Ratingagentur stuft Spanien herab - Euro fällt

28.05.2010 | 22:49 |   (DiePresse.com)

Die Eurokrise geht weiter. Nach Griechenland gerät nun Spanien immer mehr unter Druck. Der Euro fiel nach der Herunterstufung. Auch die New Yorker Börse weitete ihre Verluste aus.

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New York/Madrid (höll). Die Meldung kam am Freitag um 19 Uhr: Die Ratingagentur Fitch stufte die Kreditwürdigkeit Spaniens von der Bestnote „AAA“ um eine Stufe auf „AA+“ herab. Dabei hatten alle Experten in den vergangenen Wochen Sparbemühungen von Spanien gefordert – kaum macht das Land damit Ernst, wird die Kreditwürdigkeit herabgestuft. Denn das Sparen würge das Wirtschaftswachstum ab, lautet die Begründung von Fitch.
 
Der Euro, der sich zuletzt erholt hatte, fiel nach der Ratingentscheidung wieder unter 1,23 Euro. Auch die New Yorker Börse weitete seine Verluste aus. Investoren befürchten, dass sich die Schuldenkrise in Europa verschlimmern und es einen zweiten Fall Griechenland geben könnte. „Damit kehrt der Sturm zurück an die Märkte“, sagte der Experte Sterling Smith vom US-Hedgefonds „Country Hedging“. Ratingagenturen entscheiden darüber, zu welchen Konditionen Konzerne,

Banken und auch Länder auf den Kapitalmärkten Geld leihen können – je schlechter ein Rating, desto höher sind die Zinszahlungen. Bereits Ende April hatte Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit von Spanien um eine Note gesenkt. Damit ist das Land aber noch weit von der Einstufung Griechenlands entfernt. In Schulnoten ausgedrückt hat Spanien nun keinen Einser mehr, sondern ein „2 plus“. Zum Vergleich: Deutschland und Österreich verfügen über das beste Rating (AAA).

Seit Tagen steht Spanien wegen eines Konflikts über eine Arbeitsmarktreform im Blick der Börsianer. Arbeitgeber und Gewerkschaften können sich nicht auf eine Liberalisierung des Arbeitsrechts einigen. Die Reform gilt als Schlüssel zur Wiederherstellung der spanischen Wettbewerbsfähigkeit – und damit auch zu Wirtschaftswachstum und Haushaltskonsolidierung.
Gewerkschaften drohen mit Generalstreik
Sollte die sozialistische Regierung eine Strukturänderung gegen den Willen der Gewerkschaften umsetzen, drohen diese mit einem Generalstreik.
 
Am Donnerstag hatte das Parlament in Madrid mit nur einer Stimme Mehrheit das Sparpaket der Regierung verabschiedet. Dieses sieht zusätzliche Einsparungen von rund 15 Mrd. Euro bis 2011 vor. Zur Eindämmung der Schuldenkrise werden die Beamtengehälter um durchschnittlich fünf Prozent gesenkt und die Renten eingefroren. Minister und Bürgermeister bekommen bis zu 15 Prozent weniger Geld. Zudem werden die öffentlichen Investitionen um rund sechs Mrd. Euro gekürzt und 300 Mio. Euro bei der Pflegeversicherung gespart. Mit den Einschnitten will Spanien seine enorme Neuverschuldung von zuletzt 11,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2013 auf den zulässigen Höchstwert von 3,0 Prozent drücken.

Am Freitag senkte die Regierung in Madrid die Wachstumsprognosen für die nächsten Jahre nach unten. Sie befürchtet zudem, dass die Arbeitslosenquote von 20 Prozent weiter steigen wird.

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("Die Presse" Printausgabe vom 29. Mai 2010)

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75 Kommentare
 
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Liebe "Presse"-Mitarbeiter

auch "Ratignagentur" ist verschrieben...


Mit Nur-Sparen allein kommt man nicht weiter!

Aufgenomme Kredite (oder zumindest deren Zinsen) können nur dann zurück gezahlt werden, wenn man die dafür nötigen Summen verdient. Auf Staatsebene bedeutet dies eine deutliche Erholung der Konjunktur. Nur Sparen allein wäre aber so, als ob man in einem Auto das Gaspedal ausbaut und durch eine zweite Bremse ersetzt; mit so einem modifizierten Vehikel käme man nie vom Fleck...

Worauf es also ankommt, das wäre sowohl INTELLIGENT zu sparen als auch gleichzeitig INTELLIGENT zu produzieren. Nur befinden sich die europäischen Länder insgesamt derzeit in einer Art Schockstarre. Die Losung lautet: Wir haben in der Vergangenheit alle weit über unsere Verhältnisse gelebt; ab nun müssen wir uns kasteien, unsere Häupter mit Asche bestreuen und am besten gar nix mehr tun...

Doch damit allein wird´s niemals besser. Wenn wir nicht dazu übergehen, die Probleme der Gegenwart und Herausforderungen der Zukunft OFFENSIV in Angriff zu nehmen, geraten wir in eine Abwärtsspirale, die uns mit ihrem gefährlichen Sog immer mehr in den Abgrund zieht...

