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BP: Ein Amerikaner greift nach der Macht

26.07.2010 | 18:27 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Tony Haywards Fauxpas trugen tüchtig zum schlechten Ruf von BP bei. Der Rücktritt soll vor der Bekanntgabe einer verheerenden Quartalsbilanz am Dienstag erfolgenn. Bob Dudley soll dem Glücklosen nachfolgen.

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Washington. Als Frontmann von BP in den TV-Spots und Inseraten ist Tony Hayward längst verschwunden. Mitarbeiter aus der Region der US-Golfküste haben den Konzernchef in einer Werbekampagne abgelöst, die den Imageschaden für den britischen Ölmulti reduzieren soll.

Sie vermitteln mehr Authentizität als der 53-jährige Brite. Mit seinem näselnden Akzent, der Abgehobenheit suggeriert, wurde er als Buhmann der Ölpest gebrandmarkt. Seine Fauxpas trugen tüchtig zum schlechten Ruf bei. Der laute Seufzer „Ich will mein Leben zurück“ wurde zum geflügelten Wort, die Teilnahme an einer Segelregatta vor der Insel Wight zum PR-Desaster. „Es hat keinen Sinn, Napoleon zu spielen – außer man ist sich des Siegs sicher“: Das riet ihm ein BP-Veteran, als Hayward nach der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ in die USA reiste – und zwei Monate blieb, um sein Waterloo zu erleben.

Zunächst drängte ihn der Aufsichtsrat Ende Juni inmitten aufkeimender Personalspekulationen dazu, wieder in die Konzernzentrale nach London zu übersiedeln.

 

Tony Hayward: Der BP-Chef und das Fettnäpfchen

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Tag 98 der Ölpest

Am 98.Tag seit Ausbruch der größten Katastrophe der Firmengeschichte, der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko, drängten ihn die BP-Bosse um den schwedischen Aufsichtsratschef, Carl-Henric Svanberg, zum Rückzug von der Spitze des Unternehmens.

Der Rücktritt soll unmittelbar vor der Bekanntgabe einer verheerenden Quartalsbilanz am Dienstag erfolgen, inmitten von wilden Gerüchten über eine Übernahme durch Konkurrenten wie Exxon oder Chevron und politischen Turbulenzen um die Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters – auf angeblichen Druck von BP. Die Ölkatastrophe hat BP bisher mehr als vier Mrd. Dollar gekostet – und das ist wohl erst der Anfang. Der Ölkonzern hat einen Schadenersatzfonds von 20 Mrd. Dollar eingerichtet, der womöglich nicht ausreichen wird, um alle Forderungen abzudecken. BP hat bereits begonnen, einen Teil des Imperiums – Ölfelder – zu verkaufen, und man sucht neue Investoren.

Ein goldener „Handshake“ von 14 Mio. Dollar soll den Abgang des glücklosen Hayward versüßen. Er war angetreten, die Konzernphilosophie zu ändern und sich mehr auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Zuletzt aber schien es nur noch eine Frage der Zeit, wie lange sich der studierte Geologe und Zögling des legendären BP-Chefs und Tony-Blair-Freunds John Browne in der Chefetage am feinen St.James Square halten könnte. Dort wird jetzt wahrscheinlich einer einziehen, der schon vor drei Jahren als BP-Chef zur engeren Wahl stand und der Hayward Ende Juni als Krisenmanager der Ölpest nachfolgte; einer, der als „Troubleshooter“ bekannt ist und zudem aus der Region der US-Golfküste stammt – und damit überhaupt der erste Amerikaner im Chefsessel von BP wäre: Bob Dudley.

Die wahrscheinliche Wahl des 54-jährigen Chemikers, der in Mississippi aufgewachsen ist, soll eine Zäsur signalisieren – und eine neue Epoche einläuten. Sie folgt den Interessen eines Unternehmens, das als British Petroleum für ein Empire stand, das längst untergegangen ist. Seit der Übernahme von US-Firmen wie Amoco oder Arco liegen ein Großteil des Geschäfts von BP und ein Drittel der Öl- und Gasfelder des Konzerns in den USA. Überdies sind 40Prozent der Aktien in Besitz von Amerikanern. Dudley startete seine Karriere bei Amoco und landete nach der Fusion bei BP, wo er rasch zum Experten für schwierige Aufgaben avancierte. Ob in China oder Indien: Dudley tauchte stets als Krisenmanager dort auf, wo es für den Konzern brenzlig wurde.

