06.09.2010 10:48 | Meine Presse Merkliste0

Online-Glücksspiel: Bwin wird zur Nummer eins

29.07.2010 | 18:14 |  HEDI SCHNEID UND JAKOB ZIRM (Die Presse)

Der heimische Internet-Wettenanbieter schließt sich mit der britischen PartyGaming zusammen. Damit entsteht der weltweit größte börsenotierte Online-Glücksspielkonzern. Die Fusion soll 2011 abgeschlossen sein.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

WIEN. „Die Gespräche mit den Engländern haben nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt“, sagte Bwin-Aufsichtsratschef Hannes Androsch noch Ende Juni im Hinblick auf die seit vielen Monaten laufenden Verhandlungen mit dem britischen Konkurrenten PartyGaming. War das nur Ablenkung oder hat sich praktisch im Zieleinlauf noch eine Hürde aufgetan?

Wer auf eine Fusion der Online-Glücksspielanbieter gesetzt hat, gehört jetzt jedenfalls zu den Gewinnern: Am Donnerstag fixierten Bwin und PartyGaming die Fusion. Mit einer Marktkapitalisierung von 2,538 Mrd. Euro und Nettospielerträgen (Einnahmen minus Gewinnauszahlungen und Steuern) von knapp 700 Mio. Euro entsteht damit der weltweit größte börsenotierte Online-Glücksspielkonzern. „Wir sind jetzt dreimal so groß wie der nächste Konkurrent“, sagt Bwin-Vorstand Norbert Teufelberger am Donnerstagabend vor Journalisten.

Dazu wird eine neue Gesellschaft nach Europäischem Recht (SE) gegründet, die ihren Sitz auf Gibraltar haben wird, wo die beiden Unternehmen schon jetzt – aus rechtlichen und steuerlichen Gründen – beheimatet sind. Bwin hält 51,6 Prozent und PartyGaming 48,4 Prozent an der neuen Gesellschaft. Dementsprechend erhalten Bwin-Aktionäre auch 51,6 Prozent an der neuen Firma – oder anders ausgedrückt 12,23 Aktien von PartyGaming für eine Bwin-Aktie.

sGeführt wird der neue Konzern, für den noch ein Name gesucht wird, von Teufelberger und PartyGaming-Boss Jim Ryan. Manfred Bodner, Bwin-Mitbegründer und Teufelbergers Vorstandskollege, wechselt in den Aufsichtsrat. In diesem wird auch Androsch weiterhin sitzen, wenn auch nicht mehr als Vorsitzender. Diese Funktion soll künftig eine „neutrale“ Person innehaben, so Androsch zur „Presse“. Seine Anteile an dem Unternehmen wird Androsch behalten. Er wolle weiter eine bestimmende Rolle spielen.

Bwin verlässt Wiener Börse

Die Fusion soll im ersten Quartal 2011 abgeschlossen sein, wenn die kartellrechtlichen Genehmigungen vorliegen und auch die Aktionäre der beiden Unternehmen zustimmen. Dann verschwindet Bwin aller Voraussicht nach von der Wiener Börse. Der neue Konzern soll in London notieren. Ob es ein Zweitlisting in Wien – wie von der Börse erhofft – geben wird, müsse man noch überlegen.

Mit der Fusion, über die in der Branche schon lange spekuliert worden war, bündeln die beiden Gesellschaften, deren Marken erhalten bleiben, ihre Kräfte vor allem für die mögliche Öffnung des US-Marktes. Aber auch in Europa ergänzen sich die Partner sehr gut. So ist Bwin vor allem im Online-Sportwettenbereich sehr stark, PartyGaming hat seinen Hauptfokus wiederum in den Segmenten Online-Casinos und -Poker. Laut Bwin sollen sich in Summe Synergieeffekte im Ausmaß von 55 Mio. Euro ergeben. Dabei werde es sich jedoch weniger um einen Abbau von Arbeitsplätzen, sondern um positive Effekte aus der neuen Größe des Unternehmens handeln.

Unklar ist bisher allerdings, was die Fusion für den Standort Wien bedeutet. 800 Mitarbeiter kümmern sich hierzulande vor allem um die Bereiche IT, Marketing und Verwaltung. Weitere 700 sind in Gibraltar beschäftigt. PartyGaming hat 1300 Mitarbeiter, viele davon im Niedriglohnland Indien. „Da der Holding-Standort künftig nicht mehr in Wien ist, wird es Veränderungen geben“, sagt Teufelberger.

Der Standort Österreich habe sich in den vergangenen Jahren „für das Unternehmen unerfreulich entwickelt“, sagt Bodner. Ein Beispiel dafür sei die jüngste Betriebsprüfung samt Umsatzsteuernachforderung in Höhe von 6,5 Mio. Euro – gegen die Bwin berufen hat. „Dieser Bescheid ist aufgrund einer politischen Weisung erfolgt“, so Teufelberger.

Börse reagiert euphorisch

An der Börse wurde die Nachricht der Fusion euphorisch aufgenommen. Die Bwin-Aktie wurde zeitweise vom Handel ausgesetzt, nach der Wiederaufnahme schoss das Papier um knapp 28 Prozent nach oben, gab danach jedoch wieder leicht nach. Auch PartyGaming legte in London um zeitweise knapp 30 Prozent zu.

vergrößern

AUF EINEN BLICK

Bwin und PartyGamingfusionieren zum weltweit größten börsenotierten Online-Glücksspielkonzern. Die beiden Unternehmen bündeln ihre Kräfte für die Öffnung des US-Marktes. Die Bwin-Aktie verschwindet von der Wiener Börse, das neue Unternehmen
wird in London notieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2010)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentar BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

4 Kommentare
dorfbauer
30.07.2010 09:36
0 0

Und Steuerflucht dazu

Der schon einmal wegen Steuerverfehlungen Verurteilte Sozi werkt in einer Steueroase (nicht in Österreich!) Und das ist erlaubt? Für Linke offenbar schon.

dorfbauer
30.07.2010 09:29
0 0

Spielsucht fördern?

Weil ein Sozialist (Androsch) mit Glücksspielen Unheil für viele Menschen bringt, wird der Mantel des Schweigens von den "Gutmenschen" darüber gebreitet. Sollte das ein Bürgerlicher machen wäre wohl die Hölle los.

Gast: Zimmerman
29.07.2010 17:22
2 4

So etwas sollte verboten werden

Für wieviele Süchtige zeigen die sich verantwortlich?

Wieviel Prozent der Sozialhilfe landet dort?

JaKonator
29.07.2010 23:52
2 0

Re: So etwas sollte verboten werden

Also ich muss sagen, dass ich während der WM wirklich richtig viel Geld gemacht habe :D

Ich sags mal so, wenn jemand sich im Zaum halten kann, weiß wie man erfolgreich spielt und weiß wann genug gespielt wurde, dann passt alles. Nur manche Menschen haben sich nicht unter Kontrolle.

Oder wollen Sie Alkohol, Rauchen, Internet usw. auch verbieten nur weil Menschen davon abhängig werden?
Außerdem müssten dann die Casinos auch verboten werden, denn da ist die Chance, dass man Gewinnt, wirklich geringer als bei Sportwetten.