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US-Versicherung macht Geschäft mit gefallenen Soldaten

30.07.2010 | 08:33 |   (DiePresse.com)

"Aus den Ansprüchen der Hinterbliebenen wird ein Profit-Center", warnt ein Experte. Statt des Geldes aus Lebensversicherungen erhalten Betroffene "Scheckbücher", die aber vor allem für US-Versicherer einträglich sind.

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5620 US-Soldaten sind in Afghanistan und im Irak in den vergangenen neun Jahren gestorben. Die Hinterbliebenen sind zum Bezug der Auszahlung einer Lebensversicherung berechtigt, die die US-Regierung über private Versicherungen abwickelt. 2009 hätten die Hinterbliebenen von gefallenen US-Soldaten von den Versicherungen Gelder in der Höhe von einer Milliarde US-Dollar erhalten müssen. Doch dem ist nicht so, berichtet die Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo hat mittlerweile die Ermittlungen aufgenommen. "Es ist schockierend und einfach unrecht, dass sich diese multinationalen Lebensversicherungskonzerne Hunderte von Millionen an Profiten in die eigene Tasche gesteckt haben, die eigentlich denen gehören, die Familienmitglieder verloren und ohnehin unermesslich gelitten haben", sagte Cuomo am Donnerstag.

Versicherer strichen Großteil der  Zinsen ein

Statt den Angehörigen von Soldaten und anderen Mitarbeitern von Bundesbehörden im Todesfall die Lebensversicherungssumme auf einen Schlag auszuzahlen, hätten die Unternehmen die Gelder einbehalten und auf einem speziellen Konto geparkt. Den Großteil der angefallenen Zinsen hätten dann die Versicherer eingestrichen. Die Angehörigen hätten von diesen dicken Profiten nie etwas erfahren. Die Angehörigen hätten von diesen dicken Gewinnen nie etwas erfahren.

Nur auf Nachfrage bekamen die Angehörigen die komplette Versicherungssumme ausgehändigt. Eine der zu klärenden Fragen ist nun, ob die Versicherer die Begünstigten überhaupt darüber aufgeklärt haben, dass sie das Recht auf eine komplette Auszahlung hatten.

Vorgehen dürfte branchenüblich sein

Cuomo rechnete vor, dass die Versicherer bis zu 4,8 Prozent Profit bei ihrer Methode herausgeschlagen hätten. Die Familien hätten aber nur 0,5 Prozent Zinsen ausgezahlt bekommen. Bei normalen Banken wäre gut das Doppelte drin gewesen, verglich er. Zudem seien die Gelder bei den Versicherern anders als bei den Banken nicht einmal vor Verlust sicher gewesen, wenn die Unternehmen pleite gegangen wären. Das Konto unterliegt nicht dem Schutz der US-Einlagensicherung FDIC.

Cuomos Verdacht ist, dass andere Versicherungskonzerne ähnlich vorgegangen sind. Er kündigte deshalb eine branchenweite Untersuchung an. Die beiden namentlich genannten Versicherer verteidigten ihr Vorgehen als vorteilhaft für die Kunden. Prudential versichert Militärangehörige in den USA, Metlife die Mitarbeiter von Bundesbehörden.

"Institutionalsierte Täuschung"

Jeffrey Stempel von der University of Nevada kritisierte die Firmenpolitik der US-Versicherungen. "Es ist eine institutionalisierte Täuschung. Aus meiner Sicht ist das ein Schema zum Betrügen. Es macht aus den Ansprüchen der Hinterbliebenen ein Profit-Center", lautete sein Vorwurf.

Darüber hinaus dürften die Versicherungen mit der Scheckbuch-Praxis US-Bankengesetze verletzen. Denn diese sehen seit 1933 vor, dass es ein Verbrechen ist, Geldeinlagen ohne die nötige Berechtigung zu verwalten. Dieses unregulierte Quasi-Banksystem bietet den Versicherten also auch keinen Schutz, wie er Bankkunden zustehen würde.

Potential für eine Katastrophe

Da bestehe das Potential für eine Katastrophe, warnte Lawrence Baxter von der Duke University School of Law in Durham, North Carolina. "Ein Lauf auf die Versicherungen könnte ausgelöst werden, wenn eine Versicherung nicht in der Lage ist, ihren Auszahlungen nachzukommen", sagte Baxter. Um derartiges zu verhindern, sei die Einlagensicherung geschaffen worden.

"Es ist beschämend, dass ein Versicherungskonzern Geld von den Familien unserer gefallenen Soldaten stiehlt", kommentierte Paul Sullivan vom Veteranenverband "Veterans for Common Sense". "Ich bin entrüstet".

