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China und Indien helfen Afrika besser

27.06.2010 | 18:28 |  KARL GAULHOFER (Die Presse)

Die "Süd-Süd"-Kooperation wird zum Vorbild. Die neuen Geber waren noch vor Kurzem selbst Hilfsempfänger und helfen nicht gönnerhaft, sondern nur dort, wo sie sich einen eigenen Vorteil versprechen.

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Wien. Afrika hat sich für Entwicklungshilfe aus der Ersten Welt oft genug als Fass ohne Boden erwiesen: Korrupte Diktatoren, blutige Bürgerkriege und eine lähmende Lethargie ließen viele Milliarden ungenutzt versickern wie Regentropfen im Wüstensand.

Nun kommen Zweifel auf, ob nicht auch die Geber bei allem guten Willen fundamentale Fehler machen. Sie schenken Geld, ihre Mittel landen in zentralen Budgets, sie sollen für soziale Zwecke eingesetzt werden und werden an politische Vorgaben gebunden, wie rechtsstaatliche Strukturen und wirtschaftliche Reformen.

Zwar haben sich Prinzipien wie „Hilfe zur Selbsthilfe“ durchgesetzt, aber an der Bevormundung hat das wenig geändert. Und um die Millenniumsziele zur Reduzierung der Armut zu erreichen, wird immer mehr im Sozialbereich und immer weniger für Produktion und Infrastruktur vergeben.

 

Profit für beide Seiten

Die Chinesen aber gehen radikal neue Wege. Und mit ihnen die Inder, Brasilianer, arabische Golf- und asiatische Tigerstaaten. Die Rolle dieser „Süd-Süd-Kooperation“ wird nun in einem UN-Bericht untersucht. Die neuen Geber waren noch vor Kurzem selbst Hilfsempfänger und haben sich stolz von diesem Status emanzipiert. So begegnen sie den Afrikanern auf Augenhöhe. Sie helfen nicht gönnerhaft, sondern nur dort, wo sie sich einen eigenen Vorteil versprechen. So fließt das meiste Geld Chinas und Indiens in Staaten mit reichen Rohstoffvorkommen, vor allem Ölreserven: Nigeria, Angola, Kongo, Sudan.

Der „Süd-Süd“-Anteil an der Entwicklungshilfe steigt stetig. Wie stark, weiß niemand, weil viele neue Geber gar kein Interesse haben, Zahlen zu nennen und in die Statistiken der Entwicklungszusammenarbeit einfließen zu lassen. Hilfe, private und staatliche Investitionen werden kombiniert, die Grenzen verschwimmen. Statt über NGO und Agenturen laufen die Geldflüsse über staatliche Export-Import-Banken, die auch Unternehmen bei ihrer Expansion nach Afrika unterstützen. Die offizielle Hilfe besteht aus Krediten mit günstigen Konditionen. Investiert wird nicht in Sozialprojekte, sondern in Straßen, Strom und rohstoffnahe Unternehmen. Dafür wollen die neuen Partner keine „good governance“ – die ist ihnen, wie das allseits kritisierte Engagement der Chinesen im Sudan zeigt, herzlich egal – sondern Zugang zu Ressourcen und Abnehmer für ihre Waren.

 

Die Sorgen des Westens

Westliche Geber und NGO sehen diesem Treiben mit wachsender Sorge zu. Sie fürchten, dass das mühsam erzwungene Wohlverhalten der Regierungen bröckelt, dass Staaten in eine Schuldenfalle geraten, dass die Umwelt leidet. Aber die UNO stellt, gestützt auf reiches Studienmaterial, den Schwellenländern ein erstaunlich gutes Zeugnis aus.

Die Bindung an politische Ziele habe meist ohnehin nicht funktioniert. Die Kredite werden verantwortungsvoll vergeben, für eine Schuldenfalle gebe es keine Anzeichen. Und die Fokussierung auf Infrastruktur helfe vor allem den Afrikanern: Nichts transportieren zu können und keinen Strom zu haben, sei der größte Hemmschuh für die Wirtschaftsentwicklung.

Problematisch bleibt, dass viele Länder immer stärker vom Export von Rohstoffen und deren Preisschwankungen abhängen. Dabei verkümmert ihre verarbeitende Industrie, sie müssen mehr Waren importieren – vor allem aus Schwellenländern. Doch die Anzeichen mehren sich, dass die Zeit und der Welthandel dieses Problem von selber lösen werden.

Denn China zieht sich an der Wertschöpfungskette rasch weiter nach oben. Für die Herstellung technologisch simpler Produkte ist es bald nicht mehr der richtige Platz. Statt nach Abnehmern sucht es vermehrt nach billigen Produzenten. Afrika kann sich für diese Nachfrage positionieren. Vielleicht, suggeriert der UN-Bericht zwischen den Zeilen, schafft die junge Kooperation mit den südlichen Schwellenländern dafür bessere Voraussetzungen als Jahrzehnte der Entwicklungshilfe aus dem Norden.

Auf einen Blick

Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien kombinieren Entwicklungshilfe mit profitablen Investitionen. Primäres Ziel ist der Zugang zu Rohstoffen. Aber auch Afrika profitiert stark vom Ausbau der Infrastruktur. Die schädliche Abhängigkeit von Rohstoffexporten könnte sich von selbst regulieren: China wird künftig einfache Fertigwaren vermehrt importieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2010)

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12 Kommentare
Gast: Fugu
28.06.2010 12:04
0 0

in Wahrheit läufts anders, als ..

.. der UN-Bericht uns das glauben machen will.

