20.05.2013 21:29 Merkliste 0

Spanien weniger kreditwürdig: "Das verschärft die Krise"

30.05.2010 | 15:01 |   (DiePresse.com)

"Das Timing könnte nicht schlechter sein", kritisiert der deutsche Ökonom Michael Burda die Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Fitch. Er fordert mehr Wettbewerb unter den Ratingagenturen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Spaniens am Freitag von der Bestnote "AAA" um eine Stufe auf "AA+" herabgestuft. Als Grund nannte Fitch Ratings am Freitagabend unter anderem die drastischen Sparbeschlüsse, mit denen die Regierung in Madrid die hohe Verschuldung drücken will. Dies werde das Wirtschaftswachstum in Spanien mittelfristig bremsen. Allerdings seien die Aussichten stabil und die Kreditwürdigkeit des Landes bleibe hoch. Fitch schloss sich damit der Agentur Standard & Poor's an, die Spanien vor Monatsfrist ebenfalls auf "AA" herabgestuft hatte.

"Das verschärft die Krise"

Der Berliner Wirtschaftsökonom Michael Burda kritisierte die Herabstufung: "Das verschärft die Krise. Und es erschwert das, was Spanien tun muss", sagte der Ökonom, der an der Berliner Humboldt- Universität Wirtschaftslehre unterrichtet, dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". "Das Timing könnte nicht schlechter sein."

Der Ökonom fordert mehr Wettbewerb unter den Ratingagenturen und macht sich für die Gründung staatlicher und halbstaatlicher Einrichtungen stark. "Ratingagenturen nach dem Vorbild des Tüv oder der Dekra wären sinnvoll", sagte er. Der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach sich im "Hamburger Abendblatt" für die Gründung einer unabhängigen europäischen Ratingagentur aus.

Spanien: Geldaufnahme wird teurer

Je schlechter die Ratingagenturen die Bonität beurteilen, umso schwieriger und teurer wird es für das Land, sich Geld am Finanzmarkt zu besorgen. Beim äußerst schwach eingestuften Schuldensünder Griechenland etwa wurden teilweise zweistellige Zinsen für Kredite verlangt. Die Euro-Staaten mussten dem Land mit milliardenschweren Hilfen bespringen, um einen Staatsbankrott zu vermeiden.

Der Euro fiel nach der Bekanntgabe der Abstufung Spaniens zunächst auf ein Tagestief bei 1,2283 Dollar, erholte sich später aber wieder und stieg wieder über die Marke von 1,23 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagmittag noch auf 1,2384 Dollar festgesetzt. Die Aktienmärkte reagierten nervös, aber nicht panisch. Der Dow-Jones-Index schloss mit einem Minus von 1,19 Prozent auf 10 136,63 Punkte.

Spanien kündigt harten Sparkurs an

Noch zu Monatsbeginn hatte Fitch die Bestnote "AAA" für die Kreditwürdigkeit Spaniens bestätigt. Inzwischen hat die Regierung in Madrid einen harten Sparkurs beschlossen und weitere Maßnahmen angekündigt. Für den Haushalt 2011 werde die Ausgabengrenze im Vergleich zu diesem Jahr um 7,7 Prozent auf rund 122,3 Mrd. Euro gesenkt, beschloss das Kabinett am Freitag in Madrid.

Zugleich korrigierte die Regierung ihre Wachstumsprognosen erneut nach unten. 2012 werde die Wirtschaft um 2,5 Prozent und 2013 um 2,7 Prozent zulegen, hieß es. Das sind jeweils 0,4 Prozentpunkte weniger als zunächst prognostiziert. Für das laufende Jahr wird ein Rückgang von 0,3 Prozent erwartet, für 2011 ein Wachstum von 1,3 Prozent. Die Regierung rechnet außerdem damit, dass die Arbeitslosigkeit dieses Jahr zunimmt, aber bis 2012 auf eine Quote von 17,5 Prozent reduziert werden kann. Derzeit sind rund 4,6 Millionen Menschen in Spanien ohne Job. Das entspricht einer Quote von rund 20 Prozent.

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

20 Kommentare
Gast: pour le mèrite
31.05.2010 17:22
0 0

Arbeitsmarktreform auf spanisch:

Von 10 Spaniern machen

4 Leute Siesta,
3 streiken,
2 sind arbeitslos

...und einer schreibt Schnorrbriefe an Deutschland.

WER STÜTZT DIE STAATEN

Nachdem nun wir alle für unsere Grosszügigkeit bei der Rettung der Banken mit einem massiven Schub bei der Refinanzierung der Staaten bezahlen dürfen stellt sich für mich nun die Frage wer rettet die Staaten und die Bürger.
Vor zwei Jahren wurde uns die Notwendigkeit der Bankenrettung mit der Rettung unseres Lebensstandards erklärt, heute sehen wir, dass es den Banken zwar wieder besser geht, allerdings sind nun ganze Staaten in Bedrängnis. Und nicht nur die PIIGS, sondern auch Oesterreich und Deutschland.
Wie gehts weiter meine Herren Politiker und Wirtschaftsweisen? Wo sind die Exitstrategien, die wir erwarten dürfen.