(phu/Ag.)

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14 Kommentare
Thonet H.
30.07.2010 14:21
0 0

Wo der Mammongeist regiert,


Thonet H.
30.07.2010 14:23
0 0

Re: Wo der Mammongeist regiert,

da herrscht Lüge, Betrug, Habsucht und Hartherzigkeit.

Paco
30.07.2010 12:17
0 0

"Amerikas Geschäft ist das Geschäft."


Wie sagte US-Präsident Calvin Coolidge:

"Amerikas Geschäft ist das Geschäft."

[...] Dieses "Geschäft" war Antriebsmotor für die Indianerausrottung, für den sogenannten Sezessionskrieg, für den Kriegseintritt in beide Weltkriege (im wahrsten Sinne "Bombengewinne") - beide bekanntlich unter hohem Opfer an (amerikanischen) Menschenleben (Luisitania, Pearl Harbour) provoziert, dazwischen für die Finanzierung der Russischen Revolution (da mit den Bolschewisten bessere Geschäfte als mit dem rückständigen Zarenregime zu machen waren) und des deutschen Nationalsozialismus und aller (Un-)Taten seit 1945, bis zum Golfkrieg. [...]

Gast: DasGewissen
30.07.2010 11:04
0 0

nix neues...

Wo bleibt die Empörungswelle bei den Politikern?
Wo sind die Sonderberichte in den Nachrichten?

nix da...

ist alles schon "normal"...

Alles zum Wohle unserer, anscheinend, gliebten Wirtschaftdiktatur...

Gast: gastredner
30.07.2010 10:33
0 0

aber wie dumm sind eigentlich die angehörigen?

wenn jemand anspruch hat muß ausbezahlt werden. ansonsten gericht, anzeige, verklagen (auf die hundertfache summe!). haben sich die angehörigen täuschen lassen weil sie so dumm sind oder warum eigentlich?

Sochard
30.07.2010 06:17
0 0

Amerika, das Land der unbrenzten Möglichkeiten ...


Antworten Gast: Gast
30.07.2010 09:23
0 0

Re: Amerika, das Land der unbrenzten Möglichkeiten ...


Glaube kaum, daß unsere Versicherungen sich von denen in den USA unterscheiden.



Gast: Bärenfalle...
29.07.2010 18:54
0 0

Amerika wahrhaft ein Vorbild.

Zumindest weiß ich jetzt wieso in Amiland so viele alte bis sehr alte Menschen noch immer Beschäftigung finden und sei der Job noch so seltsam wie etwa die Supermarkt "Greeter" am Eingang.

Auf die Alten werden von den meisten Arbeitgebern nämlich Lebensversicherungen abgeschlossen, ein nettes Körberlgeld.


Gast: Leitwolf2
29.07.2010 18:21
2 0

Also wie war das jetzt mit der Versicherung des gefallenen Private Ryan?

Die Schecks konnten nicht eingelöst werden weil...?

Weigert sich die Versichung gänzlich das Geld auszubezahlen?
Hat sie den Scheck falsch ausgefüllt?
War das Geschäft schon geschlossen???

Worum es in der Story geht kann nur erahnt werden. Soll das Qualität in der Berichterstattung sein???

Gast: Ecker
29.07.2010 17:54
0 0

Habgier

Die Habgier des Menschen kennt keine Grenzen. Alle ethnischen und moralischen Grundsätze werden mit Füßen getreten. In solchen Fällen kann nur mehr die brutale Selbstjustiz weiterhelfen.

Gast: Baldur
29.07.2010 17:06
0 0

Und wer sind die Bosse der US Versicherungen?

Genau.

Die machen sogar mit dem Leichnam der eigenen Mutter noch ein Gäschääft.

Gast: Gast
29.07.2010 17:03
0 0

USA

Für die Leitung der Versicherung sollte die Todesstrafe gelten.

Gast: Temple of Love
29.07.2010 17:01
0 0

Für die Wall Street gefallen

Und selbst nach dem Tode ist es noch nicht aus.

Gast: Edmund Sackbauer
29.07.2010 16:42
2 0

So ist das Leben

"Unsere Boys" sind eben wirklich für alles gut,

Der schreckliche Leitsatz von "Topunternehmern" der da lautete: "Schädige deinen Nächsten so lange er noch lebt" wird hier überboten, auch Tote lassen sich ausnutzen !

Beschämend für das ganze "Goverment" !
Und die wollen die "Leit- und Führungs-Nation" der ganzen Welt sein ?