Stell dir vor du schreibst einen Bericht,
dann kommen von 20 Staaten Korrekturen,
dann entschärfst du das Papier,
und wenns allen passt,
wirds veröffentlicht.


Gast: Spaziergänger
28.06.2010 09:38
0 0

Naja...

Die Quelle anzugeben, wäre nett gewesen (hier ist sie: http://www.unctad.org/en/docs/aldcafrica2010_en.pdf).

Und den letzten Absatz des Executive Summary wiederzugeben wäre auch nett gewesen: "The report recommends that Africa-South cooperation should be seen as a complement to, and not a substitute for, relations with traditional partners in the North".

Aber Zeitungen müssen eben nicht nur über die Welt informieren, sondern auch die Vorurteile der eigenen Leser bedienen :( Trotzdem: schön, dass die Presse dieses Thema aufgreift.

Gast: Catz
28.06.2010 09:16
0 0

Spendenlogik und Eigennutz

Im Westen wurde bisher ja stets nur soviel gependet damit ja nicht der eigene Leisungswille in den Entwicklungsländern (zwangsläufig) erwacht, um willige Rohstoffliefernten und Erfüllungsgehilfen eigener Interessen zu haben. Diese Hilfe zum Ruhigstellen für die korrupten Regimes in Afrika hat durch die Strategie Chinas, mit Hilfe zur Selbsthilfe, die Rohstoffleiferanten an sich zu binden, jetzt ein Ende.

Svenfekter
28.06.2010 09:16
0 0

Das ist wirklich sehr witzig!

"Die Sorgen des Westens:
Westliche Geber und NGO sehen diesem Treiben mit wachsender Sorge zu. Sie fürchten, dass das mühsam erzwungene Wohlverhalten der Regierungen bröckelt, dass Staaten in eine Schuldenfalle geraten, dass die Umwelt leidet."

Der Westen hat doch Afrika ausgeplündert. Das Reichtum des Westens basiert nur noch auf die Ausbeutung von Afrika. Jetzt kommen die Krokodielstraenen!

"So begegnen sie den Afrikanern auf Augenhöhe" und nicht Überheblich wie die Europaer!



Antworten Gast: gast
28.06.2010 10:06
0 0

Re: Das ist wirklich sehr witzig!

und was tut deine wundertürkei für afrika-nix! ist nämlich selber ein entwicklungsland, das wir zwangsweise durchfüttern!

periskop
28.06.2010 09:12
0 0

Eigentlich nichts Neues!

Dass die europäische Art der Entwicklungshilfe, die auf Geldzuwendungen ohne wirtschaftliche Gegenleistung basiert, den armen Staaten überhaupt nicht hilft weiterzukommen, ist doch schon seit langem offensichtlich! Geholfen wird da in erster Linie den einschlägigen NGOs, die ihr Geschäft verlieren würden, wenn die Armut wirklich abnehmen würde.
Auch wenn die Europäer "good governance" verlangen, zäumen sie das Pferd beim Schwanz auf. Dort wo eigentlich gar nichts funktioniert, kann auch der komplizierte moderne Rechtsstaat nicht funktionieren. Zuerst muss die Infrastruktur passen, und es muss auch eine gewisse materielle Sicherheit geben, um so etwas einführen zu können!
Asiaten und Südamerilkaner helfen den Afrikanern wirklich, Europäer sichern nur die Existenz der NGOs, indem sie die Armut einzementieren!

Gast: afri
27.06.2010 22:48
3 2

NGO

Beim Aufbau von Afrika arbeiten Chinesen und Afrikaner vor Ort Seite an Seite.

Unsere NGOs gehen da nicht hin. Erstens wollen sie nicht arbeiten und zweitens gibt es da keine 5 Sterne Hotels.

Antworten Gast: Sonja Radatz
28.06.2010 12:07
0 0

Re: NGO

Chinesen gehen dorthin wo es Rohstoffe gibt.

Was die weltlichen NGO's betrifft übertreibst du, aber es hat natürlich einen wahren Kern. Deswegen spende ich es der kath. Kirche, die gehen auch dorthin wo ein NGO schon lange umgekehrt ist.

lg Sonja Radatz

Gast: gast
27.06.2010 21:03
1 2

so ein sch....

die inder und chinesen schert das 'schicksal' der afrikaner, das übrigens, 60 jahre nach kolonialende ,ausschließlich alleinverschuldet ist,genausowenig, wie irgendwen, betroffenheitsdeppen und asylindustrielle ausgenommen.
der artikel ist ein scherzartikel, da will sich wer beim standard einschleimen.

Antworten Gerald
28.06.2010 09:02
0 0

Re: so ein sch....

Vielleicht sollten Sie den Artikel auch lesen, bevor Sie losmaulen.
Dann würden Sie nämlich feststellen, dass der Artikel eh genau das sagt: Die Chinesen, Inder usw. scheren sich einen Sch... um soziales, good governance u.ä. sollen sind nur daran interessiert, dass ihre Investitionen Profit bringen. Dadurch leisten diese Staaten wahrscheinlich mehr für Afrika (weil die Afrikaner zur Produktivität animiert werden) wie all die westlichen NGOs mit ihren gönnerhaften Wohltätigkeitsexperimenten, die die Afrikaner nur in unmündiger Abhängigkeit halten.

Gast: MartinS
27.06.2010 20:26
4 1

Dann würde ich

sofort jede Finanzhilfe einstellen. Und damit würden auch die zahllosen sudernden NGOs verschwinden. Wäre super!

Antworten googlehupf
28.06.2010 12:58
0 0

Und in 20 Jahren dann

"Die bösen Entwicklungsländer geben uns keine Rohstoffe mehr" sudern?

Dann wird es zu spät sein!


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