Am härtesten war der Job des Troubleshooters indes in Russland, wo Dudley als Chef des russisch-britischen Joint Ventures TNK-BP agierte. Er geriet in einen Machtkampf mit russischen Oligarchen und dem Konsortium AAR. Als sein Visum 2008 auslief und nicht mehr verlängert wurde, musste er Moskau fluchtartig verlassen.

 

Bohrloch bald versiegelt?

„Er ist cool, ruhig, gefasst“, beschreibt ihn Kenneth Feinberg, der von der US-Regierung eingesetzte Verwalter des Schadenersatzfonds. Er habe gleich die Kooperation gesucht. Mitarbeiter schätzen seine Fähigkeit, Aufgaben zu delegieren. Und Dudley hat vorläufig auch die nötige Fortüne. Die Arbeiten zur Schließung des Lecks stehen vor dem Ende. In der nächsten Woche könnte BP womöglich mit einem „Static Kill“ das Bohrloch ganz versiegeln – es wäre der lange ersehnte Erfolg.

AUF EINEN BLICK

Tony Hayward (53), glückloser Chef des Ölkonzerns BP, wird abgelöst. Wahrscheinlichster Nachfolger ist der 54-jährige Chemiker Bob Dudley. Er wäre der erste US-Amerikaner im Chefsessel des britischen Konzerns. Bereits im Juni löste er Hayward als Krisenmanager der Ölpest ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2010)

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36 Kommentare
 
1 2
Gast: nein
27.07.2010 11:51
0 0

14,1 Mil € Abfindung?

Eigentlich sollte Hayward zahlen und zwar viel mehr als diese Summe.

Fipo1
27.07.2010 09:31
0 0

Der Typ gehört ......

.... einfach angeklagt, die Abfertigung einbehalten und in den Entschäigungstopf für die Opfer dieser Katastrofe. Das kann doch nicht sein, daß der führende Kopf unter dessen Herrschaft alle Sicherheitsbedenken über Bord geworfen wurden (sicherlich nicht ohne Nachdruck) nun noch eine Abfertigung kassiert, mit der Generationen der Haywards leben können, ohne auch nur einen Handstrich zu arbeiten !!! Wo leben wir ?????

Gast: RAst
26.07.2010 22:54
1 0

Tankstellen meiden

Am besten zu keiner Tankstelle fahren. Denn Shell versaut Nigeria bzw. Afrika. BP den Golf von Mexiko. Die OMV zockt alle Österreicher ab.

Totaler Schwachsinn. Genau der gleiche Blödsinn wie gegen die Globalisierung demostrieren und dann zum Diskonter laufen und den Made in China Mist kaufen.


heduda
26.07.2010 20:15
0 0

der tony

was schaut der für sein alter verbraucht aus!.

Gast: gast
26.07.2010 19:44
0 0

arbeitsgerichte

wie werden in zukunft die arbeitsrechtler bei normalen angestellten entscheiden, wenn diese BP oder unbeteiligten schaden zufügen?

queeny
26.07.2010 18:39
0 0

Ich bitte auch BP-Chef

Ich mölchte bitte auch BP-Chef werden und dann mit 200 Millionen ATS in die Pensi geschickt werden.

Milchleber
26.07.2010 17:35
2 0

passendes Zitat

"Wenn ich den luxemburgischen Staatshaushalt an die Wand fahre, verliere ich die Wahlen. Wäre ich Manager, würde ich wohl 80 Millionen Euro dafür kriegen." Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker

Antworten Peregrin
27.07.2010 14:45
0 0

Re: passendes Zitat

Dass EU-Politiker, die ihre Staatshaushalte an die Wand fahren, dafuer Wahlen verlieren, halte ich fuer ein Geruecht.

kroegner
26.07.2010 17:22
1 0

Da gibt es nur eine Lösung

BP-Tankstellen einfach meiden, klar zahlen wie immer die Kleinen drauf, aber anders geht es eben nicht!

JoL
26.07.2010 17:09
0 0

14 Mio $

Ned mehr?

Der oarme Hund!!!

Pete
26.07.2010 15:59
0 0

Armselig

War auch nicht mehr Wert de Herr Manager

harpo
26.07.2010 15:35
0 0

Saads fro,

das mia kaane Adomkroftwerge baun.
Und wegn den bissl Ö mochz eich ned ins Hemd.

derpradler
26.07.2010 14:50
0 0

Der Mann

gehört lebenslang hinter Gitter!

Antworten bufo
26.07.2010 17:04
0 3

Re: Der Mann gehört lebenslang hinter Gitter!


