschiedene Laufzeiten von Fixzinsen an. In der Regel sollte man wenn das Zinssatzniveau sehr niedrig ist (ist jetzt der Fall) und die Aufschläge für längere Laufzeiten nicht allzu groß sind sich auf längere Fixzinslaufzeiten einlassen. Damit ist die finanzierte Eigentumswohnung in der Vermietung wesentlich besser kalkulierbar. Eine andere Finanzierungsvariante wäre natürlich eine Finanzierung über ein Bausparkassendarlehen wo es separate Bestimmungen gibt, aber deren Zinssatz in der Regel auch nach oben limitiert sind. Das steigende Zinssatzniveau von dem hier im Artikel gesprochen wird bezieht sich immer auf neu abzuschließende Kredite/Darlehen. Auch bereits laufende Finanzierungen an Private mit variabler Verzinsung unterliegen entsprechenden im Finanzierungsvertrag enthaltenen und vom Gesetz her vorgeschrieben Zinssatzbindungen (Indices), die jeder Kredit/darlehensnehmer in seinem Vertrag nachlesen kann.

Gast: Hubertus
21.05.2010 21:39
0

Fast ein Handbüchlein

Ganz ausgezeichnet und auf den Punkt gebracht. Hat Herr Urschitz nicht früher für den Kurier geschrieben? Ein verlust für den Kurier und ein absoluter Gewinn für die presse.

Diesmal sehr solide!

Sonst teile ich die Meinung des Herrn Urschitz ja nicht immer.

Gast: ASVG-Sklave
21.05.2010 20:12
0

der gute alte Urschitz

mein Favorit im PRESSE-Team. Jedes Mal eine Genugtuung seine Kommentare zu lesen. In diesem Sinne: Noch ein langes Leben - über die Krise hinaus.

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