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PIGS-Anleihen bringen Frankreich unter Druck

31.05.2010 | 18:36 |   (Die Presse)

Haushaltsminister François Baroin schwört seine Landsleute angesichts der Schuldenexplosion auf ein heftiges Sparprogramm ein und will die Abhängigkeit des Landes von den internationalen Märkten verringern.

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Paris/Berlin (red./ag.). Frankreich beginnt offenbar, seine Staatsbürger auf ein drastisches Sparprogramm einzustimmen: „Wir müssen unser AAA-Rating behalten“, sagte Haushaltsminister François Baroin am Sonntag im französischen TV-Sender Canal+. Um dann hinzuzufügen, dieses Vorhaben sei ein „ehrgeiziges Ziel“ und könne „unter Umständen schwierig werden“. AAA ist die Höchstnote, die Ratingagenturen für die Kreditwürdigkeit eines Landes vergeben. Von der Bonitätseinstufung hängt die Höhe der Zinsen ab, die ein Land für seine Staatsschuld bezahlen muss.

Die Aussage sorgte – zwei Tage nach der Rückstufung Spaniens auf die zweitbeste Stufe AA+ durch die Agentur Fitch – für Verwunderung, weil Frankreich in der Liste der abstufungsgefährdeten Euroländer bisher nicht gerade weit vorne zu finden war. Das AAA-Rating des Landes war von Fitch erst am 30. März bestätigt worden. Sie steht aber offenbar in Zusammenhang mit der Verkündung von drastischen Sparmaßnahmen durch die Regierung. Erste Ankündigungen – etwa das Hinaufsetzen des Pensionsantrittsalters auf 62 Jahre – hatten im Land zu heftigen Protesten geführt. Derzeit gehen Franzosen im Schnitt mit 58,9 Jahren in Pension.

Für das Sparprogramm, das Frankreich in den kommenden Jahren schnüren muss, sind aber noch drastischere Maßnahmen notwendig. „Wir müssen unsere Verschuldung auf Dauer verringern, damit wir nicht zu stark von den Märkten abhängig sind“, sagte Baroin. Das Defizit, das heuer 8,2 Prozent des BIP erreichen wird, soll im kommenden Jahr auf sechs und 2012 auf 4,6 Prozent abgesenkt werden. 2013 soll beim Defizit die Maastricht-Grenze von drei Prozent unterschritten werden. Das gilt freilich als unwahrscheinlich, die Pläne werden generell als viel zu optimistisch gesehen.

Die EU-Kommission hat auch schon kritisiert, dass die dem Budgetsanierungsprogramm zugrunde gelegten Wirtschaftsprognosen zu hoch angesetzt seien. Paris wird seine Konsolidierungsmaßnahmen also verschärfen müssen – und bereitet dafür offenbar nun den Boden vor.

Gefahr könnte dem AAA-Rating Frankreichs auch von außen drohen: Französische Banken halten sehr große Volumina an Staatsanleihen der „PIGS“-Länder (Portugal, Spanien, Irland Italien, Griechenland). Im gerade zurückgestuften Spanien sind es 169 Mrd. Euro, in Italien sind es sogar 393 Mrd. Euro – ein Fünftel des französischen BIP. Sollte eines dieser Länder in ernste Probleme geraten, dann würde Frankreich – hinter Deutschland die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone – in eine veritable Banken- und Staatskrise schlittern.

 

Wirtschaftsregierung für Europa?

In Deutschland wird bereits heftig kritisiert, dass die französischen Banken ihre Problem-Anleihen in großem Stil der Europäischen Zentralbank „umhängen“, seit diese den Tabubruch begangen hat, auch Staatsanleihen der Euroländer aufzukaufen. Bisher soll die EZB schon 40 Mrd. Euro an solchen Anleihen in ihre Bücher genommen haben. Trotzdem ist das bei den französischen Banken verbleibende Risiko immer noch enorm.

Dieses Vorgehen Frankreichs hat zu starken Dissonanzen mit der größten Euro-Volkswirtschaft geführt: Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy begegnen einander neuerdings ein wenig unterkühlt. Frankreich sucht nun, wie die französische Zeitung „Le Monde“ am Montag berichtet, nach Wegen, um „Deutschland zurück ins europäische Spiel zu holen“. Etwa mit dem Vorschlag, eine „europäische Wirtschaftsregierung“ zu bilden. Die soll laut „Le Monde“ aus den Staats- und Regierungschefs der Eurozone zusammengesetzt werden, ein eigenes Sekretariat erhalten und künftig die gesamteuropäische Wirtschaftspolitik vorgeben.

Französischen Zeitungsberichten zufolge ist die Regierung überzeugt, dass Deutschland ins Boot geholt werden könnte. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zwar auch schon für eine europäische Wirtschaftsregierung ausgesprochen, später aber präzisiert, dass sich diese nicht auf die Eurostaaten beschränken dürfe, sondern alle 27 EU-Länder umfassen müsse.

