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Immobilien: China gesteht (sich) Immo-Blase ein

05.08.2010 | 18:27 |   (Die Presse)

Neuer Bankenstresstest rechnet mit 50 bis 60 Prozent niedrigeren Immobilienpreisen. Damit gesteht die Volksrepublik implizit den Aufbau einer riesigen Immobilienblase in China ein.

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Wien (mac). Bankenstresstests können vielerlei bezwecken: So können sie etwa gut als Mittel zur Vertrauensbildung und zur Beruhigung der Märkte eingesetzt werden, wie es Europa jüngst vorexerziert hat, als es die meisten seiner Großbanken mit guten Noten durch eine als „Streicheltest“ kritisierte Prüfung gewinkt hat.

Das Gegenbeispiel kommt aus China. Auch dort hat die lokale Aufsicht CBRC den Banken im Land kürzlich einen neuen Stresstest angekündigt. Doch statt Probleme unter den Teppich zu kehren, lies die Behörde in ihren Annahmen für den Test eine echte „Bombe“ fallen: Die Institute sollen testen, wie sie einen Rückgang der Immobilienpreise um 50 bis 60Prozent in großen Städten verkraften würden. Damit gesteht die Volksrepublik implizit ein, was Experten schon seit Monaten beobachten: den Aufbau einer riesigen Immobilienblase in China.

Angefeuert von einer Rekordkreditvergabe von 9,6Billionen Yuan im Vorjahr schossen unzählige Immobilienprojekte aus dem Boden. Die Folge des als Konjunkturspritze gedachten Geldsegens: explodierende Immobilienpreise. Im ersten Quartal des heurigen Jahres kosteten chinesische Immobilien um 68Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Diese Krise werde auch die chinesischen Banken hart treffen, warnte kürzlich Kenneth Rogoff, Harvard-Professor und früherer Chefökonom des IWF. Sie haben heute 40Prozent mehr Immobilienkredite in ihren Büchern als noch vor einem Jahr.

 

Wohnung für 20Jahresgehälter

Mitte April hatte die Regierung in Peking daher begonnen, langsam Luft aus der Blase zu lassen. Etwa durch die Anhebung der Mindesteigenmittel für Zweitwohnsitze. Damals hatte ein Stresstest den Banken noch ein gutes Zeugnis ausgestellt. Allerdings nur dann, wenn die Immobilienpreise um höchstens 30 Prozent fallen.

Im Juni gab es erste Erfolge zu feiern. Die Immobilienpreise in 70 Städten fielen um 0,1Prozent gegenüber dem Vormonat, meldete das chinesische Statistikamt. Eine Entwarnung ist das freilich nicht. Im Gegenteil: Der neue Stresstest, der 60Prozent tiefere Preisen unterstellt, ist offenbar als Zeichen für die Banken gedacht, die Risken nicht zu unterschätzen.

Besonders heiß ist die Lage nach Ansicht der CBRC in den Städten Peking, Shanghai, Shenzhen und Hangzhou. Dort kostet ein Appartement oft das Zwanzigfache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens. Wer sich hier seine dritte Immobile kaufen will, soll nach den Wünschen der CBRC keinen Kredit mehr erhalten, um weitere Spekulation hintanzuhalten.

Die Maßnahmen gegen die Immobilienblase bringen das Land, das in seiner Entwicklung auf immer neue Wachstumsrekorde angewiesen ist, aber in eine Zwickmühle. Die Konjunktur könnte abgewürgt werden, warnen Kritiker. Immerhin sorgt der Immobiliensektor für 20Prozent der Investitionen im Land. Platzt die Blase, würde das auch die Stahl- und Zementindustrie hart treffen.

Daran glaubt Jao Chianhai von der staatlichen Akademie der Sozialwissenschaften nicht. Die Regierung werde eher weiter Milliarden in die Wirtschaft pumpen, als einen großen Crash zuzulassen, sagte er dem „Spiegel“ – zumindest bis ins Jahr 2012. Dann endet die Amtszeit von Staatschef Hu Jintao und Premier Wen Jiabao.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2010)

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5 Kommentare
DCWorld
06.08.2010 17:52
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Wachstum über Alles

Wie der Vorredner ASTRO-WOLF bereits schrieb: Überall ist Wachstum. Es scheint die Leute sollen glauben, dass alles boomed. Das gilt ebenso für Deutschland oder USA.

In Wirklichkeit gibt es gar keinen Aufschwung. Die Lage ist schlecht, so wie hier beschrieben: http://start-trading.de/wachstum.htm

Man stelle sich vor in den USA benötigen 40Mio Menschen Lebensmittelmarken, die merken nichts vom Aufschwung.

Es wird nie zu verstehen sein, warum Menschen sich für ein vielfaches ihres Einkommens verschulden. Egal ob in China, in Amerika oder sonstwo...

"Wer mit dem Feuer spielt, verbrennt sich die Finger" heisst es in einem Sprichwort

ASTRO-WOLF
06.08.2010 12:03
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Wie überall - der VORGETÄUSCHTE Aufschwung!

Das Strickmuster "Ausnutzen der Wohnraumnot der kleinen Leute" hätte auch in China noch länger laufen können, wenn, ja wenn nicht die dramatischen Konjunktureinbrüche gewesen wären.

Schon vor Monaten konnte man im Net lesen, dass über 100.000 größere Firmen in China zusperren mussten - der Druck am Arbeitsmarkt steigt.

Wie sollen Kreditnehmer ihre Schulden ohne Einkommen zurück zahlen? (Vielleicht wie in den USA über die "Wertsteigerung" ihrer Immobilie?)

Jedenfalls erkennen immer mehr Menschen, dass die UNMENGEN AN KÜNSTLICH VERMEHRTEM GELD plump in Immobilien gepumpt wurden - in der Hoffnung, dass es gut gehen werde. (Stimmt doch Hr. Greenspan?)

SO ERLEBEN WIR JETZT DAS ENDE EINES ZUTIEFST UNGERECHTEN SCHULDSKLAVENGELDSYSTEMS, IN WELCHEM KRIEGE & VERARMUNG ZENTRALER BESTANDTEIL DES "INVESTMENTS" WAREN!


Gast: Megaboom
06.08.2010 02:21
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Korrektur bitte:

kostet nicht ein Appartment, sondern ein m² (!!!) rund das zwanzigfache eines durchschnittlichen chin. jahresgehalts. sprich der "kleine mann" müsste 20 jahre hackeln (ohne abzug der lebenshaltungskosten) um sich einen m² in einem ansprechenden appartment leisten zu können.

Antworten Gast: Chin2000
06.08.2010 12:47
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Re: Korrektur bitte:

ein m²????

20000 Yuan kostet ein m² in den Megastädten. Soviel verdient man in ca. drei jahren


Gast: gast
05.08.2010 23:12
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in die wirtschaft pumpen

das allseits beliebte keynesianische "in die wirtschaft pumpen" macht die massen arm und die eliten reich, laesst den kapitalismus schlecht aussehen und die politiker als verursacher des verbrechens als retter in der not.

leider sind die zusammenhaenge weit ueber dem niveau des durchschnittlich gebildeten buergers, der unternehmer und heuschrecken und spekulanten fuer die steigenden preise verantwortlich macht und nicht die politiker, die er alle jahre wieder gerne waehlt.