12.02.2012 00:35 | Meine Presse Merkliste0

Wifo: Ölpreis wird sich verdreifachen

15.07.2010 | 18:15 |   (Die Presse)

Das BP-Desaster im Golf von Mexiko bedeute das Ende für Tiefseebohrungen, meint Wifo-Chef Aiginger. Er rechnet daher mit einer „Verdreifachung des Ölpreises in den nächsten Jahren“.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien (jaz). Österreich müsse seinen Ölverbrauch weiter senken. Das forderte Wifo-Chef Karl Aiginger am Donnerstag vor Journalisten. „Denn die BP-Katastrophe im Golf von Mexiko bedeutet wahrscheinlich das Ende für Tiefseebohrungen.“ Und ohne diese werde es zu einer globalen Verknappung von Öl kommen. Aiginger rechnet daher mit einer „Verdreifachung des Ölpreises in den nächsten Jahren“.

Um diesen Preisschock gut zu überstehen, müsse das Wirtschaftswachstum stärker vom Verbrauch fossiler Energie entkoppelt werden. Dies sei bislang noch unzureichend geschehen. So steigt in Österreich pro Prozent Wirtschaftswachstum der Energieverbrauch um 0,7 Prozent, jener von „fossilen Materialien“ sogar um 0,96 Prozent. Und auch die CO2-Emissionen wachsen in einem Verhältnis von 0,3 Prozent je Prozent BIP-Wachstum mit.

 

Mehr Kilometer im Auto

Letzteres sei auch ein Grund für das Verfehlen der Kyoto-Ziele durch Österreich. „Es waren zwar sehr ehrgeizige Ziele. Wir haben es aber auch nicht geschafft, den Kohlendioxid-Ausstoß zu senken, sondern haben ihn weiter gesteigert“, so Aiginger. Grund dafür sei unter anderem die Zunahme der im Schnitt pro Jahr mit dem Auto zurückgelegten Kilometer um 2,6 Prozent. Diese Zunahme habe die um 1,6 Prozent erhöhte Energieeffizienz bei den Autos wieder mehr als wettgemacht. Ähnlich ist die Entwicklung bei Wohnungen, die deutlich größer wurden. So nahm die Zahl der Wohnungen mit mehr als 110 Quadratmetern von 24 auf 35 Prozent zu. Dadurch stieg auch der Heizbedarf um 1,9 Prozent, was wiederum die Energieeinsparungen übertraf.

„Es ist eine ernüchternde Bestandsaufnahme“, resümiert Aiginger. „Obwohl über das Thema viel gesprochen wird, haben etwa die Ökosteuern einen niedrigeren Anteil am gesamten Steueraufkommen als vor zehn Jahren.“ So entfallen 2,4 Prozent des heimischen Steueraufkommens auf Mineralölsteuer oder Energieabgabe. Im EU-Schnitt sind es 2,5 Prozent, in Dänemark 5,9 Prozent.

 

Wifo für höhere Mineralölsteuer

Das Wifo plädiert daher für eine Ökologisierung des Steuersystems. Den Anfang solle die Erhöhung der Mineralölsteuer um zehn Cent machen. Die Einnahmen von rund einer Mrd. Euro sollten zu je einem Drittel zur Förderung von Umweltmaßnahmen, der Budgetkonsolidierung und der Entlastung des Faktors Arbeit über die Senkung der Sozialversicherungsbeiträge für Geringverdiener genutzt werden. „Dann kann auch niemand sagen, dass das eine unsoziale Maßnahme ist“, so Aiginger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2010)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

14 Kommentare
Gast: Roland Mösl
18.07.2010 19:15
0 0

Umbau

Wir müssen dringend auf erneuerbare Energie und elektrische Mobilität umsteigen.

Das derzeitige Steuersystem ist zum Menschensparen statt zum Energiesparen.

USA und EU sind hoch verschuldet, können mit den alten Mitteln kein Wirtschaftswachstum halten, werden in der nächsten Ölkrise einen schweren Zusammenbruch haben.