Die Franzosen wollen Deutschland jetzt mit einigen Zugeständnissen ködern, etwa mit der Zusage, den Chef der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, als Nachfolger des Franzosen Claude Trichet an die Spitze der EZB zu hieven. Weber gilt als strikter Verfechter des Stabilitätspakts.

AUF EINEN BLICK

Frankreich macht sich Sorgen um sein AAA-Rating: Haushaltsminister Francois Baroin sagte, es werde schwierig sein, dieses zu halten. Hintergrund der Aussage könnte sein, die Bevölkerung auf die Ankündigung eines bevorstehenden drastischen Sparprogramms vorzubereiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2010)

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19 Kommentare
Gast: Hubertus
02.06.2010 01:38
0 0

Bankenkrise

Dazu wird es nicht kommen. Der Franzose Trichet wird schon dafü sorgen, daß den franz. Banken von der EZB ihre Ramschanleihen zu guten preisen abgenommen werden.

Wenn Frankreich pleite geht oder gar in Zahlungsschwerigkeiten geraet, wird Österreich mitziehen!

Österreich hat sich in den letzten Jahren viel mehr an Frankreich orientiert als andere EU-Grössen! Die Österreicher dachten, wenn sie sich an Frankreich anlehnen, werden sich davon befreien können, dass sie keinen Schosshund mehr der Deutschen zu sein. Das ist natürlich ein Irrtum. Sie bleben weiterhin!

Antworten Gast: Tristan
02.06.2010 14:24
0 0

Re: Wenn Frankreich pleite geht oder gar in Zahlungsschwerigkeiten geraet, wird Österreich mitziehen!

Ist es so schlecht ein Schoßhund Deutschland zu sein? Österreich könnte neues Bundesland der Bundesrepublik Deutschland werden. Gemeinsam werden wir die Krisen meistern.

Gast: Sand
01.06.2010 09:34
0 0

Sowohl Frankreich als auch Österreich

gehören zu den 9 EU-Staaten mit AAA-Rating. Aber bei der Staatsverschuldung sieht eher schlecht aus. Beide stecken mit 78% bzw. 66% tiefer im Kreditschlamm als Spanien 53% AA+, Tschechien und Slovakien 35% A+, Irland 64% und Polen 51% A-, Slovenien 36% AA, Estland 7,2% BBB+, Litauen29% BBB, Lettland 36% BB+. Österreichs Staatsschuld hat außerdem den selben kritischen Mix aus Inlands- und Auslandsschuld wie Griechenland 115% BBB-.
Unter welchem Druck ist Ö.?

Gast: Fritze
01.06.2010 09:13
1 0

Stück für Stück...

kommen sie ihrem Ziel näher, der Weltregierung!
Es sieht nach Katastrophe für die Brüder aus, aber in wirklichkeit freuen sie sich, denn nun kann man dem besorgten Volk auch noch die
polit. Union, Zentralregierung nennt es doch wie ihr wollt, als notwendig verkaufen! Von der
ehemaligen soveränität keine Spur mehr. Und
diese "kleine Weltregierung" EU (nicht zu verwechseln mit dem Kontinent europa) läßt sich dann natürlich später leichter mit anderen
Räumen vereinen. Ohne Demos wird das nichts mehr und selbst dann, wenn die Politiker weg sind, hocken immer noch die geheimen drahtzieher auf ihren angehäuften Goldreserven z.B. und warten darauf, wieder loszulegen wenn das Volk glaubt, es sei frei. Die drahtzieher gilt es zu entlarven und zu beseitigen, wie Drogenbarone oder die Mafia

Gast: gast
01.06.2010 08:12
3 0

Sind Sarkozy und seine Freunde die maßgeblichen Lobbyisten der Banken?

Die Großbanken machen durch die außerordentliche Zinsdifferenz zwischen ihren Forderungen und ihren Refinanzierungskosten große Gewinne.

Das daraus resultierende Risiko
– denn sie beziehen diese Gewinne ja aus Ramschanleihen –
nehmen ihnen die Staaten ab.
Das Bail-out wird in Wahrheit zu ihren Gunsten betrieben.

Die Banken sind die wahren Verursacher der Krise, nicht die an den Pranger gestellten Spekulanten.
Sie machen auf die daraus resultierenden Gefahren aufmerksam, aber sind nicht ihre Verursacher.

Das Argument der Systemrelevanz der Banken ist hohl.
Es dient der Erpressbarkeit der Regierungen und hat bislang auch vollen Erfolg gezeigt.

Es gibt keine Vermeidung von Staatsbankrotten
(und sollte sie auch nicht geben)
ohne den Beitrag der Gläubiger in den dafür vorgesehenen Formen
(Moratorien, hair cuts)
und Institutionen (IMF, Londoner Club).

Doch dies lässt sich nur außerhalb der Mitgliedschaft zu Eurozone organisieren.

Der Austritt Griechenlands aus der Währungsunion ist sowohl Voraussetzung wie Mittel seiner Sanierung.

http://www.dr-hankel.de/prof-hankel-uber-die-gefahren-der-krise/

Re: Sind Sarkozy und seine Freunde die maßgeblichen Lobbyisten der Banken?

