5620 US-Soldaten sind in Afghanistan und im Irak in den vergangenen neun Jahren gestorben. Die Hinterbliebenen sind zum Bezug der Auszahlung einer Lebensversicherung berechtigt, die die US-Regierung über private Versicherungen abwickelt. 2009 hätten die Hinterbliebenen von gefallenen US-Soldaten von den Versicherungen Gelder in der Höhe von einer Milliarde US-Dollar erhalten müssen. Doch dem ist nicht so, berichtet die Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg".
Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo hat mittlerweile die Ermittlungen aufgenommen. "Es ist schockierend und einfach unrecht, dass sich diese multinationalen Lebensversicherungskonzerne Hunderte von Millionen an Profiten in die eigene Tasche gesteckt haben, die eigentlich denen gehören, die Familienmitglieder verloren und ohnehin unermesslich gelitten haben", sagte Cuomo am Donnerstag.
Versicherer strichen Großteil der Zinsen ein
Statt den Angehörigen von Soldaten und anderen Mitarbeitern von Bundesbehörden im Todesfall die Lebensversicherungssumme auf einen Schlag auszuzahlen, hätten die Unternehmen die Gelder einbehalten und auf einem speziellen Konto geparkt. Den Großteil der angefallenen Zinsen hätten dann die Versicherer eingestrichen. Die Angehörigen hätten von diesen dicken Profiten nie etwas erfahren. Die Angehörigen hätten von diesen dicken Gewinnen nie etwas erfahren.
Nur auf Nachfrage bekamen die Angehörigen die komplette Versicherungssumme ausgehändigt. Eine der zu klärenden Fragen ist nun, ob die Versicherer die Begünstigten überhaupt darüber aufgeklärt haben, dass sie das Recht auf eine komplette Auszahlung hatten.
Vorgehen dürfte branchenüblich sein
Cuomo rechnete vor, dass die Versicherer bis zu 4,8 Prozent Profit bei ihrer Methode herausgeschlagen hätten. Die Familien hätten aber nur 0,5 Prozent Zinsen ausgezahlt bekommen. Bei normalen Banken wäre gut das Doppelte drin gewesen, verglich er. Zudem seien die Gelder bei den Versicherern anders als bei den Banken nicht einmal vor Verlust sicher gewesen, wenn die Unternehmen pleite gegangen wären. Das Konto unterliegt nicht dem Schutz der US-Einlagensicherung FDIC.
Cuomos Verdacht ist, dass andere Versicherungskonzerne ähnlich vorgegangen sind. Er kündigte deshalb eine branchenweite Untersuchung an. Die beiden namentlich genannten Versicherer verteidigten ihr Vorgehen als vorteilhaft für die Kunden. Prudential versichert Militärangehörige in den USA, Metlife die Mitarbeiter von Bundesbehörden.
"Institutionalsierte Täuschung"
Jeffrey Stempel von der University of Nevada kritisierte die Firmenpolitik der US-Versicherungen. "Es ist eine institutionalisierte Täuschung. Aus meiner Sicht ist das ein Schema zum Betrügen. Es macht aus den Ansprüchen der Hinterbliebenen ein Profit-Center", lautete sein Vorwurf.
Darüber hinaus dürften die Versicherungen mit der Scheckbuch-Praxis US-Bankengesetze verletzen. Denn diese sehen seit 1933 vor, dass es ein Verbrechen ist, Geldeinlagen ohne die nötige Berechtigung zu verwalten. Dieses unregulierte Quasi-Banksystem bietet den Versicherten also auch keinen Schutz, wie er Bankkunden zustehen würde.
Potential für eine Katastrophe
Da bestehe das Potential für eine Katastrophe, warnte Lawrence Baxter von der Duke University School of Law in Durham, North Carolina. "Ein Lauf auf die Versicherungen könnte ausgelöst werden, wenn eine Versicherung nicht in der Lage ist, ihren Auszahlungen nachzukommen", sagte Baxter. Um derartiges zu verhindern, sei die Einlagensicherung geschaffen worden.
"Es ist beschämend, dass ein Versicherungskonzern Geld von den Familien unserer gefallenen Soldaten stiehlt", kommentierte Paul Sullivan vom Veteranenverband "Veterans for Common Sense". "Ich bin entrüstet".
(phu/Ag.)

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