Einzige Möglichkeit, den nötigen Umbau durch eine Änderung der Steuersystems zu beschleunigen. Das Tempo des Steuersystemumbaus bestimmt die Konjunktur.

Studie dazu:
http://politik.pege.org/2010-wirtschaftswachstum/

Dekkard
16.07.2010 09:37
0 0

Doppelbesteuerung durch Nova!

"So entfallen 2,4 Prozent des heimischen Steueraufkommens auf Mineralölsteuer oder Energieabgabe. Im EU-Schnitt sind es 2,5 Prozent, in Dänemark 5,9 Prozent."

Dem Herrn Experten ist scheinbar nicht bekannt das wir beim Autokauf Nova mitzahlen müssen, welche sich sogar auf Zubehör/Ausstattung auswirkt. Das ist doch meines Wissens der Grund für eine etwas niedrigere Mineralölsteuer und den uns zugute kommenden Tanktourismus!

Was trägt die NoVa zum Steueraufkomen denn bei?!?

Ich finde ohnehin das bei PKW´s auch der CW Wert ins Steuerssystem einfließen sollte, damit die SUV Fahrer für ihre Komplexe mal zur Kasse gebeten werden ;)

Gast: Hellboy
16.07.2010 09:30
1 0

@ K. Aiginger:

man merkt der "Experte" hat keinen blassen Schimmer von der Realität. Nach Tschernobyl hat es auch keinen Ausstieg aus der Kernkraft gegeben - weil sich's keiner leisten kann ;-).

Antworten grinch
16.07.2010 15:57
0 0

Re: @ K. Aiginger:

Teilweise hat er schon recht.

Der Preis für Öl wird sicher steigen,
aber nicht wegen einem Ausstieg aus Tiefseebohrungen(siehe Petrobras Förderung in 5000m Tiefe),
sondern weil die Sicherheitsmaßnahmen erhöht werden,
was der Verbraucher zahlen wird dürfen.

Im Endeffekt ist es teilweise gut so,
dass Öl teurer werden wird,
da Alternativen an Anreiz gewinnen.
Andererseits wird es wieder die Schwächsten am Härtesten dreffen.

Gast: Top Consultant
16.07.2010 08:53
0 0

DAnn war die Katastrophe geplant, um den Ölpreis anzuheben

und die Mittelschicht weiter auszuplündern. Interessanter Gedanke vom Wifo-Menschen.

Gast: Gast
16.07.2010 07:02
4 0

Mund halten setzten - Staatsexperte

Kann dieser Staatsexperte - dieses bezahlte Genie nicht einfach seinen Mund halten u. nicht allen mit seinen Unsinnsthesen auf die Nerven gegen. Staatsexperten, welche wie Zecken auf Kosten der Bevölkerung leben, nichts produzieren als heiße Luft aber aufgrund ihres überhöhten Gehaltes zuviele nötige Produkte konsumieren. Gewissermaßen eine Nullnummer mit neg. Tendenz.

Gast: wirtschaftsexperte
16.07.2010 01:33
2 0

wird nicht kommen

der herr "wirtschaftsexperte" Aigner sollte sich mal die offshore-anlagen in der nordsee, vor brasilien und sudan ansehen. dann die politisch-wirtschaftlichen mächte dahinter sich mal ansehen. und nur öl aus dem nahen osten zu beziehen, würde niemandem, auser selbigen ländern gefallen.
aber warum sollen unsere wirtschaftsexperten besser sein wie unsere politiker?
tztztz...

Gast: Halbwissen
15.07.2010 21:26
0 0

Wer soll das bezahlen

wer hat so viel Geld

Antworten Gast: Gast20100716
16.07.2010 08:01
0 0

Re: Wer soll das bezahlen

Der Staat, immerhin nimmt er mehr von uns ...

