Die Schweiz kritisiert einen Trend zum Schuldenmachen in der EU. Die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard rief die EU auf, sich beim Kampf gegen hohe Budgetdefizite ein Vorbild an den Eidgenossen zu nehmen. Sie verwies bei einem Brüssel-Besuch am Montag auf den niedrigen Schuldenstand ihres Landes.
Dieser liege bei 39 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und damit deutlich unter den Maastricht-Kriterien für Euro-Länder, welche maximal 60 Prozent erlauben. "Wir erfüllen die Maastricht-Kriterien, sollten sie noch existieren", betonte Leuthard in Anspielung auf den Trend zum Schuldenmachen in der EU. Gegen 24 der 27 EU-Staaten, darunter auch Österreich und Deutschland, laufen Defizitverfahren wegen einer überhöhten Neuverschuldung.
Retourkutsche der Bundespräsidentin
Die Aussage von Leuthard könnte als eine Art Retourkutsche auf die Aufforderung des ständigen EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy verstanden werden, der die Schweiz aufforderte, bei künftigen Verhandlungen den EU-Rechtsbestand übernehmen zu müssen, wenn die Eidgenossenschaft am Binnenmarkt teilnehmen will.
Die EU will der Schweiz keine Sonderwünsche mehr zugestehen und plant die Verwaltung der mehr als 120 bilateralen Abkommen "stromlinienförmiger" und "einfacher verwaltbar" machen. Derzeit seien viele Abkommen zu statisch, sie ließen sich nur schwerfällig an das sich verändernde EU-Recht anpassen. Und künftig soll die Schweiz EU-Recht automatisch übernehmen.
Leuthard stellte fest, dass darüber nachgedacht werde, wie die bilateralen Beziehungen verbessert und vereinfacht werden könnten. "Wie das umgesetzt wird, werden wir sehen", erklärte sie.
(Ag.)
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