Kunden und ihre Daten: Kein Kredit ohne Auskunft

23.07.2010 | 18:24 |  JEANNINE HIERLÄNDER (Die Presse)

Der Fall Kik sorgt derzeit nicht nur in Deutschland für Wirbel. Der Textildiskonter soll jahrelang Vermögensverhältnisse seiner Mitarbeiter ausspioniert haben. Allein beim KSV sind 2,9 Mio. Personendaten gespeichert.

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Wien.Der Fall Kik sorgt derzeit nicht nur in Deutschland für Wirbel. Der Textildiskonter soll jahrelang Vermögensverhältnisse seiner Mitarbeiter ausspioniert haben. Bei Finanznöten setzte es Kündigung, so der Vorwurf, der in deutschen Medien kursiert. Die Frage, die sich stellt, ist freilich: Wie kommen Unternehmen wie Kik zu derartigen Daten?

Auskünfte erhielt Kik von der deutschen Creditreform: Das Unternehmen sammelt und speichert geschäftsmäßig Daten zur Bonität von Konsumenten und bestätigte, 2008 und 2009 Daten an Kik weitergegeben zu haben. Arbeitet jemand in einem sensiblen Bereich wie an der Kasse, so sei das datenschutzrechtlich zulässig, hieß es aus der Creditreform.

So einfach wäre das hierzulande nicht gewesen. „Wir speichern keine Daten von Privatpersonen“, sagt Gerhard Weinhofer von der österreichischen Creditreform im Gespräch mit der „Presse“. Das Schwesterunternehmen der deutschen Creditreform sammelt und speichert lediglich Informationen über Firmen. Derzeit fänden sich in der Datenbank Auskünfte über etwa 400.000 Unternehmen. Diese erhält die sogenannte Auskunftei „aus öffentlichen Quellen“ wie etwa dem Firmen- oder Grundbuch und zusätzlichen Recherchen. Benötigt ein Unternehmen Auskünfte über die Zahlungsfähigkeit eines anderen, kann es sich an die Creditreform wenden, „um sich vor Forderungsausfällen zu schützen“, sagt Weinhofer.

 

Löschen auf Antrag ist möglich

Wer einen Kredit aufnimmt oder seine Handyrechnung nicht bezahlt, muss davon ausgehen, dass seine Daten gespeichert und bei Bedarf abgefragt werden. Etwa beim Kreditschutzverband von 1870 (KSV). Dort werden auch Auskünfte über Privatpersonen gespeichert. „Zum Schutz der Gläubigerinteressen“, sagt Roland Führer vom KSV. So soll verhindert werden, dass jemand bei verschiedenen Banken Kredite bekommt, die er sich eigentlich gar nicht leisten kann. Erhält ein Kunde einen Kredit, so wird in der „Kleinkreditevidenz“ dessen Höhe registriert und auch, ob die Raten ordnungsgemäß bedient werden. Einsicht haben Banken und Kreditinstitute. „Sobald der Kredit abgezahlt ist, werden die Daten gelöscht“, so Führer.

Telefonbetreiber, Versand- oder Internethändler können sich über die „Warenkreditevidenz“ über potenzielle Kunden schlaumachen, sofern sie Mitglied beim KSV sind. Bekommt man es etwa wegen nicht bezahlter Rechnungen mit einem Inkassobüro zu tun, so wandert diese Information in die Datenbank und bleibt dort zwischen drei und sechs Monaten gespeichert. Ein Privatkonkurs kann bis zu sieben Jahre aufscheinen.

Wer wissen will, was die Datenbanken über ihn parat halten, kann sich einmal pro Jahr kostenlos darüber informieren. Diese Möglichkeit nützen beim KSV jährlich etwa 40.000 Personen. Auf Antrag müssen die Daten aus der Warenkreditevidenz gelöscht werden. Insgesamt sind beim KSV Daten über rund 2,9 Millionen Personen gespeichert.