Re: Mit Nur-Sparen allein kommt man nicht weiter!

In der Spirale sind wir schon längst.

Gast: Die Paten
30.05.2010 08:36
0

Ein Schuldeingeständnis

von Rating-Terroristen?

Preese-Genderwahn

leest dohch die erste Zeiel goregtur...

"Die Ratignagentur Fitch wird seine Bewertung..."
die Ratingagentur ist immer noch weiblich

Gast: Juvenal
29.05.2010 22:08
1

Quis custodiet ipsos custodes?

Zeit für eine Abstufung bei Fitch & Co.

Oder raten die in neun Monaten Spanien doch als "Junk" – wie beim letzten Schlamassel?

Paradox

Da sieht man, wie obstrus die Ratingagenturen arbeiten und bewerten. Es ist völlig egal, ob ein Land weiterhin Geld mit vollen Händen ausgibt oder sich zum Sparen entschliesst. Da kommt wieder der Götze Wachstum zum Vorschein,das allein seligmachende Wachstum. Auch dann, wenn dieses auf Pump ist. Fürwahr, hiemit hat sich Fitch mehr als disqualifiziert. Diese leute mögen sich andere Jobs suchen.

Gast: CyHit
29.05.2010 15:37
1

Selbstläufer

Spanien verkündet Ende der Rezession (07.05.2010) in der Archivbox.
Frage? Wos is! Also von der Rezession zum Aufschwung und zurück in 20 Tagen. Diese Meldungen schwirren uns jetzt seit 2 Jahren um die Ohren. Eigentlich viel länger aber wurst is.
Wir alle wissen, da stimmt etwas nicht.
Aber was ist es. Ist es eine "Verschwörung" einiger, inklusive Dummheit aller anderen, oder einfach nur Dummheit und Ahnungslosigkeit von allen, ohne "Verschwörung eben. Ein Selbstläufer halt. Das überfordert leider meinen Verstand, ändert aber nichts an den Folgen.

Keine Verschwörung, nur eine natürliche Entwicklung.

Die Exponentialfunktion strebt gegen unendlich. Aufgrund des Zinseszinseffekts folgen die Schulden (ja, natürlich auch die Staatsschulden) der Exponentialfunktion.
Wenn in einem endlichen System (wie unser Planet es nun mal ist) etwas gegen unendlich strebt (die Geldmenge = Schuldenmenge, aufgrund der "genialen" Konstruktion unseres Geldsystems) dann kann das auf Dauer nicht gut gehen. Ist einfach ein Naturgesetz.
http://www.youtube.com/watch?v=Sqwd_u6HkMo
http://wirtschaft.wikispaces.com/Warum+Zins+abgeschafft+werden+mu%C3%9F

Da fühlt man sich gleich besser

wenn man weiß, dass sein Schicksal von der Meinung von Leuten abhängt, die sich Namen wie Moody's, Finch und Brown Brothers Harriman geben.
Ist Win Thin eigentlich sein richtiger oder nur der Künstlername mit dem er an der Börse seine Auftritte absolviert?
Wäre interessant ob einer der Herren jemals eine produzierende Fabrik von innen gesehen hat bevor sie Typen Tipps geben, wie sie genug verdienen um garantiert nie eine produzierende Fabrik von innen zu sehen.
Da werden 40 Mio Spanier, die darauf angewiesen sind, dass Fabriken produzieren aber ihren Gönnern zu dank verpflichtet sein, dass sie sich noch AA+ nennen dürfen, wenn sie für Moody's zum produzieren in die Fabrik latschen.

1

schön

"..Denn das Schuldenniveau sei im internationalen Vergleich niedrig.."

schön, dass dies mal so neben bei jemand erwähnt!

"..55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts niedrig.."

!

Re: schön


Wenn eine Durchschnittsfirma 55% Verschuldung vom Umsatz hat, ist sie pleite!

Was wollen uns die immer reindrücken?

Es kommt außerdem hauptsächlich auf die Neuverschuldung an, denn dann kann man schnell auf 60 oder 70% sein.


ratingagenturen

sind die europäischen politiker so dumm, oder steckt das größte wirtschaftsverbrechen in diesem neuen jahrtausend dahinter. wie kann europa AMERIKANISCHE private ratingagenturen akzeptieren? warum gibt es keine eigenen? die usa will die wirtschaftsmacht nummer eins werden und ist, wie wir ja alle aus der vergangenheit wissen , skrupellos und zu jedem verbrechen bereit, um dies auch zu erreichen. wenn die europäer den amis weiter so in den ars.. kriechen, wird es bald finster, hier in europa.

1

Re: ratingagenturen

die EU als wirtschaftsmacht gibts ja nicht so langen, und viele europäer(!) wünschen sich diese nicht einmal, obwohl es keine alternative gibt, wenn man wirtschaftlich gegen den rest der welt a bissl was ausrichten will.
nur gute produkte alleine ist zuwenig, viel zu wenig.