Gast: Otto F. Krammer
15.07.2010 21:17
2 0

Dass der Treibstoff teurer wird wissenwir bereits..

und zwar um etwa 25% im Jahr, sodass wir in 4 Jahren das Doppelte zu zahlen haben, wenn sich alle 4 Jahre der Preis verdoppelt, so sind wir in 8 Jahren auf dem Vierfachen, wie Aiginger das voraussagt.
Dass mehr gefahren wird, ist dagegen zu bezweifeln, weil einfach der Verbrauch neuerer Autos ein Höherer ist.
Mein alter Golf mit nunmehr 300.000 Kilometer
verbraucht 4,3l/100km, wogegen ein solcher Bj2009 verbraucht 6,5 l/100km, das ist um 50% mehr, ebenso der neue Fiat 500.
Also wird nicht mehr gefahren, sondern der Verbrauch ist höher.
Aiginger ist halt ein Gernbesteuerer anstatt zum
Sparen aufzurufen.
Denn die Staatsschulden sind ja nicht wegen der geringen Steuern entstanden, sondern weil nicht entsprechend gespart wurde!

Antworten bbss22
15.07.2010 22:32
0 0

25% pro Jahr über 4 Jahre

ergibt nicht eine Verdoppelung sondern einen faktor 2,44. Und auf 8 Jahre ergibt sich nicht eine Vervierfachung, sondern fast eine Versechsfachung.
Macht nichts, das ist nur Stoff der zehnten Schulstufe und ist z.B. unter Zinseszinsrechnung bekannt oder auch unter geometrische Reihe.
Allerdings möchte ich Ihnen im Bezug auf Herrn Aiginger Recht geben. Die Verteuerung der Treibstoffe wird sich jedoch weniger aus dem Rohölpreis ergeben, als aus der enorm angehobenen Mineralölsteuer, die uns demnächst in Haus steht (nach den Landtagswahlen in Wien und der Steiermark).
Die Aussage von einem so "unabhängigen " Institut , wie jenes des Herrn Aiginger soll schon mal ein bischen den mentalen Boden dafür aufbereiten.

Antworten Antworten Gast: Otto F. Krammer
16.07.2010 14:36
0 0

Re: 25% pro Jahr über 4 Jahre

Natürlich, wenn Sie es so genau nehmen!
Ich hab das auch nur über 4 Jahre in etwa bei 25% /a addiert...
Aber es ergibt sich die Größenordnung, unabängig der exakten Preissteigerung, dass es in absehbarer Zeit noch wesentlich teurer wird, als es der staatliche Preisrechner hier vorgibt.
mfg!

Gast: gast
15.07.2010 21:14
1 0

was der aiginger immer weiiiiß..

warum is der sooo gscheid?
ende der tiefseebohrungen-schnecken!
und ein unbezahlbarer ölpreis ist ein unbezahlter-weiß auch die opec.
und das mit der abkoppelung?
windradln, die an schaas bringen und die landschaft versauen?
atom?
tretgeneratoren?
einfach irgendwas, hauptsach' aiginger hat ein geräusch gmacht?

Antworten bbss22
15.07.2010 22:39
1 0

Der Clown der Raubritter

Herr Aiginger und sein "unabhängiges" Institut sollen nur das Stimmvieh mental einstimmen auf die Mineralölsteuererhöhungen, die demnächst kommen werden.
Wozu brauchen wir eine (nein drei) Wirtschaftsforschungsunternehmen, wenn erstens deren Forschungsergebisse keine realen Auswirkungen haben, sowohl für die Unternehmen, als auch für die Politik.
Und zweitens die verbalen Ausdünstungen immer genau das wiederspiegeln, was politisch gewünscht bzw angeordnet ist.
Jämmerlich.
Aber pragmatisiert und mit Pensionsanspruch (falsch , Ruhensgenußanspruch).

Erstmals in Österreich

  • Sichern Sie sich jetzt die Jahresvorschau des renommierten Magazins "The Economist", erstmals mit Österreichschwerpunkt aus der Wirtschaftsredaktion der "Presse".

    Für "Presse"-Abonnenten statt 6,90 nur 4,90 Euro.