Auf einen Blick

Auskunfteien werden Unternehmen genannt, die Informationen über die Bonität von Firmen und Privatpersonen sammeln und diese anderen Unternehmen zur Verfügung stellen. In Österreich sind das zum Beispiel der Kreditschutzverband von 1870 und die Creditreform. Letztere speichert allerdings keine Daten von Privatpersonen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2010)

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4 Kommentare
Gast: Kibietz
24.07.2010 15:36
2

Denen gehört das Handwerk gelegt!

Ich kann nur raten NIEMALS eine Inkassofirma bzw. Inkassoanwalt zu bedienen.

Da die Gebühren dieser "Unternehmen" vollkommen überzogen sind entbehren sie jeglicher Rechtsgrundlage. Besser ist man einigt sich mit dem Unternehmen bei dem man die Schulden gemacht hat. Das ist auch deutlich billiger.

Wenn keiner mehr etwas an Inkassofirmen zahlen würde hätte der Spuk schnell ein Ende. Die leben ja ohnehin nur von den Dummen die Glauben sie müssen die Gebühren zahlen.

Ich kann nur jedermann raten nicht einen Cent an ein Inkassobüro zu zahlen bzw. KEINESFALLS etwas unterschreiben was man von einer Inkassofirma bekommen hat (Schuldeingeständnis/Ratenvereinbarung). Sobald man etwas unterschrieben oderüberwiesen hat, akzeptiert man die Inkassogebühren in voller Höhe, die sind dann auch klagbar.

Solange man nichts unterschreibt bzw. nichts überweist steht man in keiner Beziehung zum Inkassobüro und muß auch nicht die Gebühren zahlen.

IMMER MIT DEn GLÄUBIGERN DIREKT VERHANDELN !!!

Auf Antrag ?

Auf Grund (endlich vorhandener) gesetzlicher Bestimmungen kann man das Löschen der Daten VERLANGEN.

3 - 6 Monate ? Warum musste obige gesetzliche Regelung gegen vehemente Abwehr der Inkassomafia gerichtlich erstritten werden? Weil es Einträge von über 20 Jahren gibt / gab.

Im Zeitraum um den Beitritt zur EU schossen die Eintreiberfirmen wie die Schwammerln aus dem Boden. Das "big biz" mit den Eintreiberspesen begann.

Da geht es nicht um Gläubigerschutz, sondern um Geschäft: ... wie presse ich längst möglich noch zusätzlich etwas aus einem Schuldner...: Und aus Eigeninteresse: Einlangende Zahlungen werden vorerst zur Abdeckung der "Spesen" verwendet. Bleibt dann eventuell noch was über, erhält es der Gläubiger..... wenn dann nicht schon wieder eine neue Spesenrechung an den Schuldner abgeschickt wurde......

Wenn man nach 23 Jahren noch immer kein Mobiltelefon auf den eigenen Namen anmelden kann - wie zwinge ich die Telefongesellschaft, mir mitzuteilen, auf Grund welcher Daten (Firma) ich als Kunde nicht akzeptiert werde?

+++

Antworten Gast: andy seidl
24.07.2010 12:13
0

Re: Auf Antrag ?

Du brauchst sie nicht zu zwingen, die sind ohnehin verpflichtet Dir - auf Anfrage - mitzuteilen aufgrund welcher Informationen Du abgelehnt wurdest.

Warte das Ablehnungsschreiben ab, dann ruf die Hotline an, oder - besser - schreibe dem Anbieter. Die Rückantwort erhältst Du schriftlich da das zusammenfügen der Daten zu lange dauert um - seriös - am Telefon abgehandelt zu werden.

Sollte die Entscheidung aufgrund eines fehlerhaften Eintrags bei einer Kreditauskunft erfolgt sein, wende Dich direkt an diese Kreditauskunft und verlange die Korrektur des Eintrags.

Tip: Bleib sachlich - auch wenn Du verständlicherweise aufgewühlt bist - denn bei Schreierein geht leicht der Kern deines Anliegens unter und es besteht die Gefahr von Missverständnissen.

Re: Auf Antrag ?

Unter diesem Link können Sie eine kostenlose Selbstauskunft beantragen.

http://www.ksv.at/KSV/1870/de/4privatpersonen/1selbstauskunft/1selbstauskunft_de/1sa_deutsch/index.jsp

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