Gruss

Gast: DCWorld
31.05.2010 13:33
0 0

Aussichten sind düster

Spanien ist das nächste Griechenland. Trotz aller Sparanstrengungen glaubt wohl niemand mehr, dass ein Land seine Schulden zurück zahlen kann.

Die Ratingagenturen geben nur das wieder, was nicht zu verheimlichen ist. Das Problem dabei, die Ratingagenturen hätten vorher warnen müssen und nicht erst nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Für Spanien sind die Aussichten düster:
http://start-trading.de/spanienkrise.htm

0 0

Re: Aussichten sind düster

wie lange es wohl dauert, bis österreich auf eine BIP-verschuldung von spanien kommt?

Gast: smilefile
31.05.2010 12:58
0 0

..und sollte es nicht ganz so klappen...

...wie es die spanische Regierung vorgesehen hat,....ja dann hilft die Europäische Gendarmarie gegen die eigene Bevölkerung gerne und nachhaltig aus....

http://www.politgauner.de/html/eu_gewalt.html

So ein Zufall aber auch..

Da versucht Spanien seine Schulden in Griff zu kriegen, und mitten in den Bestrebungen stufen "unabhängige" RAs das Land herunter. Hätte es weitergemacht so wie bis dato, hätte man es auch heruntergestuft. Wie man's macht, macht man's falsch. Die Amis zeigen wieder einmal ihre hässliche Fratze.

0 0

Re: So ein Zufall aber auch..

raten können sie eh, heißt aber noch nicht wirklich, dass die zinsen steigen.

und wenn, vielleicht ist es ein bärendienst an den USA von den rating argenturen, denn wenn die anleihen lukrativer sind als die US, dann hat die USA ein problem.

was einen nicht umbringt macht einen nur stärker!

Gast: heino
30.05.2010 19:27
0 0

wie üblich?

tolle überschrift....
krone here we come.

meine letzten diesbezüglichen kommentare wurden nicht veröffentlicht. mal sehen ob es diesmal geht.

Gast: rating
30.05.2010 17:55
2 0

Mhhh?

Sitzen nicht alle Ratingagenturen in den USA?? Komisch, dass sie gerade immer nur europäische Staaten herunterraten..... Mir fallen da auch viele Amerikanische Staaten ein, die eine hohe Verschuldung aufweisen und die USA gesamt stehen ja auch nicht gerade gut da.....

Shoot the messenger!

klaro, die spin-doctors der regierungen geben nun den rating agenturen die schuld and die von den politikern gemachten schuldenbergen.

noch vor 2 jahren hats ja genau das gegenteil geheissen, die rating agenturen haben versagt bei den zockern und schrottpapieren.

es gibt nur ein heilmittel; die ganzen hohlkoepfe im parlament muessen raus und durch andere hohlkoepfe ersetzt werden.

Offensichtlich versprechen sich die ...

... mächtigen Ratingagenturen einen Vorteil von einer Krise in einer Europa und setzen alles daran Europa zu desavouieren.

Ein weiterer Punkt...

... für die USA im Wirtschaftskrieg gegen Europa. Zuvor hatte man geglaubt, man müsse erst die Türkei in die EU "hineindrücken", um sie hinreichend instabil zu machen. Nun geht alles viel schneller.

Antworten Gast: gast
30.05.2010 22:25
0 0

Re: Ein weiterer Punkt...

Dir Türkei ist medikament gegen kolaps die europa...Aber zug ist schon vobei!! Wir wollen dises kaspel verein, veralterde(pleite) Europa kein mitgiled sein.. sucht euch, weitere GR,RO,BG, ect..

Gast: pour le mèrite
30.05.2010 15:54
2 0

Völlig belanglos, das Gezettere.

Der Euro wird weich wie Butter, bevor er dann aufgegeben wird.


Antworten Gast: rai
31.05.2010 00:43
0 0

Re: Völlig belanglos, das Gezettere.

Deutschland,Frankreich oder Griechenland wer verflussigt sich zu erst???

0 0

Re: Völlig belanglos, das Gezettere.

amerikaner?

0 0

Re: Re: Völlig belanglos, das Gezettere.

Nei typischer Raunzer, wahrscheinlich FPÖ Sympatisant

0 0

Re: Re: Re: Völlig belanglos, das Gezettere.

die machen das aber auch nur damit sie gegen den status quo sind, den einige FPÖler leben ja ganz gut in der EU.

Gesundbeter

Ratingagenturen, die in der Rolle des Gesundbeters ihre Aufgabe sehen würden, könnten sich gleich selbst abschaffen. Dass ein Sparprogramm die Immobilienkrise und Sparkassenkrise verschärfen wird, muss irgendwie auch kundgetan werden, und sei es auch, dezent verpackt, im schlechteren Rating.

0 0

so ein zufall

"..Das Timing könnte nicht schlechter sein.."

da spanien einen sparkurs ankündigt, in der unternehmenswelt heißt das businessplan, müßte eigentlich das rating "raufgestuft" werden.

mit 55% staatsverschuldung, ich meine da gibts schlimmere länder. auch in den USA.

Hobbyökonom