Die am Freitag in den USA beschlossene Finanzreform sei ein Triumph jener Finanzaufseher und Kongress-Abgeordneter, die während der Finanzkrise die Panik erst so richtig angeheizt hätten, schreibt das "Wall Street Journal".
"Hauruck wird nun zum Gesetz"
"Die US-Notenbank Fed, die den Immobilienwahn vorantrieb und in ihrer Kernaufgabe - die Citibank zu überwachen - vollkommen scheiterte, bekommt nun mehr Macht, Finanzinstitute zu regulieren und die Kreditvergabe zu diktieren", urteilt die Zeitung. Damit jedoch nicht genug. Auch das US-Finanzministerium und die US-Börsenaufsicht SEC erhalten mehr Macht.
Das Finanzministerium rettete während der Finanzkrise Geldinstitute in Hauruckverfahren. Nun darf es darüber entscheiden, welche Geldinstitute ein "systemisches Risiko" darstellen und geschlossen werden können. "Hauruck wird nun zum Gesetz", lautet der Schluss der Zeitung. Die SEC, die das Kreditrating-Oligopol zugelassen und im Fall des Milliardenbetrügers Bernard Madoff komplett versagt hat, soll ebenfalls mehr Aufgaben erhalten. Die staatlich geförderten Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac hingegen würden nicht angetastet werden, kritisiert das Blatt.
"Einladung zur nächsten globalen Kernschmelze"
US-Ökonom Roy C. Smith warnt in einer Kolumne bei der Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg" überhaupt vor einer "Einladung zur nächsten weltweiten Kernschmelze". Die sechs größten US-Geldinstitute Bank of America, JPMorgan Chase, Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs und Morgan Stanley gelten in den USA als systemrelevant. Doch das Gesetz lasse sie ungeschoren - kein einziges Institut sei aufgeteilt worden. Auch er kritisiert, dass die gleichen Regulatoren wie vor der Krise tätig sind, obwohl massive Fehler passiert seien.
(Red.)
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