Kunden und ihre Daten: Kein Kredit ohne Auskunft

Der Fall Kik sorgt derzeit nicht nur in Deutschland für Wirbel. Der Textildiskonter soll jahrelang Vermögensverhältnisse seiner Mitarbeiter ausspioniert haben. Allein beim KSV sind 2,9 Mio. Personendaten gespeichert.

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(c) AP

Wien.Der Fall Kik sorgt derzeit nicht nur in Deutschland für Wirbel. Der Textildiskonter soll jahrelang Vermögensverhältnisse seiner Mitarbeiter ausspioniert haben. Bei Finanznöten setzte es Kündigung, so der Vorwurf, der in deutschen Medien kursiert. Die Frage, die sich stellt, ist freilich: Wie kommen Unternehmen wie Kik zu derartigen Daten?

Auskünfte erhielt Kik von der deutschen Creditreform: Das Unternehmen sammelt und speichert geschäftsmäßig Daten zur Bonität von Konsumenten und bestätigte, 2008 und 2009 Daten an Kik weitergegeben zu haben. Arbeitet jemand in einem sensiblen Bereich wie an der Kasse, so sei das datenschutzrechtlich zulässig, hieß es aus der Creditreform.

So einfach wäre das hierzulande nicht gewesen. „Wir speichern keine Daten von Privatpersonen“, sagt Gerhard Weinhofer von der österreichischen Creditreform im Gespräch mit der „Presse“. Das Schwesterunternehmen der deutschen Creditreform sammelt und speichert lediglich Informationen über Firmen. Derzeit fänden sich in der Datenbank Auskünfte über etwa 400.000 Unternehmen. Diese erhält die sogenannte Auskunftei „aus öffentlichen Quellen“ wie etwa dem Firmen- oder Grundbuch und zusätzlichen Recherchen. Benötigt ein Unternehmen Auskünfte über die Zahlungsfähigkeit eines anderen, kann es sich an die Creditreform wenden, „um sich vor Forderungsausfällen zu schützen“, sagt Weinhofer.

 

Löschen auf Antrag ist möglich

Wer einen Kredit aufnimmt oder seine Handyrechnung nicht bezahlt, muss davon ausgehen, dass seine Daten gespeichert und bei Bedarf abgefragt werden. Etwa beim Kreditschutzverband von 1870 (KSV). Dort werden auch Auskünfte über Privatpersonen gespeichert. „Zum Schutz der Gläubigerinteressen“, sagt Roland Führer vom KSV. So soll verhindert werden, dass jemand bei verschiedenen Banken Kredite bekommt, die er sich eigentlich gar nicht leisten kann. Erhält ein Kunde einen Kredit, so wird in der „Kleinkreditevidenz“ dessen Höhe registriert und auch, ob die Raten ordnungsgemäß bedient werden. Einsicht haben Banken und Kreditinstitute. „Sobald der Kredit abgezahlt ist, werden die Daten gelöscht“, so Führer.

Telefonbetreiber, Versand- oder Internethändler können sich über die „Warenkreditevidenz“ über potenzielle Kunden schlaumachen, sofern sie Mitglied beim KSV sind. Bekommt man es etwa wegen nicht bezahlter Rechnungen mit einem Inkassobüro zu tun, so wandert diese Information in die Datenbank und bleibt dort zwischen drei und sechs Monaten gespeichert. Ein Privatkonkurs kann bis zu sieben Jahre aufscheinen.

Wer wissen will, was die Datenbanken über ihn parat halten, kann sich einmal pro Jahr kostenlos darüber informieren. Diese Möglichkeit nützen beim KSV jährlich etwa 40.000 Personen. Auf Antrag müssen die Daten aus der Warenkreditevidenz gelöscht werden. Insgesamt sind beim KSV Daten über rund 2,9 Millionen Personen gespeichert.

Auf einen Blick

Auskunfteien werden Unternehmen genannt, die Informationen über die Bonität von Firmen und Privatpersonen sammeln und diese anderen Unternehmen zur Verfügung stellen. In Österreich sind das zum Beispiel der Kreditschutzverband von 1870 und die Creditreform. Letztere speichert allerdings keine Daten von Privatpersonen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2010)

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