Völlig richtig!!!
Ich habe diese Meinung bereits vor 3 Monaten geäussert, und ich bin nach wie vor noch überzeugt davon. Wir alle, egal ob Grieche Deutscher Oesterreicher oder Franzose wurden von unserern Politikern verkauft.
Es ist eine ausgemachte Frechheit auf der einen Seite die Risikoprämie einzustreifen und auf der anderen Seite das Risiko an den Staat weiterzureichen.
Nachdem unser Herr Pröll stolz verkündet hat, dass die Bankenstützung ein Erfolg war und uns Geld einbringt sollten wir doch alle froh sein. Allerdings hat Herr Pröll vergessen welche Auswirkungen die Erhöhung unserer Staatsvverschuldung auf unsere Bonität hat. Ihm kann es egal sein, denn in 2 Jahren bezieht er Politikerpension und kann sich zur Ruhe setzen. Die Suppe dürfen dann wieder wir auslöffeln.
Wie man allerdings bei der letzten Wahl im Burgenland feststellen konnte haben die Wähler nichts aus den Vorkommnissen der letzten Monate gelernt. Es werden brav die gleichen sprechenden Handpuppen der Finanzindustrie gewählt.

Gast: Mafia-Paragraf
01.06.2010 07:27
0 0

Man wird sofort herabgestuft,

wenn man sich am internationalen Finanzmarkt nicht rettungslos überschuldet.

Gast: Danke SPÖVP!
01.06.2010 06:46
0 0

Danke dafür, wo ihr uns da reinmanövriert habt!


Die Hoffnung freilich, dass die österr. Politclowns selbst daran leiden, dass sie de facto keine Weichenstellungen mehr vornehmen dürfen (sondern bloß [zB an Griechenland] zahlen, wenn es andere wollen), ist vergebens. Im Gegenteil: Die Posten und Pöstchen sind ihnen ja in Österreich erhalten geblieben, auf denen sitzen sie und machen Pseudopolitik und freuen sich an der Verwaltung der Pfünde. Heinrich, mir grauts vor dir!

1 0

schicht doch die Eurokraten zum Teufel

. . . die machen nichts, können nichts, die sollten jetzt Die Suppe auslöffeln: die ganze Eurzone muss sparen.
Egal ob im Waldviertel, Peloponnese oder wo auch immer, die Eurozone darf keine Grenzen kennen!

Gast: Auslandsösterreicher
31.05.2010 21:44
1 0

Frankreich ist gefährdeter als Spanien

Schon vor ein paar Wochen habe ich hier geschrieben. Achtung Frankreich!
Ich empfehle mit französischen Staatsanleihen short zu gehen. Es gibt von BNPParibas und SocGen gutgepricete Puts. Bais 95 Laufzeit max. 6 Monate.

Mit Frankreich wird man viel Geld verdienen können.

Gast: ösi
31.05.2010 21:17
1 1

Wirtschaftsregierung

Uiiiiiiiiii; sind die bilderberger schon von der weltregierung zur europ. wirtschaftsregierung degeneriert; wird ja spannend; unsere ösi- handlanger sind ja schon seit geraumer zeit in position. jetzt hau`n ma das krokodil (volk) bussi, bussi

Gast: Emmendingen
31.05.2010 18:49
5 0

Vertrauen Frankreich

Mein Vertrauen zur französischen Politik ist verloren gegangen. In Paris regieren Egoisten. Erst geht der Staatspräsident mit der "Brechstange" in Verhandlungen. Nun soll Deutschland wieder gefragt werden. So geht das nicht. Das ist keine Partnerschaft in der EU.

Antworten Gast: mysterium
31.05.2010 23:12
0 0

Re: Vertrauen Frankreich

So dreht sich das Rad der Geschichte zurück nach Frankreich. Es wird Zeit, dass auch Frankreich für seine Fehler und Falschheit einstehen wird müssen.

Re: Vertrauen Frankreich

Frankreich ist wie die meisten Staaten z.B. USA usw. "egoistisch".

Eine absolute natürliche Sache.

Nur Dummköpfe wie die Österreicher/Deutschen glauben an Völkerfreundschaft, Friede, Freude Eierkuchen.

Antworten Antworten Gast: TG
03.06.2010 12:56
0 0

Re: Re: Vertrauen Frankreich

........... absolut richtig ! Seh' ich auch so !

Antworten Antworten Gast: Zweig
01.06.2010 19:44
0 0

Re: Re: Vertrauen Frankreich

Das sind keine Dummköpfe. Schon mehrfach hat das Problem zu Krieg geführt. Die Einkreisung Deutschlands ist das Problem. Bismarck hat versucht das Problem zu lösen. Kaiser Wilhelm II hat leider das Problem nicht erkannt.

Antworten Antworten Gast: Gast
31.05.2010 23:28
1 0

Re: Re: Vertrauen Frankreich

Sehe ich auch so!

Antworten Antworten Gast: Gast
31.05.2010 22:00
0 0

Re: Re: Vertrauen Frankreich

ja Seismosgraph

das ist sehr traurig - aber absolut richtig !!

Hobbyökonom