Antworten Antworten Gast: Und genau dieses Denken ist unser Untergang!
29.05.2010 18:39
3

Re: Re: ratingagenturen

Wir sollten eben NICHT versuchen "wirtschaftlich gegen den rest der welt a bissl was ausrichten will."

Wir sollten auf die Globalisierung pfeifen und unser Süppchen wieder selber kochen!
Über kurz oder lang bleibt uns eh nichts anderes übrig!

Hat schon mal wer überlegt, was ist, wenn alle Produktionen in 2- oder 3-Welt-Länder abgewandert sind!
Dann können wir diese Produkte nicht mehr kaufen, weil wir pleite sind!
Dann müssen wir erst wieder unsere Dinge selber produzieren!
Denn das Firmenabwandern kann nicht ewig weitergehen!
Irgendwann ist schluss!

1

grund

"..Denn das Sparen würge das Wirtschaftswachstum ab.."

die begründungen waren auch schon mal besser.
naja macht ja nix. gibts wieder günstige aktien ;-)

Und wann werden die USA herabgestuft?!?

Rating Agenturen: manipulative und parteiische Verbrecher.

Re: Und wann werden die USA herabgestuft?!?

Richtig erkannt Fitch-Ratings sind aber nach diesem offensichtlichen parteiischen Rating nun nur mehr eher eine Belastung für den Mistkübel als für den Euro!

http://www.sgresearch.com/PUBLICATION/en/992335CAC08215DBC12576C8002C6860.pub?download=true

Man muss sich nur das Balkendiagramm - erstellt von der OECD - ansehen und begreift rasch, dass Fitch offensichtlich schwerste Probleme hat und vermutlich im Euro short ist, aber den Euro kratzt eben kein Fitchrating mehr.

Verbrechern ist es objektiv gesehen was Fitch mit offensichtlichen Fehlratings macht. Aber als Verbrecher kann man Fitch erst nach einer VERURTEILUNG z. B. wegen Missbrauchs der Marktstellung aus niederen betrügerischen Beweggründen sprechen. NOCH muss man bei Fitch von MUTMASSLICHEN Verbrechern sprechen.

Sonst aber haben sie rundum recht. Fitch wertet nur jene herab, die als konkursfähig gelten. Spanien würde sowieso im Fall des Falles von Deutschland aufgefangen - nicht nur allein mal wegen Mallorca, das bei deutschen Immobilienhändlern längst als deutsches Bundesland betrachtet wird.

Fitch hat AIG meiner Meinung nach VORSÄTZLICH nicht rechtzeitig abgestuft, da Fitch und andere Ratingagenten noch ihre Müllpapiere verkaufen wollten. Der Nachweis wäre möglich, jedoch nur wenn die USA mitspielen. Eine Hand wäscht eben die andere und daher werden auch die 10 Pleitestaaten der USA nicht abgestuft und schon gar nicht die als konkursunfähig groß geltende USA, die längst ein Junkrating verdienen würde.

Wenn die Börsenkurse fallen:

Wenn die Börsenkurse fallen,

regt sich Kummer bei fast allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten den Absturz los,
den sie brauchen, echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut.

Soll man das System gefärden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der Bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fämgt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bietten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in “Die Weltbühne”

genial!

herrlich diese parallelen -- bin schon gespannt wann und ob der krieg kommt.

wäre eh lässig - unsere generation hat eh keinen krieg erlebt.

Re: genial!

Solche historischen Parallelen findet man öfter, als man glaubt! Die Frage bleibt, warum derartige Sachverhalte so wenig an "kollektiver Erinnerung" ins allgemeine Volksgedächtnis Eingang finden? Einige Jahrzehnte nach 1945 hat´s ja noch einigermaßen funktioniert, da hatten die Verantwortlichen tatsächlich "aus der Geschichte gelernt". Doch dann sind diese Erinnerungen wieder verblaßt, und neunmalkluge Yuppies glaubten allen Ernstes, sie müßten die Finanzwirtschaft "neu erfinden". Daß jedoch alles und jedes ganz spezielle Regulierung braucht, haben dies Leute leider nie begriffen...

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Re: genial!

im irak gibts sicher auch noch bedarf für ihre spezies.
aber bitte gebens vorher im außenministerium eine erklärung ab, dass man nicht nach ihnen suchens soll.

i hab nämlich keine lust blödheiten auch noch zu finanzieren.

Ich bin

Pazifist, sonst wäre ich schon in einem Kriegsgebiet, wenn ich Krieg toll finden würde.

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Re: Ich bin

man hätte sie glatt ernst nehmen können ;-)

Re: genial!

Lässig?!

Was bitte soll daran lässig sein, wenn im Namen der Hochfinanz als Marionetten derer, junge Männer einen sinnlosen Tod sterben werden?

"Wann" genau ist unklar.

"Ob" ist zu vernachlässigen!

Wer

Gegen wen ist vor allem noch unklar.
Meine feindesliste ist schon geschrieben.

Porschefahrer stehen ganz oben. :-)

im ernst - es wäre schrecklich sollte es echt passieren.

 
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