Warum?
Irgend eine Grundlage ausser Neid?

Gast: noproblem
26.07.2010 14:17
1 0

Abfindung - kein Problem, solange ...

... der Herr des sauberen Konzerns seine Abfindung in voller Höhe für die Beseitigung der Schäden durch das Öl abgeben muss.
Und solange seine Pension, die er ja sicher genießen darf, Alter ist ja egal, zu 95% konfisziert wird.

cerumen
26.07.2010 13:31
1 3

Neiddebatte

Und wieder ein Beitrag zur Neiddebatte. Das wird die so-called „Mittelschicht“ nie verstehen und deswegen in ihrer kleinen Eigentumswohnungen dahinvegetieren und vom großen Ertrag ihres Bausparers träumen. Diese Manager sind eben Leistungsträger die sich ihre Stellung und Verdienst hart erarbeitet haben. Sie sind es eben wert! Ihr kleine Beamten und Bürocowboys gebt euch eben mit dem wenigen zufrieden, weil ihr keinen Leistungsgedanken habt. Ihr seit schon zufrieden wenn ihr mit 60. in Pension gehen könnt – das ist doch der Höhepunkt in eurem Berufsleben! Aber bitte zahlt weiterhin schön brav steuern … HA!

Antworten heduda
26.07.2010 20:48
1 2

Re: Neiddebatte

du super ars...@cerumen.solchen wixx.. wie dir hab ich schon öfters meine faust ins "gesicht"gedroschen.was hast du strapseträger geleistet?.ausser andere abzuzocken?NEID?du musst verrückt sein.solche nullmenschen wie du können nur tro....n beneiden.

Antworten Antworten cerumen
27.07.2010 19:58
0 0

@heduda

Ich habe wirklich Mitleid mit Dir. Jemand der nichts von Sarkasmus versteht, dem bleibt nur noch Gewalt ....

Antworten Antworten Gast: Tintifaxx
27.07.2010 06:45
2 1

Re: Re: Neiddebatte

Hast du schon öfters deine Fäuste eingesetzt, weil du Sarkasmus nicht kennst?

On topic: Eine dermaßen disproportionale Bezahlung lässt sich durch (subjektive) Leistung sowieso nicht wirklich rechtfertigen, aber gewalt-affine Menschen wie "heduda" sollten jedenfalls nicht frei herumlaufen...

Antworten bufo
26.07.2010 17:03
0 0

Re: Neiddebatte

da gibts noch ganz andere Kaliber: 9 Mio für 15 Tage.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/utz-claassen-neun-millionen-euro-fuer-tage-arbeit-1.979518

Gast: gast
26.07.2010 12:30
1 0

Multikonzern - Politsumpf

Bei all den Öl- und sonstigen Multis ist eine Verfiltzung mit der Politik und auch dem Staatshaushalt!

Gast: Astoran
26.07.2010 12:20
0 0

Sauerei

wie heute ohne gewissen abkassiert wird ist einfach unglaublich. welcher mensch ist diese beträge wert, egal was er leistet. unser ganzes wirtschafts- u. finanzsystem muß neue überdacht geordnet und korriegiert werden, ansonsten ist der große knall nicht mehr weit, irgend wann reicht es. hatten raff und baader-meinhof recht? ist dieses ganze system nur wert das man versucht es mit gewalt zu vernichten? man hat aus der geschichte nichts gelernt, wenn ein system ohne kontrolle läuft werden nur lügner und betrüger groß!

Gast: aussieguy
26.07.2010 10:19
1 0

warum so wenig

warum bekommt ein herr wiedeking 100 mio € abfindung bei einem jährilichen gewinn von 250 mio € und ein herr hayward nur 14 mio € obwohl der jährliche gewinn 11 mrd € beträgt. ist das fair.

Gast: gast
26.07.2010 09:38
1 0

Schweinerei

Aber GENAU SO läufts bei den Multis, Banken und Politikern - schuldige Verantwortliche werden mit Millionen für Umweltverbrechen belohnt! 14 Millionen Euro - das stelle sich der Normalverdiener mal vor, wieviel das wirklich ist!!!

Antworten Herman
26.07.2010 11:23
0 0

Re: Schweinerei, nope: kriminell

. . . PB sollte zerschlagen werden und das komplette Management fristlos entlassen werden.

Antworten Antworten bufo
26.07.2010 17:10
1 0

Re: Re: Schweinerei, nope: kriminell

". PB sollte zerschlagen werden"

Genau! Pritish Betrol zerschlagen! Und OVM dazu!


 
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