EZB: "Kreditversicherer könnten Ratingmarkt erobern"

Kreditversicherer sollten Ratingagenturen Konkurrenz machen, sagt Christian Noyer, EZB-Mitglied und französischer Notenbankchef. Die Firmen würden über das notwendige Wissen sowie Erfahrung verfügen.

Bank of France Governor Noyer arrives to attend a meeting at the Elysee Palace  in Paris
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Bank of France Governor Noyer arrives to attend a meeting at the Elysee Palace  in Paris
(c) Reuters (Gonzalo Fuentes)

Auf der Suche nach einer europäischen Alternative zu den umstrittenen Ratingagenturen bringt Frankreichs Zentralbankchef Christian Noyer die Kreditversicherer ins Gespräch. Solche Firmen wie Euler-Hermes und Coface hätten entsprechendes Wissen und Erfahrung, sagte Noyer dem "Handelsblatt" (Mittwochausgabe). "Sie könnten den Ratingmarkt leicht erobern."

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit (Bonität) von großen Schuldnern wie Staaten und Unternehmen. Kreditversicherer bewerten ebenfalls die Qualität von Krediten. Europäische Politiker kritisieren Ratingagenturen unter anderen wegen deren Rolle in der Finanzkrise 2008.

"Völlig unbefriedigend"

Bereits am Dienstag kritisierte Noyer auf einer Konferenz in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, dass die staatlichen Notenbanken zu sehr von den Einschätzungen der Agenturen abhängig seien. Dies sei "völlig unbefriedigend", sagte Noyer, der auch Chef der französischen Notenbank ist. Er warf den Ratingagenturen schwere Fehler bei der Einstufung staatlicher Anleihen vor. Die Abwertung der Kreditwürdigkeit einiger Euro-Staaten hatte zum Kursverfall der europäischen Gemeinschaftswährung in den vergangenen Wochen beigetragen.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier legt am Mittwochnachmittag weitere Pläne für die Reform der Finanzmärkte vor. Im Visier hat der Franzose die Ratingagenturen sowie das Risikomanagement von Banken. Barnier will unter anderem vorschlagen, der neuen EU-Aufsichtsbehörde für den Wertpapiersektor (European Securities and Markets Authority/ESMA) zentrale Zuständigkeit für die Agenturen zu geben. Bisher fallen sie unter die Ägide der nationalen Aufseher.

"Euro ist und bleibt starke Währung"

Den Euro sieht Noyer derzeit nicht auf einem übermäßig niedrigem Niveau. "Der Euro ist und bleibt eine starke Währung". Zudem entspreche der gegenwärtige Wechselkurs zum Dollar in etwa dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. "Das ist keineswegs ein außergewöhnlich niedriges Niveau", sagte er.

Es werde aber eine Weile dauern, bis das Vertrauen an den Märkten wiederhergestellt sei, sagte Noyer. "Aber ich denke, die angemessenen Maßnahmen sind ergriffen worden." Dazu gehörten auch die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank.

(Ag.)

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