Der Schaden für die deutsche Wirtschaft durch Spionage beläuft sich Verbandsschätzungen zufolge auf jährlich mindestens 20 Milliarden Euro. Wahrscheinlich liege der Schaden sogar noch höher, sagte der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW), Berthold Stoppelkamp, der "Berliner Zeitung" von Dienstag. "Das Gefährdungspotenzial wird nach wissenschaftlichen Berechnungen auf 50 Milliarden Euro jährlich geschätzt". Angriffe gingen direkt von Wettbewerbern oder auch von Geheimdiensten aus, sagte er. Viele dieser Angriffe etwa über das Internet würden gar nicht bemerkt.
Legal getarnte Spione
Auch im jüngsten Verfassungsschutzbericht vom Juni 2009 wird Wirtschaftsspionage als große Gefahr für Deutschland betrachtet. Als besonders gefährlich bezeichnen CDU-Innenminister Thomas de Maizière und und Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm elektronische Angriffe auf Netzwerke und Computersysteme deutscher Unternehmen und öffentlicher Stellen. "Aber auch Spione, die sich getarnt in Deutschland aufhalten, spielen nach wie vor eine erhebliche Rolle. Die Unternehmen müssen aufgrund dieser gestiegenen Sicherheitskomplexität angepasst Schutzmaßnahmen treffen", sagte der Innenminister.
Unternehmen müssen mitwirken
Die Regierung setze bei der Abwehr von Wirtschaftsspionage auf ein breites Netzwerk aller Sicherheitsbehörden und relevanten Ministerien. Dabei sei sie von der Mitwirkung der Unternehmen selbst abhängig. "In kleinen und mittleren Unternehmen besteht oft noch kein ausgeprägtes Gefahrenbewusstsein", so de Maizière. Dadurch drohten "unfreundliche Know-how-Abflüsse" zulasten der deutschen Wirtschaft. Wenn sich die Top-Etagen der Wirtschaft nicht stärker darum kümmerten, seien die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und somit Arbeitsplätze in Gefahr.
Spione aus Russland und China
Am aktivsten bei der Spionage in Deutschland seien Russland und China. Aber auch der Nahe, Mittlere und Ferne Osten seien beteiligt. Die Nachrichtendienstler dieser Staaten arbeiteten oft getarnt als Diplomaten oder Journalisten an den amtlichen oder halbamtlichen Vertretungen in Deutschland. Ihre Büros seien sogenannte Legalresidenturen, womit Stützpunkte der fremden Geheimdienste gemeint sind, die teils in Botschaften und Generalkonsulaten oder auch in Presseagenturen oder Fluggesellschaften untergebracht sind.
Gefahr von "Dual Use"-Gütern
Einige Länder bemühen sich laut den Verfassungsschützern, in den Besitz von Technologien für atomare, biologische oder chemische Massenvernichtungswaffen mit den erforderlichen Trägersystemen zu gelangen. Speziell Nordkorea und Iran versuchten, Kontrollmaßnahmen durch Lieferungen über Drittländer und die Beschaffung von "Dual Use"-Gütern - Produkten, die sowohl militärisch als auch zivil verwendbar sind - zu umgehen.
(Ag./Red)
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